Findest du nicht?
Vor rund zwei Wochen veröffentlichte ich auf YouTube ein Video mit dem Titel: „Du bist nicht verrückt. Die Menschen sind wirklich seltsam geworden.“
In diesem ca. 10-minütigen Video gehe ich ruhig und sachlich auf einige der gesellschaftlichen Veränderungen ein, die ich im Laufe der letzten Jahre beobachtet habe. Es geht unter anderem um oberflächliche Kommunikation, fehlende Empathie, ungesunden Egoismus, usw.
Ganz oft spüren wir diese Entwicklungen, zweifeln dann aber an uns selbst. Wir fragen uns: „Liegt es etwa an mir? Kommt es nur mir so vor?“
Deshalb war es mir wichtig, ein kleines Zeichen in die Welt hinauszusenden, das sagt: Du bist nicht allein.
Inzwischen haben über 30.000 Menschen das Video gesehen und mehr als 500 davon haben unter dem Video kommentiert. Die allermeisten stimmen mir zu und erzählen von ihren eigenen Erfahrungen. Sie erzählen zum Beispiel, dass der Umgangston rauer geworden ist, oder dass sie das Gefühl haben, zu kaum jemandem eine tiefe Verbindung aufbauen zu können. Sie beschweren sich über das fehlende Miteinander und die allgemeine Respektlosigkeit, die leider salonfähig geworden ist.
Ich habe viele dieser Kommentare gelesen und auch einige davon beantwortet. Dabei wurde mir klar: Wir alle wissen es im Grunde. Wir alle spüren die Veränderung. Wir alle wissen, dass da etwas passiert, das nicht gesund sein kann. Und wir alle wissen im Grunde, dass es so nicht weitergehen kann.
Manchmal frage ich mich: Wie sind wir hier gelandet? Nicht als rhetorische Frage, sondern ganz ernsthaft. Was ist da passiert?
Ich meine, Gesellschaften verändern sich doch nicht über Nacht. Solche Entwicklungen dauern. Sie schleichen voran, bis wir irgendwann einen Punkt erreichen, an dem wir uns fragen: Wann ist das eigentlich passiert? Und, wie ich vorhin bereits fragte: WAS ist da passiert?
Wir kommunizieren nicht mehr
Die wahre Antwort darauf ist sicherlich höchst komplex. Ein Teil davon liegt jedoch auf der Hand. Wir leben in einer Zeit, die die Art und Weise, wie wir kommunizieren, fundamental verändert hat. Soziale Medien haben zwar die ganze Welt miteinander vernetzt, uns aber gleichzeitig einsamer denn je gemacht. Wir haben mehr Kontakte als je zuvor, aber gleichzeitig weniger echte Verbindungen. Wir senden täglich dutzende Nachrichten, aber führen immer seltener echte Gespräche.
Manche wissen gar nicht mehr, wie sich ein solches „echtes“ Gespräch anfühlt. Eines, bei man nicht auf sein Smartphone schaut. Eines, bei dem man nicht sofort Antworten und Lösungen haben muss, sondern einfach mal über etwas sinnieren kann. Eines, bei dem man einen Moment der Stille nicht mit Smalltalk füllen muss. Ein Gespräch, das nicht effizient sein muss, sondern reichlich Zeit und Raum bekommt.
Diese Art von Kommunikation wird seltener. Und wo es keine echte Verbindung mehr gibt, da gibt es auch weniger Notwendigkeit für Empathie.
Dann kommt noch hinzu, dass wir irgendwie alle gegeneinander aufgehetzt werden. Jung gegen alt. Frauen gegen Männer. Links gegen Rechts. Klimaschützer gegen „Leugner des Klimawandels“. Und das ist wirklich nur die Spitze des Eisbergs.
Und weil wir immer weniger kommunizieren, argumentieren wir auch nicht mehr. Wir diskutieren nicht. Wir tauschen keine Sichtweisen aus und suchen keine Kompromisse.
Entweder ist man auf derselben Seite oder man bekämpft einander. Und diese Atmosphäre ist spürbar. Man kann sie fast mit den Händen greifen.
