Ein paar Gedanken zum Thema Toleranz…

„Toleranz“ ist ein Begriff, dem wir nicht nur im Alltag, sondern auch in den Medien regelmäßig begegnen. Manche Menschen fordern mehr davon, während andere behaupten, es gäbe zu viel. Aber was ist eigentlich „Toleranz“ und wie finden wir heraus, wie viel wir davon praktizieren sollten? Dieser Frage möchte ich im Folgenden möglichst unkompliziert auf den Grund gehen. Bei meinen Überlegungen und Recherchen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es einige Perspektiven des alltäglichen Lebens völlig verändern kann, wenn man sich ein einziges Mal 5 Minuten nimmt, um über das Thema „Toleranz“ nachzudenken. Schauen wir uns das einmal an!

Ganz allgemein gesprochen ist Toleranz das Dulden oder auch Geltenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. So ähnlich drückt es zumindest Wikipedia aus und ich finde, das kann man durchaus so stehen lassen. Hier erkennen wir auch schon das Problem bei der ganzen Sache: Es bedeutet, etwas zu ertragen, das man selbst nicht für richtig hält oder anders machen würde. Dass das ein großes Problem ist, sieht man augenblicklich, wenn man einen Blick auf die Welt wirft.

Seit Menschengedenken bekriegen Menschen sich aufgrund verschiedener Religionen, politischer Meinungen oder sexueller Interessen und im Grunde berichten die Medien jeden Tag darüber. In Europa treffen Menschen verschiedener Herkunft aufeinander und es entstehen kulturelle Konflikte. Die Einheimischen wollen, dass ihre Gäste sich den hier geltenden Sitten anpassen, während die Gäste wollen, dass man ihre Hintergründe kennenlernt und begreift. Ein schwieriges Thema, bei dem es unmöglich erscheint, Kompromisse einzugehen.

Während viele sich für eine homosexuelle Ehe stark machen, gibt es auch mindestens genauso viele Gegner, die das für abartig und unsittlich halten. Natürlich hat jeder ganz viele Argumente, die für seine jeweilige Sichtweise sprechen und selbstverständlich hält jeder seine Meinung für die wichtigste. Wie soll es da möglich sein, einen Kompromiss zu finden? Geht das überhaupt? Ist Toleranz die richtige Lösung? Und wenn ja, wie viel Toleranz darf in diesem Bereich zählen?

Das sind nur zwei von sehr vielen Beispielen, die verdeutlichen, warum es kurz- und langfristig keine Kompromisse in allen möglichen Lebensbereichen geben wird. Entweder übt man Toleranz aus oder man verweigert sie. Es gibt nun einmal Fälle, in denen Kompromisse wenig Sinn machen. Und genau hier ist die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, sich tolerant zu verhalten. ABER, würde das nicht bedeuten, etwas anzunehmen, was man nicht annehmen kann, bzw. will? Würde das nicht heißen, seine Integrität und seine charakterdefinierenden Werte zu verraten? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Ich selbst komme nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss, dass es eine tolle Möglichkeit gibt, seine Ansichten zu hinterfragen und das Thema aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Die (vielleicht) goldene Regel der Toleranz

Eines sei vorab gesagt: Ich bin nicht der erste, nicht der einzige und auch nicht der letzte, der die folgenden Überlegungen äußert. Da sie aber zu wenige Menschen zu kennen scheinen, finde ich es verantwortungsvoll, offen darüber zu sprechen, bzw. schreiben.

Grundsätzlich sollten wir uns immer die folgende Frage stellen: Schadet das, was mein Gegenüber sagt, denkt oder macht in irgendeiner Weise mir oder jemand anderem? Wenn die Antwort „Nein“ lautet, dann gibt es keinen Grund, intolerant zu sein.

Dein Sohn möchte lieber Handwerker werden als Anwalt? Frage dich, ob das irgendjemandem schadet. Wenn du feststellst, dass niemand dadurch einen Nachteil hat, er aber glücklicher wird, dann solltest du deine Geschütze abbauen und Frieden einleiten.
Schadet es dir oder irgendjemandem sonst, wenn deine Nachbarin keinen Ehemann hat, sondern auf Frauen steht? Wenn die Antwort „Nein“ lautet, warum sollte dann irgendjemand ein Problem damit haben? Es ist doch super für sie, wenn sie leben und lieben kann, wie sie es für richtig hält. Klar, man muss das nicht nachvollziehen können. Man muss es nicht selbst machen. Aber müssen denn alle Menschen unbedingt dasselbe tun?

So, und jetzt drehen wir den Spieß einfach mal um:

Es gibt viele Situationen, in denen Menschen dir oder anderen schaden. Vielleicht machen sie das nicht immer bewusst, aber es geschieht. Es geschieht ständig und sollte unser Anliegen nicht sein, ein friedliches Leben in Einklang zu leben? Nenn mich einen Esoterik-Hippie, aber was sonst sollte Sinn machen? Sind wir etwa auf der Welt, um uns wegen Erdölvorräten im Nahen Osten wegzusprengen? Das Leben macht am meisten Spaß, wenn es Spaß macht. Und Spaß macht es immer dann, wenn sich alle gut verstehen. Daher denke ich, wie viele andere große Denker auch, dass Intoleranz als Schutz der Allgemeinheit dienen sollte und nicht als Einschränkung der Freiheit Einzelner.

Wir sollten gemeinsam stark und mutig sein, wenn es darum geht, wirklich schlimme Dinge zu verhindern. Wir sollten gemeinsam und geschlossen einen Riegel vor Gewalt, Diskriminierung und Egoismus schieben. Damit könnten und sollten wir so sehr beschäftigt sein, dass uns gar keine Zeit mehr übrig bleibt, um darüber zu diskutieren, wenn jemand heimlich, still und vor allem friedlich versucht, den für sich richtigen Weg in diesem oft komplizierten Leben zu finden. Wenn wir das tun, dann wird unsere Welt wirklich eine bessere sein. Lasst uns den nächsten Generationen doch einfach diesen Gefallen tun.

Zu unkonkret?

Wie dir sicherlich schon aufgefallen ist, habe ich jetzt nicht ganz konkret gesagt, wie und wobei man tolerant sein sollte. Das liegt daran, dass ich keine Meinungsmache betreiben möchte. Außerdem werden dir beim Lesen sicherlich schon eine Menge Beispiele eingefallen sein, bei denen man mal in Ruhe über Toleranz nachdenken kann.
Am Ende des Tages ist mir einfach wichtig, friedlich und respektvoll miteinander umzugehen.

Ja, andere Menschen werden gewisse Dinge immer anders machen als du. Ja, das wird dir nicht immer gefallen. Das ist aber nicht in allen Fällen schlecht für dich.

Ich kenne wunderbare Menschen, die gänzlich andere Einstellungen zu vielen Dingen des Lebens haben als ich. Wir können dennoch Freunde sein. Warum? Weil keiner von uns anderen schadet, sondern seine Überzeugungen friedlich praktiziert. Das fühlt sich gut an und vielleicht werden wir Menschen eines Tages lernen, dass wir gemeinsam mehr tun können, als uns wegen unserer Unterschiede zu zerhacken. Wir könnten zum Beispiel unsere Gemeinsamkeiten feiern 😉

Mit diesen Gedanken lasse ich dich einfach mal alleine, in der Hoffnung, dass sie dich auf Ideen bringen. Und natürlich würde ich mich auch darüber, deine Meinung zu dem Thema zu erfahren!

Ich wünsche dir einen wunderbaren Tag!

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

 

Titelbild: Unsplash.com, © Toa Heftiba