Die 3 größten Lehrmeister des Lebens

…und was sie dir beibringen.

Es gibt viele Situationen des Lebens, in denen wir wichtige Lektionen lernen. Sehr viele. Und es ist schwer zu sagen, welche dieser Lektionen der größte Lehrmeister ist. Wenn ich also die für mich stärksten Lektionen heraussuche, dann ist dies mein völlig subjektives Empfinden. Bei meinen Entwürfen zu diesem Artikel bin ich auf dutzende wichtige Lektionen gekommen. Herausgefiltert habe ich jedoch die, die du im Folgenden kennenlernen wirst. So negativ sie auf den ersten Blick auch sein mögen, so positiv ist das, was wir aus ihnen machen können. Schauen wir uns das doch einmal näher an.

1. Gebrochenes Herz

Einen geliebten Mitmenschen verlieren, betrogen werden oder unglücklich verliebt sein. Es gibt verschiedene Anlässe, die zu einem gebrochenen Herzen führen, doch das Gefühl ist und bleibt dasselbe: Purer Schmerz und Verzweiflung. Wir alle haben es schon erlebt, die einen mehr, die anderen weniger. Wir alle wissen, wie es sich anfühlt und wir alle versuchen, den Schmerz des gebrochenen Herzens zu vermeiden. Dabei wissen wir ganz genau, dass der Tod unvermeidlich ist. Wir wissen, dass wir Enttäuschungen nicht gänzlich vermeiden können und genauso wissen wir, dass die Liebe ebenso schmerzhaft wie schön sein kann. Das heißt: Früher oder später sind wir alle mal wieder dran. Das steht außer Frage. Viel entscheidender ist jedoch, was wir daraus machen.

Meiner Meinung nach gibt es kaum eine größere Chance für persönliches Wachstum als das gebrochene Herz. Wenn wir jemanden verlieren, dann lernen wir selbstständiger zu sein und uns selbst zu stützen. Wir lernen, dass das Leben weitergeht. Egal, wie hart es uns trifft, die Uhren bleiben nicht stehen. Das ganz normale Leben um uns herum läuft weiter. Und wir müssen entscheiden, ob wir mitgehen und wachsen oder stehen bleiben und zerbrechen. Verlust ist nie einfach, aber immer lehrreich.

Wenn wir betrogen werden, wird unser Vertrauen auf eine harte Probe gestellt. Werden wir fortan nie wieder vertrauen können oder sehen wir uns rückblickend ganz genau an, was da passiert ist? Entscheiden wir uns für das letztere, verbessert sich unsere Fähigkeit der Entscheidungsfindung. Wir gehen selektiver mit unseren Mitmenschen um und lernen eher Menschen kennen, die zu uns passen und denen wir vertrauen können.

Unerwiderte Liebe tut weh, keine Frage. Sie zeigt uns jedoch auch, welche Art von Menschen nicht gut für uns ist. Sie erinnert uns daran, warum ein gesundes Selbstwertgefühl wichtig ist. Erst durch sie lernen wir wahre Wertschätzung für die Menschen, die sich uns öffnen und nicht vorhaben, uns zu verletzen. Zurückgewiesen oder enttäuscht zu werden, ist nur so lange eine Tragödie, bis wir die Person gefunden haben, die uns verstehen lässt, warum wir diese Lektion lernen mussten.

2. Geldnot

Mich persönlich hat kaum etwas so sehr geprägt wie die Geldnot. Leere Taschen und ein Konto im Minus zu haben, hat viel für mich getan und ich bin mir sicher, dass es den meisten Menschen genauso geht.

Die erste Lektion war, dass nichts Gutes passiert, wenn ich es nicht passieren lasse. Wenn niemand kommt, um dir das zu geben, was du gerne hättest, fängst du an selbst dafür zu arbeiten. Das fühlt sich im ersten Moment unfair an, ist am Ende des Tages aber nur richtig und ehrlich. Es ist pure Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein. Nichts von all dem, was ich bis heute aufgebaut habe, würde jetzt existieren, wenn ich nicht stockpleite gewesen wäre. Hätte mich jemand finanziert, hätte ich vielleicht niemals die Ambitionen entwickelt, selbst etwas Großes aufzubauen.