Merkwürdige Zeiten
Manchmal bin ich erstaunt darüber, wie feindselig und misstrauisch die Gesellschaft geworden ist. Neulich erst geriet ich in eine seltsame Situation, als ich einer Dame die Tür aufhielt und sagte: „Bitte, nach Ihnen.“
Es ist das größte soziale Klischee überhaupt: Jemandem die Tür aufhalten. Aber ich bin halt altmodisch. Ich halte das für eine nette Geste. Die besagte Dame sah mich jedoch angewidert an und schnauzte: „Ich brauche keinen Mann, der mir die Tür aufhält. Das kann ich auch selbst.“
Das ist nur eines von vielen Beispielen, und ich höre fast täglich ähnliche Geschichten von meinen Mitmenschen. Es ist inzwischen weniger ein Miteinander und mehr ein „Jeder für sich“.
Das ist einfach schade.
Dieser Tage erst las ich, dass viele jüngere Menschen ernsthafte Ängste davor entwickeln, zu telefonieren oder im Restaurant mit einem Kellner zu sprechen.
Wir haben einen Punkt erreicht, an dem sich Kommunikation für viele falsch anfühlt. Aber wenn wir nicht mehr persönlich kommunizieren, wie wollen wir uns dann auf eine gemeinsame Lebensweise auf diesem Planeten verständigen?
Das alles sind nur ganz kleine Teile des Mosaiks. Es sind kleine Geschichten inmitten einer riesengroßen Entwicklung. Aber sie zeigen, wohin wir gerade steuern. Manchmal macht es einen wütend. Manchmal ist man eher traurig. Manchmal muss man es mit Humor nehmen, um nicht den Mut zu verlieren. Aber hauptsächlich fragt man sich, wie das weitergehen soll.
Und darauf möchte ich dir eine simple Antwort geben: Ja, viele Menschen sind seltsam geworden. Das ist nicht nur meine subjektive Wahrnehmung, sondern eine spürbare Entwicklung.
Aber das muss nicht heißen, dass du und ich auch seltsam werden.
Vielleicht hatte Gandhi recht, als er sagte, dass wir die Veränderung sein sollen, die wir in dieser Welt sehen wollen. Und deshalb mache ich weiter. Deshalb machen wir weiter.
Wir halten an unseren Werten fest. Wir glauben an etwas Gutes. Und wir geben Gutes weiter, wann immer wir können. Selbst wenn es nur eine Kleinigkeit ist, wie dieser Blogartikel. Wenn ich damit nur einem Menschen das Gefühl geben kann, nicht alleine zu sein, dann ist es mir die Mühe bereits wert.
In diesem Sinne: Lass dich nicht unterkriegen. Die Erde ist immer noch ein faszinierender Ort. Das Leben ist immer noch ein Wunder. Und du bist nicht allein.
Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael
Titelbild: Unsplash.com, Sage Friedman








Wunderbar
Vielen Dank dafür das du das so auf den Punkt bringst, was ich schon länger denke.
Die Menschen sind wirklich schwierig geworden.
Bin seit über 50 Jahren in der Dienstleistung tätig und kann es voll bestätigen.
Uuuuund ich denke auch, das wir es sind, die etwas daran tun können und auch sollten.
Dankeschön, für deine immer wieder bereichernden Newsletter
Lieben Gruß
Elke
Vielen Dank, liebe Elke!
Mit 50 Jahren Erfahrung in der Dienstleistung weißt du definitiv, wovon du sprichst. Wir machen dennoch weiter und lassen uns nicht unterkriegen 🙂
Liebe Grüße
Michael
Vielen Dank für deinen Artikel Michael. Die Antwort findest du alle in der Bibel 😉 Die „Neues Leben“ Übersetzung kann ich dir empfehlen, da es in einem modernen Deutsch übersetzt wurde.. Gottes Segen, herzliche Grüße Susie 🤗
Hallo Michael, ich Frage mich ab und an wie lange hält die Gesellschaft und/oder jeder einzelne diese Entwicklung aus? kommt da mal ein Reset oder wie du es auch sagst es liegt ja an jedem selber ob man da mitmacht? oder positive Zeichen setzt. 😃
Ich denke, den Knall/Reset hätte es eigentlich schon längst geben müssen. Aber ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass es dann doch weitergehen.
Es bleibt also spannend 😉
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael,
danke von ❤️, dass Du Deine kleine Welt ab und an verlässt und Deine Gedanken in Form Deiner wunderbaren Bücher und Deiner Blogs mit anderen/ uns teilst.
Lieber Michael, gerade lese ich Deinen Blogartikel am Gate des Flughafen München und bin ergriffen, wie Du es treffend formulierst, diese seltsame Entwicklung unserer Gesellschaft hin vom Miteinander zum Gegeneinander, geprägt von großem Misstrauen abweichender Meinungen oder Lebensmodellen gegenüber!
