Etwas, woran wir alle uns hin und wieder erinnern sollten…
Kennst du das, wenn man das Gefühl hat, noch gar nicht so alt zu sein, wie man eigentlich ist? In der eigenen Vorstellung ist man irgendwie noch so jung. So „unreif“. Aber von außen betrachtet… da sind wir erwachsene Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen.
Manchmal, wenn wir Fotos von uns sehen oder mitbekommen, wie unsere Mitmenschen auf uns reagieren, wird uns das bewusst. Wir realisieren plötzlich, wie „weit“ wir schon im Leben sind. Manchen macht das Angst. Für manche ist es ein beruhigendes Gefühl. Andere nehmen es mit Humor.
In diesen Momenten, in denen uns klar wird, an welchem Punkt des Lebens wir stehen, fangen wir auch automatisch an, unsere Situation zu hinterfragen. Die Zeit und das Altern spielen dabei eine große Rolle. Wir fragen uns:
- „Wo ist die Zeit hin?“
- „Wie lange werde ich wohl noch leben?“
- „Habe ich meine Zeit bisher gut genutzt?“
- „Habe ich bisher alles erreicht, das ich erreichen wollte?“
- „Könnte man sagen, dass ich das Beste aus meinen Möglichkeiten gemacht habe?“
Natürlich sind wir beim Beantworten dieser Fragen nicht unbedingt gnädig zu uns selbst. Schlimmer noch: Was tun wir, um einzuschätzen, wo wir gerade stehen? Richtig: Wir vergleichen uns. Wir vergleichen uns mit unseren Mitmenschen. Aber selbstverständlich vergleichen wir uns nicht mit jenen, denen es schlechter geht. Wir vergleichen uns nur mit denen, die uns ein paar Schritte voraus zu sein scheinen. Und das tut weh.
Wo wir angeblich im Leben „stehen“ sollten
Unsere Gesellschaft erzeugt hohe Erwartungen: Im Alter von 30 Jahren sollten wir bereits einen tollen Job haben, verheiratet sein und ein paar Kinder haben.
Im Alter von 40 Jahren sollten wir schon längst ein Eigenheim haben. Natürlich mit einer pompösen Auffahrt und zwei Autos darauf.
In den 50ern sollen die Kinder bereits erwachsen sein. Wir sollen dann „so langsam zur Ruhe kommen“ und finanziell abgesichert sein.
Die 60er sollen dann der entspannte Endspurt zur Rente sein.
Und nach dem Renteneintritt soll alles leicht sein. Am besten sollen wir uns keine finanziellen Sorgen machen, weil wir eine üppige Rente und zig Vorsorgen haben. Und natürlich sollten wir ein Wohnmobil haben, mit dem wir um die Welt reisen. Schließlich haben wir jetzt angeblich Zeit für so etwas.
Tja, und dann… dann kommt die Realität.
Die allermeisten Menschen stellen fest, dass sie – völlig egal, wie alt sie sind – NICHT dort stehen, wo sie laut Gesellschaft stehen sollten. Vielleicht geht es dir ja gerade genauso. Vielleicht hast du das Gefühl, „hinterher“ zu sein.
Kann man es überhaupt richtig machen?
Wie die meisten wissen, arbeite ich als Coach und Berater. Im Klartext heißt das: Ich spreche im wahrsten Sinne täglich mit Menschen, die das Gefühl haben, „es nicht richtig“ gemacht zu haben. Soll heißen:
Ich spreche mit Menschen in ihren Dreißigern, die bereuen, noch keine Familie gegründet zu haben.
Ich spreche mit Menschen in ihren Dreißigern, die eine Familie gegründet haben und diesen Schritt bereuen.
Ich spreche mit Menschen in ihren Vierzigern, die sich Druck machen, weil sie kein Eigenheim, keinen Traumjob und kein Vermögen haben.
Ich spreche mit Menschen in ihren Vierzigern, die sehr erfolgreich sind, aber bereuen, sich niemals Zeit für sich genommen zu haben.
Ich spreche mit Menschen in ihren Fünfzigern, die glauben, einfach alles falsch gemacht zu haben, weil sie alleinstehend sind und nicht „ankommen“.
Ich spreche mit Menschen in ihren Fünfzigern, die am liebsten aus ihrem Leben ausbrechen würden und sich nichts sehnlicher wünschen, als einfach mal Zeit für sich zu haben.
Das geht immer so weiter. In sämtlichen Altersklassen, mit sämtlichen Themen… Du siehst, worauf das hinausläuft.
Weniger vergleichen. Mehr wertschätzen.
Wenn wir uns mit anderen vergleichen, können wir nur verlieren. Das wissen wir im Grunde selbst. Uns ist vollkommen bewusst, dass jede Lebensgeschichte einzigartig ist. Deshalb ist es wenig sinnvoll, sich ständig mit anderen zu vergleichen.
Wir haben jeden Tag aufs Neue die Wahl, entweder auf das zu blicken, was uns zum Glück fehlt, oder auf das zu schauen, was wir zum Glück bereits haben.
Der Erfolgsguru wird dir sagen, immer auf das zu schauen, was dir fehlt, um deinen Hunger nach Erfolg zu schüren.
Der Achtsamkeitsguru wird dir sagen, immer auf das zu schauen, was du hast, um in Fülle und Dankbarkeit zu leben.
Ich sage dir: Mach, was immer du willst, aber wenn du wirklich glücklich sein möchtest, dann achte darauf, dich in der Mitte der Dinge zu bewegen.
Unzufriedenheit ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt sie uns Anlass zu Veränderung und Verbesserung, und das kann eine sehr gute Sache sein. Andererseits kann sie uns auffressen, uns unseren inneren Frieden kosten und dazu führen, dass wir übersehen, was für ein kostbares Leben wir bereits führen.
