Das könnte sich für uns lohnen… 😉

Es ist ein leidiges Thema und deshalb halte ich mich kurz. Ich möchte uns nicht unnötig quälen, denn das Thema quält uns bereits jeden Tag.

Wir leben in Zeiten großer Spaltung. Es heißt nur noch:

  • Geimpfte gegen Ungeimpfte
  • Schlafschafe gegen Querdenker
  • Klimaschützer gegen Klimawandelleugner
  • Linke gegen Rechte
  • Frauen gegen Männer
  • (Neuerdings sogar) Junge gegen Alte, weil die „Alten“ den Planeten zerstört haben
  • Religion A gegen Religion B („Mein Gott ist besser als deiner!“)
  • Usw….

Wir sind eine unzufriedene Gesellschaft, die rein gar nichts gegen diese Unzufriedenheit unternimmt. Anstatt an einer Verbesserung zu arbeiten, leugnen wir unsere eigenen Fehler, indem wir auf den vermeintlichen Schwächen und Gesinnungen anderer herumhacken. Das wird nicht gut gehen.

Zerstören ist einfach

Vor vielen Jahren baute meine Mutter mit mir zusammen ein Kartenhaus. Wir haben Stunden dafür gebraucht. Als wir fertig waren, habe ich es beim Aufstehen versehentlich umgestoßen und fing an zu weinen. Was meine Mutter mir dann sagte, sollte mein Leben prägen. Sie sagte: „So ist das im Leben. Es dauert sehr lange, etwas Schönes aufzubauen, aber es dauert nur wenige Momente, um es wieder zu zerstören. Das heißt aber nicht, dass wir aufhören sollten, schöne Sachen zu bauen.“ Und so machten wir uns wieder an die Arbeit.

Wie sich zeigt, hatte Mama (mal wieder) Recht. Aufbauen ist schwer und Zerstören ist einfach. Dass wir in einer Gesellschaft leben, in der man es sich gerne leicht macht, könnte ein Anhaltspunkt dafür sein, warum wir gerade dabei sind, munter alles zu zerstören.

Wir zerstören die Freiheit und den Frieden, für den unsere Vorfahren gekämpft haben. Wir lassen uns spalten und hassen Menschen, die wir überhaupt nicht kennen. Wir verurteilen andere, obwohl wir nicht einmal ansatzweise ihre Situation kennen oder die Gründe dafür, warum sie die Meinung haben, die sie nun mal haben. Kann das richtig sein?

Spaltung hat noch nie geholfen

Wenn wir wissen wollen, wohin Spaltung führt, müssen wir nur mal die Geschichtsbücher aufschlagen. Wenn uns gefällt, was wir sehen, können wir einfach so weitermachen. Falls wir jedoch vor dem zurückschrecken, was wir da sehen, sollten wir umdenken.

Ich persönlich habe eine Meinung zu so ziemlich allen Dingen des Lebens. Warum? Weil ich nur einen Kopf habe, mit dem ich denken kann und das ist meiner. Bedeutet das jedoch, dass jeder andere meine Meinungen teilen muss? Nein. Denn ich bin nur einer von 8 Milliarden Menschen und kann nicht erwarten, mit allen auf der gleichen Wellenlänge zu sein.

Gibt es hierbei Ausnahmen und Grenzen? Eindeutig! Die Grenze sollte immer dort sein, wo anderen geschadet wird. Nun ist es leider so, dass wir einander Schaden zufügen, während wir einander vorwerfen, einander zu schaden. Verrückt, oder?

Wo zwei verschiedene Meinungen aufeinandertreffen, kann nur ein Dialog helfen. Denk mal darüber nach: Die anderen Optionen sind Ignoranz oder Unterdrückung. Entweder ignorierst du jemanden, weil er dich nicht versteht und du ihn nicht verstehen willst oder du zwingst ihn mit Gewalt, deine Ideologie anzunehmen. Die einzig friedliche Lösung ist der Dialog mit einem optionalen Kompromiss. Und den gibt es heutzutage kaum noch.

Wir alle haben unsere Gründe

Viele Menschen tun Dinge, die ich nicht gutheißen würde. Ich hatte mal einen Coaching-Klienten, von dem ich im späteren Verlauf der Zusammenarbeit erfuhr, dass er ein sogenannter „Neonazi“ war. Für mich persönlich ist es nicht nachvollziehbar, wie man andere aufgrund ihrer Herkunft verurteilen kann und genau das habe ich besagtem Herrn gesagt. Er erzählte mir daraufhin, dass er im Grunde weiß, wie ungerecht das ist. Es war jedoch so, dass seine Mutter von einem terroristisch motivierten „Ausländer“ getötet worden war. Besagter Klient hatte nie gelernt, seine Wut, Trauer und all die anderen Emotionen richtig zu kanalisieren. Es hatte ihm auch niemand dabei geholfen. Und so fand er Anklang in einer Szene, in der man „Ausländer“ ablehnt. Er fand offene Arme, offene Ohren und Zuspruch. Und so formte sich in ihm eine neue Ideologie.

Das heißt nicht, dass ich das gutheiße. Ganz und gar nicht. Aber es zeigte mir mal wieder, dass wir alle unsere Gründe haben. Ob diese Gründe gut oder schlecht sind, ist ein anderes Thema. Es steht mir nicht an, darüber zu urteilen. Fakt ist, dass wir Gründe dafür haben, so zu denken und zu leben, wie wir es tun.

Wir können versuchen, einander zu verstehen, indem wir Dialoge suchen. Dann eröffnet sich Platz für Kompromisse, Gemeinsamkeiten und ein friedliches Miteinander.

Genauso können wir einander verachten und ablehnen. Dann eröffnet sich Platz für Spaltung, Gewalt und Zerstörung. Es liegt bei uns.

Bewerft mich mit Eiern

Ihr könnt mich gerne mit Eiern bewerfen, weil ich so denke. Aber auch das führt nur zu Spaltung, Gewalt und Zerstörung.

„Recht“ haben zu wollen, hat noch nie etwas gebracht. Bei Meinungsverschiedenheiten auf sein „Recht“ zu beharren, ist nicht immer sinnvoll. Im besten Fall brichst du das Ego deines Gegenübers und deins wird befriedigt. Im schlimmsten Fall brichst du ein Feuer vom Zaun, das du nicht löschen kannst.

Und ja, auch hierbei gibt es Ausnahmen. Aber bevor du mir die Ausnahmenkeule um die Ohren schwingst, denke bitte an Folgendes: Der Alltag ist der Alltag und nicht die Ausnahme. Es gibt immer Ausnahmen, die die Gesetze der Vernunft aushebeln. So, wie zum Beispiel Hummeln die Gesetze der Physik aushebeln, indem sie fliegen, obwohl es unmöglich sein müsste.
So, wie auch im besten Restaurant der Welt mal der Kuchen anbrennt. Konzentrieren wir uns doch lieber auf das, was regulär und alltäglich passiert. Dann werden wir sehen, dass wir viel Luft nach oben haben, um unser aller Situation zu verbessern.

Schaffen wir das nicht, werden wir bald auch nur ein schreckliches Kapitel in den Geschichtsbüchern von morgen sein.

Ob du meine Meinung teilst oder nicht: Solange wir respektvoll darüber reden können, können wir auch Freunde sein.

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelbild: Unsplash.com, Kelly Sikkema