Manchmal denke ich, dass die Corona Zeit das Ihrige dazu beigetragen hat, wir befinden uns in einer kollektiven Angstschleife, wo jeder nur noch um sich schlägt, verbal wie auch physisch.
Ich musste es leider in meiner eigenen Familie erfahren und bin mittlerweile selbst traumatisiert.
Wie obiger Frank frage auch ich mich, werden wir es noch lange ertragen können? Wenn alles Vertraute auseinanderdriftet?
Ich bezweifle es mittlerweile ernsthaft trotz aller Positivität, die ich versuche nach Außen auszustrahlen….
Ein schönes Wochenende wünsche ich Dir
Ulrike
Lieber Michael,
Ich kann mich deinem Blogartikel nur anschließen, du hast mal wieder den Wunden Punkt getroffen. Als ich in Spanien wandern war und abends im Restaurant etwas essen war, saßen viele spanische Familien dort, von Oma und Opa bis hin zu den Kleinsten und alle aßen gemeinsam und erzählten dabei ( ohne Handy ). Ich war beeindruckt, wie gut das dort funktioniert. Dieses füreinander und miteinander.
Lieber Michael
Danke für diese weißen Worte. Mir wird immer wieder gesagt, dass ich es doch genauso machen soll. Wenn die Anderen oberflächlich sind, soll ich es genauso machen. Wie gut mir deine Worte tun. Ich will nicht jemand werden, zu dem ich gar nicht stehen kann. Ich werde einen anderen Weg finden müssen. Ich möchte an meinen Werten festhalten. Wunderschönes Wochenende und bleib so, wie du bist.
Liebe Elke,
ich halte es für die höchste Priorität, authentisch zu bleiben. Ich weiß genau, was du meinst: Viele sagen, man solle sich einfach genauso gehen lassen. Aber an seinen Werten festzuhalten, ist etwas, das man in erster Linie für sich selbst macht.
Ich finde es großartig, dass du dir treu bleibst!
Bleib du ebenfalls so, wie du bist 🙂
Liebe Grüße
Michael
Das stimmt! Ich habe auch schon oft festgestellt, dass das Miteinander in südländischen Kulturen deutlich wichtiger ist als hier.
Wie schade eigentlich, dass wir uns kein Beispiel daran nehmen.
Danke für deinen Zuspruch!
Liebe Grüße
Michael
Herzlichen Dank, liebe Ulrike!
Ich denke auch, dass die Pandemie ihre Spuren hinterlassen hat. Seitdem hat sich vieles verändert. Und auch wenn ich daran glaube, dass Dinge erst schlimmer werden müssen, bevor es einen Neuanfang gibt, sehe ich doch positiv voraus.
Neben all den negativen Entwicklungen sehe ich auch jeden Tag so viele aufgeweckte, bewusste und verantwortungsvolle Menschen. Das gibt mir Mut.
Ich wünsche dir ebenfalls ein schönes Wochenende!
Hallo, deinen Beitrag finde ich wunderbar zutreffend.
Durchhalten, Aushalten…
Bin Jahrgang 63 und durfte noch andere Zeiten erleben, ohne Handys und Computer…und viel Miteinander…
Alles Gute
und liebe Grüße aus Hamburg
Du sprichst mir aus der Seele, lieber Michael.
Ich befinde mich im Un-Ruhestand, muss also nicht mehr arbeiten, wohne seit einigen Jahren im ländlichen Raum, habe einen lieben Mann. Da geht das alles. Da bekomme ich so viel davon zum Glück gar nicht mit.
Aber auch ich spüre diese Tendenzen, diese Oberflächlichkeit und den Egoismus.
Ich mache es wie Du. Ich spreche freundlich mit der Kassiererin oder lächele Leute im Einkaufszentrum an. Und oft kommt ein Lächeln zurück. Ich helfe, wenn ich merke, da braucht jemand gerade ein wenig Unterstützung. Das zeigt mir, dass nicht alle so gefühlskalt sind und ich nicht allein mit meinem Optimismus und meiner Lebensbejahung bin, dass nicht alle „so“ sind.
Danke für Deine emphatischen, tief-gehenden und motivierenden Gedanken.
Beate
Liebe Beate,
ich finde deine Perspektive bemerkenswert. Viele Menschen, die das Privileg haben, ein wenig außerhalb zu leben und nicht mehr aktiv im Berufsleben zu sein, erschaffen sich eine Blase, in der sie sich von der Realität abschotten.