Dasselbe gilt für die Zufriedenheit. Sie kann uns Seelenfrieden geben, aber sie kann uns auch davon abhalten, unser wahres Potenzial zu entfalten.
Der Vergleich mit anderen ist tückisch. Wenn wir nach unten vergleichen, sind wir zufrieden und geraten dadurch schnell in eine „falsche Sicherheit“. Wenn wir nach oben vergleichen, sind wir unzufrieden und verlieren die Wertschätzung für unseren individuellen Weg.
Wo bist du?
Also, was ist jetzt der Stand der Dinge? Bist du im Leben hinterher? Bist du deiner Zeit voraus? Machst du alles richtig oder hast du alles falsch gemacht?
Hier ist meine Perspektive: Du bist genau da, wo du jetzt bist. Und das ist gut so.
Es gibt viele, viele, viele Gründe dafür, dass du jetzt genau da bist, wo du bist. Hinterfrage sie nicht. Bereue sie nicht. Es ist Zeit- und Energieverschwendung.
Nimm deine Zeit und Energie, um sie in den Weg zu investieren, der vor dir liegt. Dass du heute da bist, wo du bist, ist so. Tatsache. Punkt.
Aber wo du bald sein könntest, liegt heute – hier und jetzt – zum großen Teil in deinen Händen.
Halte dich nicht am Leben der anderen auf. Dein eigenes erfordert mehr als genug Zeit und Aufmerksamkeit. Also geh den Weg in deinem ganz eigenen Tempo und lass dich nicht aus der Ruhe bringen.
Und wenn du schon dabei bist: Genieße die Reise. Das Leben ist ein Wunder. Leicht ist es nicht. Aber ein Wunder.
Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael
Titelbild: Unsplash.com, Marek Piwnicki
Guten Morgen Michael
Vielen herzlichen Dank für Dein Blog 🙂 welchen ich seit Jahren verfolge und liebe…
Heute gefällt mir besonders der letzte Abschnitt…
halte dich nicht am Leben der anderen auf…
geniesse die Reise…
das Leben ist ein Wunder…
schön, dass ich dabei sein darf und liebe Grüsse
René
Hallo Michael ich lese schon sehr sehr lange deine Post, dafür möchte ich dir vielen Dank sagen. Es freut mich sehr das du dich entwickelt und deine Berufung gefunden hast du teilst sie sie mit uns damit wir uns wieder finden. Dafür danke ich dir sehr herzliche Grüße
Hallo Michael,
der Blog ist wieder so treffend.
Ich bin dank deiner Bücher und Hörbücher schon einen so großen Schritt weiter gekommen, aber machmal holt auch mich das vergleichen wieder ein. Ich sage immer es ist Tagesform abhängig.
Aber es gelingt mir auch immer besser mich wieder in die richtige Richtung zurück zu bringen.
Vielen Dank für deine Bücher, Blog und motivierende Sprüche Bilder.
Liebe Grüße Steffi
Hallo Michael,
ich lese bereits seit einer Weile deine Bücher und deinen Blog. Die Wahrheiten die du dabei immer wieder ansprichst sind theoretisch so simpel und doch verrennen wir uns immer wieder. Deine Worte sind dann immer ein „Anker“ um die täglichen Dinge nicht so verbissen und verbohrt anzugehen. Einfach mal ein Dankeschön von mir für dich und genieße jeden Tag auf‘s Neue.
Liebe Grüße und schönes Wochenende
Oliver
Lieber Michael!
Danke für Deinen Blog.
Es tut so gut dies zu lesen.
Danke, dass ich dabei sein darf.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht Dir Bianca.
Lieber Michael,
Du hast es mal wieder gut den Punkt getroffen. Das Leben ist wie es ist. Sich mit anderen zu vergleichen, ist vergeudete Energie aber man kann Vorbilder haben, besonders wenn man jung ist. Der Blick zurück, im Leben kann dazu dienen , Lehren aus den getroffenen Entscheidungen für die Zukunft zu ziehen, alles andere ist Geschichte. Das Leben ist “jetzt“ aber man sollte sich Ziele für die Zukunft vornehmen.
Wir wissen nicht, warum andere Menschen das stehen wo sie stehen, also macht es auch keinen Sinn, sich mit ihnen zu vergleichen. Jeder Lebensweg ist anders und genau kennen tun wir nur den eigenen.
Du hast mit einfachen Worten alles erklärt, was letztendlich Zufriedenheit ausmacht.
Vielen Dank und ich hoffe, dass Du wieder völlig gesund bist.
LG Horst 😊
Mal wieder ein sehr guter und tiefer Blogartikel von dir, lieber Michael. Er regt zum Nachdenken an und gibt neue und wertvolle Perspektiven. Danke für deine wertvolle Arbeit!
Hab ein tolles Wochenende.
Gruß
Manuela
Hallo Michael ich bin gerade von einer Reise zurück gekommen. Was soll ich sagen genau das was du geschrieben hast ist mir passiert. Bei einer Reisegruppe ist man sprich ich sehr schnell am vergleichen. Ich habe aber auch gemerkt wie ermüdend sowas ist. Danke das du mich mit deinem Blog wachgerüttelt hast hab auch du ein schönes Wochenende.
Lg. Susanna
Es tut gut den Blog zu lesen.
Er hat mich sehr beruhigt.
Hallo Michael,
deine Worte sind jedesmal ein Geschenk, um meinen Weg zu überdenken und über meinen Tellerrand zu schauen. Und das seit so vielen Jahren! Ich muss einfach mal Danke sagen, dass du mich schon so lange begleitest und mir beim Wachsen hilfst!