…und was sie dir beibringen.

Es gibt viele Situationen des Lebens, in denen wir wichtige Lektionen lernen. Sehr viele. Und es ist schwer zu sagen, welche dieser Lektionen der größte Lehrmeister ist. Wenn ich also die für mich stärksten Lektionen heraussuche, dann ist dies mein völlig subjektives Empfinden. Bei meinen Entwürfen zu diesem Artikel bin ich auf dutzende wichtige Lektionen gekommen. Herausgefiltert habe ich jedoch die, die du im Folgenden kennenlernen wirst. So negativ sie auf den ersten Blick auch sein mögen, so positiv ist das, was wir aus ihnen machen können. Schauen wir uns das doch einmal näher an.

1. Gebrochenes Herz

Einen geliebten Mitmenschen verlieren, betrogen werden oder unglücklich verliebt sein. Es gibt verschiedene Anlässe, die zu einem gebrochenen Herzen führen, doch das Gefühl ist und bleibt dasselbe: Purer Schmerz und Verzweiflung. Wir alle haben es schon erlebt, die einen mehr, die anderen weniger. Wir alle wissen, wie es sich anfühlt und wir alle versuchen, den Schmerz des gebrochenen Herzens zu vermeiden. Dabei wissen wir ganz genau, dass der Tod unvermeidlich ist. Wir wissen, dass wir Enttäuschungen nicht gänzlich vermeiden können und genauso wissen wir, dass die Liebe ebenso schmerzhaft wie schön sein kann. Das heißt: Früher oder später sind wir alle mal wieder dran. Das steht außer Frage. Viel entscheidender ist jedoch, was wir daraus machen.

Meiner Meinung nach gibt es kaum eine größere Chance für persönliches Wachstum als das gebrochene Herz. Wenn wir jemanden verlieren, dann lernen wir selbstständiger zu sein und uns selbst zu stützen. Wir lernen, dass das Leben weitergeht. Egal, wie hart es uns trifft, die Uhren bleiben nicht stehen. Das ganz normale Leben um uns herum läuft weiter. Und wir müssen entscheiden, ob wir mitgehen und wachsen oder stehen bleiben und zerbrechen. Verlust ist nie einfach, aber immer lehrreich.

Wenn wir betrogen werden, wird unser Vertrauen auf eine harte Probe gestellt. Werden wir fortan nie wieder vertrauen können oder sehen wir uns rückblickend ganz genau an, was da passiert ist? Entscheiden wir uns für das letztere, verbessert sich unsere Fähigkeit der Entscheidungsfindung. Wir gehen selektiver mit unseren Mitmenschen um und lernen eher Menschen kennen, die zu uns passen und denen wir vertrauen können.

Unerwiderte Liebe tut weh, keine Frage. Sie zeigt uns jedoch auch, welche Art von Menschen nicht gut für uns ist. Sie erinnert uns daran, warum ein gesundes Selbstwertgefühl wichtig ist. Erst durch sie lernen wir wahre Wertschätzung für die Menschen, die sich uns öffnen und nicht vorhaben, uns zu verletzen. Zurückgewiesen oder enttäuscht zu werden, ist nur so lange eine Tragödie, bis wir die Person gefunden haben, die uns verstehen lässt, warum wir diese Lektion lernen mussten.

2. Geldnot

Mich persönlich hat kaum etwas so sehr geprägt wie die Geldnot. Leere Taschen und ein Konto im Minus zu haben, hat viel für mich getan und ich bin mir sicher, dass es den meisten Menschen genauso geht.

Die erste Lektion war, dass nichts Gutes passiert, wenn ich es nicht passieren lasse. Wenn niemand kommt, um dir das zu geben, was du gerne hättest, fängst du an selbst dafür zu arbeiten. Das fühlt sich im ersten Moment unfair an, ist am Ende des Tages aber nur richtig und ehrlich. Es ist pure Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein. Nichts von all dem, was ich bis heute aufgebaut habe, würde jetzt existieren, wenn ich nicht stockpleite gewesen wäre. Hätte mich jemand finanziert, hätte ich vielleicht niemals die Ambitionen entwickelt, selbst etwas Großes aufzubauen.