Dass du einen klaren Blick behältst und stets etwas Gutes in die Welt hinausträgst, finde ich großartig!
Liebe Grüße
Michael
Hi Michael,
Du hast vollkommen Recht. Mir ergeht es in meiner eigenen Familie so und bin zutiefst erschüttert, wenn ich meine Meinung sage wie die komplett ignoriert wird. Ausserdem, sind die Menschen dann auch noch beleidigt, weil ich einfach nur das sage was ich mit erlebe und mit eigenen Augen sehe. Purer Egoismus…Es ist wirklich sehr traurig und ich habe das Gefühl es wird leider nicht besser, so gut einige von uns sich Mühe geben. Doch bleibe ich positiv und gebe das richtige meinem Kind auf den Weg🙂
Schönes Wochenende😊
Es ist wirklich schade, wenn man mit der eigenen Familie nicht mehr auf Augenhöhe kommunizieren kann. Das tut mir ehrlich leid für dich.
Umso stärker finde ich, dass du dir treu bleibst und deine Werte an dein Kind weitergibst! Das ist die richtige Einstellung.
Auch dir ein schönes Wochenende!
Liebe Grüße
Michael
Ich gehöre schon etwas der älteren Generation an (70) und stimme dir da voll zu.
Social media macht einsam und KI nimmt uns die Aufgabe zu denken und selber Texte zu formulieren.
Und was das Schlimme ist, es macht keinen Halt vor dem Alter. Auch ich erwische mich, dass ich zu schnell zu ChatGPT greife, bevor ich auf meinen eigenen Erfahrungsschatz zurück greife.
Auch ich bin abends eine Stunde in den sozialen Medien Unterwegs.
Ich hatte in den letzten Tagen Besuch von einem alten Freund und wir haben nur geredet. Da habe ich gemerkt was wirklich wichtig ist.
Liebe Grüße aus dem schönen Szeged
Horst
Das ist eine bemerkenswert reflektierte Haltung, Horst!
Ich denke, es ist völlig in Ordnung, moderne Technologie zu nutzen und zu „konsumieren“, wie man heutzutage sagt. Wichtig ist, dass wir es bewusst tun und uns der damit einhergehenden Verantwortung bewusst sind.
Deine Selbstreflexion zeigt, dass dir das offensichtlich gut gelingt!
Liebe Grüße
Michael
Hi, das sind ware Worte. Ich habe es nach dem Corona lockdown erlebt. Ich denke die Mendchen waren in der Zeit zu sehr mit sich alleine, das sie sich in die sozialen Netzwerke begeben haben und verlernt haben, was es bedeutet mit echten Menschen umgeben zu sein.
Ich war in der Zeit Selbstständiger Handwerker und habe festgestellt, daß es nach Corona nur noch bergab ging mit Freundlichkeit und Empathie. Die Menschen wurden mürrischer und immer mehr ichbezogen. Das war am Ende auch der Grund, warum ich Ende 2023 meine Firma aufgegeben habe. Nun fange ich wieder an zu leben und gehe, auch wenn es nicht mehr viele mache, freundlich und Empathich durch mein Leben.
Ich stimme dir darin zu, dass die Pandemie ein großer Wendepunkt war. Das hat einfach etwas mit den Menschen gemacht.
Es ist gut, dass du nach vorne schaust. Lass dich nicht von deinem Weg abbringen!
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael,
danke für diesen ehrlichen Beitrag. Beim Lesen habe ich mich an vielen Stellen wiedergefunden.
Auch ich habe das Gefühl, dass echte Gespräche, Empathie und ein respektvolles Miteinander seltener geworden sind. Oft fragt man sich, ob man die Dinge nur selbst so wahrnimmt – und genau deshalb sind Beiträge wie deiner wichtig. Sie zeigen, dass viele Menschen ähnliche Gedanken und Gefühle haben.
Trotzdem glaube ich, dass wir nicht machtlos sind. Jede freundliche Geste, jedes aufrichtige Gespräch und jede Form von Respekt im Alltag ist ein kleiner Beitrag zu der Welt, die wir uns wünschen.
Danke, dass du dieses Thema ansprichst und den Mut hast, deine Gedanken öffentlich zu teilen.
Herzliche Grüße
Onuma 💛
Herzlichen Dank, liebe Onuma!
Ich glaube ebenfalls fest daran, dass wir viel Einfluss nehmen können. Jeder noch so kleine Beitrag ist ein Schritt. Selbst wenn er nur als Widerstand gegen den Verfall gemeinschaftlicher Werte dient.