Viel wichtiger war jedoch die Erkenntnis, worauf es wirklich ankommt und worauf nicht. Wenn du es dir nicht leisten kannst, auszugehen oder dir die neuste Technik zu kaufen, geht das Leben weiter. Auch ohne neue Kleidung bist du immer noch ein wertvoller Mensch. Ja, das kann man sich alles im Vorhinein denken. Wirklich begreifen wird man es aber nur, wenn es so richtig darauf ankommt. Wenn du wenig hast, wird dein Leben übersichtlicher. Das, was am Ende übrig bleibt, ist wichtig. Wenn du etwas verlierst und trotzdem noch weitermachen kannst, war es nicht so wichtig.

Das gilt im Übrigen auch für Menschen. Die kommen und gehen nämlich auch mit Wohlstand oder Armut. Wenn du weniger unternehmungslustig bist, weil dir das Kleingeld für Bars und Restaurants fehlt, wirst du plötzlich uninteressanter. Dann zeigt sich, ob eine Freundschaft auch stark genug für den Brettspielabend im 1 Zimmer Apartment ist.

Es wäre reine Heuchelei zu behaupten, dass ich Geldnot erstrebenswert finde. Offen gesagt arbeite ich hart dafür, um nie wieder an diesen Punkt zurückzukehren. Ich meine es jedoch völlig ernst, wenn ich sage, dass ich dankbar für die Phasen bin, in denen ich nur sehr wenig hatte. Ohne diese Erfahrung wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin.

3. Niederlage

Die gute alte Niederlage. Ob in einem Zweikampf oder bei einem Voraben: Die Niederlage verpasst unserem Selbstwertgefühl einen mächtigen Tritt in den Allerwertesten. Sie gibt uns das Gefühl, ein Versager zu sein und nicht unser Bestes gegeben zu haben.

Was das Gute daran ist? Wir hinterfragen, ob wir WIRKLICH unser Bestes gegeben haben. Oft kommen wir dann zu der Erkenntnis, dass dies nicht der Fall war und schon haben wir einen Grund, über uns hinauszuwachsen und stärker als je zuvor zurückzukehren. Und wenn wir ehrlich sagen können, dass wir sehr wohl unser Bestes gegeben und trotzdem verloren haben, dann ist der Schaden für unser Selbstwertgefühl doch nicht allzu groß. Vielleicht war der Zeitpunkt einfach nicht der richtige.

Bei der Auseinandersetzung mit JEDER Niederlage des Lebens gibt es viel Wertvolles zu gewinnen. Warum habe ich den Rückschlag erlitten? Was hätte ich besser machen können? Ist das, was ich mache, überhaupt das Richtige für mich? Es sind all diese Fragen, die den Kurs korrigieren und uns auf den für uns richtigen Pfad bringen.

Ich erleide lieber eine Niederlage und erhalte somit Antworten auf die Fragen des Lebens, als nichts zu tun und mich ewig zu fragen, wohin es mit meinem Leben wohl gehen soll. Deshalb sollten wir keine Angst vor Niederlagen haben. Sie sind der Beweis für unseren Mut und unseren Willen, etwas zum Guten zu verändern. Wir suchen uns aus, ob wir die wertvollen Lektionen annehmen oder ob wir sie in Grund und Boden ignorieren.

Zerbrechen oder wachsen?

Wir suchen uns selten aus, was um uns herum geschieht. Wir suchen uns jedoch IMMER aus, wie wir damit umgehen. Im Laufe des Lebens begegnen wir vielen Lehrmeistern, die uns wehtun und vor harte Herausforderungen stellen. Es liegt an uns zu entscheiden, ob wir daran zerbrechen oder wachsen.