Viel wichtiger war jedoch die Erkenntnis, worauf es wirklich ankommt und worauf nicht. Wenn du es dir nicht leisten kannst, auszugehen oder dir die neuste Technik zu kaufen, geht das Leben weiter. Auch ohne neue Kleidung bist du immer noch ein wertvoller Mensch. Ja, das kann man sich alles im Vorhinein denken. Wirklich begreifen wird man es aber nur, wenn es so richtig darauf ankommt. Wenn du wenig hast, wird dein Leben übersichtlicher. Das, was am Ende übrig bleibt, ist wichtig. Wenn du etwas verlierst und trotzdem noch weitermachen kannst, war es nicht so wichtig.

Das gilt im Übrigen auch für Menschen. Die kommen und gehen nämlich auch mit Wohlstand oder Armut. Wenn du weniger unternehmungslustig bist, weil dir das Kleingeld für Bars und Restaurants fehlt, wirst du plötzlich uninteressanter. Dann zeigt sich, ob eine Freundschaft auch stark genug für den Brettspielabend im 1 Zimmer Apartment ist.

Es wäre reine Heuchelei zu behaupten, dass ich Geldnot erstrebenswert finde. Offen gesagt arbeite ich hart dafür, um nie wieder an diesen Punkt zurückzukehren. Ich meine es jedoch völlig ernst, wenn ich sage, dass ich dankbar für die Phasen bin, in denen ich nur sehr wenig hatte. Ohne diese Erfahrung wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin.

3. Niederlage

Die gute alte Niederlage. Ob in einem Zweikampf oder bei einem Voraben: Die Niederlage verpasst unserem Selbstwertgefühl einen mächtigen Tritt in den Allerwertesten. Sie gibt uns das Gefühl, ein Versager zu sein und nicht unser Bestes gegeben zu haben.

Was das Gute daran ist? Wir hinterfragen, ob wir WIRKLICH unser Bestes gegeben haben. Oft kommen wir dann zu der Erkenntnis, dass dies nicht der Fall war und schon haben wir einen Grund, über uns hinauszuwachsen und stärker als je zuvor zurückzukehren. Und wenn wir ehrlich sagen können, dass wir sehr wohl unser Bestes gegeben und trotzdem verloren haben, dann ist der Schaden für unser Selbstwertgefühl doch nicht allzu groß. Vielleicht war der Zeitpunkt einfach nicht der richtige.

Bei der Auseinandersetzung mit JEDER Niederlage des Lebens gibt es viel Wertvolles zu gewinnen. Warum habe ich den Rückschlag erlitten? Was hätte ich besser machen können? Ist das, was ich mache, überhaupt das Richtige für mich? Es sind all diese Fragen, die den Kurs korrigieren und uns auf den für uns richtigen Pfad bringen.

Ich erleide lieber eine Niederlage und erhalte somit Antworten auf die Fragen des Lebens, als nichts zu tun und mich ewig zu fragen, wohin es mit meinem Leben wohl gehen soll. Deshalb sollten wir keine Angst vor Niederlagen haben. Sie sind der Beweis für unseren Mut und unseren Willen, etwas zum Guten zu verändern. Wir suchen uns aus, ob wir die wertvollen Lektionen annehmen oder ob wir sie in Grund und Boden ignorieren.

Zerbrechen oder wachsen?

Wir suchen uns selten aus, was um uns herum geschieht. Wir suchen uns jedoch IMMER aus, wie wir damit umgehen. Im Laufe des Lebens begegnen wir vielen Lehrmeistern, die uns wehtun und vor harte Herausforderungen stellen. Es liegt an uns zu entscheiden, ob wir daran zerbrechen oder wachsen.

Ich kenne dich nicht persönlich und habe keine Ahnung, wie deine Geschichte bis hierhin verlaufen ist. Das Folgende kann ich jedoch mit Gewissheit über dich sagen: Wenn du auf dein Leben zurückblickst, dann wirst du feststellen, dass deine größten Triumphe aus Schmerz, Enttäuschungen und Niederlagen entstanden sind. Wäre immer alles okay gewesen, hättest du niemals einen Grund bekommen, es wirklich gut zu machen.

Also hab keine Angst vor den Lehrmeistern des Lebens. Hin und wieder wird der ein oder andere ungefragt an deine Türe klopfen. Stell dich darauf ein, dass es wehtun wird. Sei aber auch aufmerksam und freue dich auf das Gute, das du aus dieser Erfahrung mitnehmen kannst.

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

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