Ich kenne dich nicht persönlich und habe keine Ahnung, wie deine Geschichte bis hierhin verlaufen ist. Das Folgende kann ich jedoch mit Gewissheit über dich sagen: Wenn du auf dein Leben zurückblickst, dann wirst du feststellen, dass deine größten Triumphe aus Schmerz, Enttäuschungen und Niederlagen entstanden sind. Wäre immer alles okay gewesen, hättest du niemals einen Grund bekommen, es wirklich gut zu machen.

Also hab keine Angst vor den Lehrmeistern des Lebens. Hin und wieder wird der ein oder andere ungefragt an deine Türe klopfen. Stell dich darauf ein, dass es wehtun wird. Sei aber auch aufmerksam und freue dich auf das Gute, das du aus dieser Erfahrung mitnehmen kannst.

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelbild: Unsplash.com, Da Kraplak

16 Kommentare, sei der nächste!

  1. Lieber Michael,

    deine Worte kann ich nur bestätigen. Krisen sind schlimm, aber sie lassen uns wachsen und stärker werden.
    Auch wenn man es mitten im Sturm oft nicht sehen kann und gute Ratschläge dann auch mal nerven können.
    Aber irgendwann kommt der Überlebensinstinkt und dann geht´s aufwärts. Das Leben ist immer für einen.

    Schönes Wochenende und liebe Grüße.
    Yvonne

  2. Du triffst den Nagel wieder einmal auf den Kopf.
    Ich habe mich seit frühester Kindheit darauf getrimmt zu genügen und anderen immer alles recht zu machen. Nun bin ich seit einiger Zeit daran zu erkennen was ich wirklich für mich möchte und nicht immer alles zuerst auf mich zu beziehen. Es ist mir jedoch noch nicht immer möglich direkt zu erkennen dass ich wieder im alten Muster reagiere und mein Verstand über meinem Herzen regiert. Aber wie du richtig schreibst – es sind diese Lehrmeister welche mir die Lösungen präsentieren. Vertrauen zu haben fällt machmal tatsächlich schwer. In diesen Sinne herzlichen Dank und ein schönes Wochenende.

    1. Hallo René,

      es freut mich wirklich sehr zu lesen, wie bei dir ein Umdenken stattgefunden hat und stattfindet. Es ist nicht schlimm, wenn uns nicht immer alles optimal gelingt. Solange wir bereit sind nicht aufzugeben und weiterzumachen, stehen uns alle Möglichkeiten offen.

      Dir ebenfalls ein schönes Wochenende!

      Viele Grüße
      Michael

  3. Hallo Michael,

    danke für diesen Beitrag. Es liest sich so, als wärst du bei meinen Krise dabei gewesen. Ich habe viel gelernt aus meinen Krisen und nutze dieses Wissen. Krisen kommen und gehen. So etwas nennt man allgemeinhin Leben. Und das ist auch gut so. Man lernt nie aus. Egal wie alt oder jung man ist.

    Schönes Wochenende

    LG Andrea…

    1. Hallo Andrea,

      ich war zwar nicht persönlich dabei, aber oft sitzen wir alle im selben Boot, ohne dass es uns wirklich bewusst ist…
      Du hast völlig Recht: Man lernt nie aus und das ist gut so.

      Ich wünsche dir ebenfalls ein schönes Wochenende!

      Viele Grüße
      Michael

  4. Lieber Michael, das was du geschrieben hast, habe ich heute versucht meinem Sohn klar zu machen, das er selbst verantwortlich ist für seine Lage und das er selbst sich auch wieder da rausholen muss.
    Hab alles am eigenen Leib erfahren, wie es ist nichts zu haben und daraus das beste zu machen.
    Heute geht es mir gut und ich würde ihm das Gleiche wünschen, aber er meint das alle anderen es richten müssen, nur er nicht.

    1. Hallo Chris,

      ich weiß nicht, wie alt dein Sohn ist, aber offensichtlich ist er ja ein gutes Stück jünger als du. Vielleicht braucht er einfach seine Zeit. Oder vielleicht muss er die Erfahrungen, die du gemacht hast, ebenfalls selbst machen.

      Wir wollen die Menschen, die wir lieben, so gut wie möglich schützen. Allerdings gibt es nur eine einzige Möglichkeit, um eine Lektion WIRKLICH zu verstehen: Wir müssen sie erleben und durchleben. Manche Menschen kommen auch ohne diese Lektionen gut durch das Leben. Die meisten müssen jedoch selbst in die Verantwortung gezogen werden. Da ist jeder anders.

      Ein Therapeut sagte mir mal, dass wir unseren Kindern nicht jede Lektion abnehmen können. Wir können jedoch hinter ihnen stehen und sie auffangen, wenn eine Lektion sie hart erwischt hat.

      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

      Viele Grüße
      Michael

      1. Danke für die aufrichtigen Worte, du hast mir die Augen geöffnet und ich sehe es jetzt anders, ich werde auf jeden Fall für ihn da sein, egal was kommt.
        Er wird immer mein Sohn sein

  5. Hi Michael,

    sehr schöner Artikel und passend auf meine aktuelle Lebenssituation. Gerade das Schlusswort fand ich sehr schön und ich kann das nur bestätigen „Wenn du auf dein Leben zurückblickst, dann wirst du feststellen, dass deine größten Triumphe aus Schmerz, Enttäuschungen und Niederlagen entstanden sind.“

    Alles Liebe und ein schönes Wochenende!
    Carsten.

    1. Hallo Carsten,

      schön, dass der Beitrag dir zusagt! Wir finden uns unerwartet oft in der ein oder anderen Situation wieder und da ist es schön zu wissen, dass man nicht allein ist 🙂

      Ich wünsche dir alles Gute und natürlich ebenfalls ein schönes Wochenende.

      Viele Grüße
      Michael

  6. Hallo Michael,

    Bin wirklich immer wieder froh über die aufbauenden Worte. Ich habe Dein Buch gelesen „drauf geschissen“. Seitdem hab ich meine komplette Denkensweise was MEIN Leben betrifft vollständig verändert. I h bin nicht egoistisch, aber ich denke mehr an mich und mache Es nicht mehr jedem recht.

    1. Hallo Petra,

      das freut mich wirklich sehr! Zu sich und seinen Wünschen zu stehen, ist keineswegs egoistisch. Es ist eine gesunde Lebenseinstellung und es freut mich, dass du dich damit wohl fühlst. Weiterhin alles Gute!

      Viele Grüße
      Michael

  7. Lieber Michael,
    du „scheibst mir aus der Seele“…Ich bin knapp 50 Jahre und kenne die Lehrmeister des Betruges, der Geldnot und auch der Niederlagen…und wahrscheinlich noch mehr…
    Allerdings bin ich unheimlich stolz auf mich, da ich alles toll überwinden und reflektieren konnte und heute glücklich verheiratet und Mutter zweier ganz toller, erwachsener Söhne bin . Und Geldnot habe ich derzeit auch keine mehr. Wie du schreibst, lernt man in gewissen Phasen des Lebens seine wahren Freunde kennen!
    Unlängst hat mir mein älterer Sohn in Zusammenhang mit Schwierigkeiten erklärt, dass das mit der Dankbarkeit super funktioniert. Ich habe ihnen nämlich beigebracht , sich einmal in der Woche zu überlegen , wofür sie dankbar sind
    (z.Bsp.: Gesundheit, Freunde, Familie, Job…) und das mache ich auch. Es löst zwar das Problem nicht unmittelbar, aber zeigt auf was man alles hat und aus welchen Ressourcen man schöpfen kann . Und das macht sehr oft das Problem kleiner und die Sichtweise und Einstellung dazu anders!
    Ja, das leben ist schön!
    Vielen Dank für Deine tollen Artikel und Bücher!
    Wunderschönen Tag !
    Susi

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