Danke für deine Wertschätzung!
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael,
ich habe deinen Beitrag noch einmal gelesen und komme nicht umhin, diese seltsame Entwicklung mit einer gewissen Wehmut zu betrachten. Durch meine thailändischen Wurzeln habe ich vielleicht einen etwas anderen Blick darauf, weil ich diese Veränderungen auch mit den Augen von jemandem sehe, der die Welt außerhalb von Europa und Amerika kennt. Und ich muss sagen, es fällt mir manchmal schwer, das alles zu ertragen. Man fühlt sich als einzelner Mensch oft klein und ein Stück weit machtlos gegenüber dem, was da im Großen passiert. Für mich persönlich habe ich einen Weg gefunden, der sich richtig anfühlt. Ich verlasse dieses Land, um dort einen guten Beitrag zu leisten, wo Güte und Wertschätzung noch anders gelebt werden. Gerade in Thailand spüre ich diesen Respekt im Miteinander noch sehr deutlich. Deshalb werde ich Ende des Jahres auswandern und freue mich sehr auf dieses neue Kapitel. Vielleicht ist auch das eine Form von Veränderung, die man sein kann. Nicht als Flucht, sondern als bewusste Entscheidung für ein Miteinander, an das man glaubt.
Herzliche Grüße
Onuma 💛
Lieber Michael,
Deine Zeilen sprechen mir aus der tiefsten Seele und berühren mich sehr.
Ich habe das Gefühl, dass diese Entwicklung während der Pandemie begonnen hat. Die Angst war damals ein starker Nährboden für Ausgrenzung. Schuldzuweisungen, das Einteilen von Menschen in Lager. Ungeimpfte, Kritiker, Kinder, die angeblich ihre Großeltern gefährden….. Auf einmal wurde nicht mehr diskutiert, sondern bewertet und mit dem Finger auf andere gezeigt. Das Diskriminieren wurde gesellschaftsfähig. Die Politik machte es vor..
Für mich hat sich diese Dynamik danach massiv fortgesetzt. Es entstanden neue Feindbilder, neue Fronten und neue Kategorien, in die wir Menschen eingeordnet werden. Ob politische Haltung, Herkunft oder andere Merkmale. Verständnis ist nicht mehr en vogue, sondern ob „richtig oder falsch“.
Ich vermisse den tiefen Austausch, das offene Philosophieren, das Nachfragen und die Fähigkeit, unterschiedliche Gedanken einfach nebeneinander stehen zu lassen. Diese Kälte, die Empathielosigkeit und das wachsende Misstrauen und das teilweise schamlose Diffamieren erschrecken mich sehr.
Als ich einmal mit einem Bekannten darüber sprach, das ich mir Frieden in der Ukraine wünsche, schaute mir dieser völlig geschockt an und fragte:: „Bist Du für die Russen?“ „Bist Du etwa rechts?“ Sowohl seine Mimik als auch seine Fragen haben mich schockiert.
Die Gesellschaft hat sich verändert. Das hat auch mich verändert. Ich fühle mich oft nicht „zugehörig“ … Ich überlege heute sehr genau, mit wem ich tiefere Gespräche führe. Auf viele Bühnen der Diskussion begebe ich mich nicht mehr … Doch egal was ist und sein wird, ich werde es schlichtweg nicht zulassen, dass ich meine Empathie verliere, meinen Sinn für Gerechtigkeit aufgebe oder mich selbst und meine Werte aus den Augen verliere.
Ich habe mir inzwischen eine kleine Parallelwelt geschaffen. Einen Kreis von Menschen und Begegnungen, in dem das Miteinander so gelebt wird, wie ich es mir für unsere Gesellschaft wünschen würde: aufmerksam, liebevoll, offen, wertschätzend und menschlich.
Und …ich bleibe in der Zuversicht. Ich bin in der Beratung und im Coaching tätig. Deshalb werde ich jeden Tag versuchen, ein Licht anzuzünden und ein liebevolles Zeichen zu setzen, dass es auch anders geht.
Nochmals vielen lieben Dank für Deine Gedanken.
So eine kleine Parallelwelt jätte ich auch sehr gerne….
Alles Gute für Dich
Liebe Grüße von Ulrike
Liebe Annette,
ich kann deinen Zeilen nicht viel hinzufügen, denn du hast sehr gut zum Ausdruck gebracht, was viele von uns denken. Danke dafür!
Die „Parallelwelt“, die du beschreibst, nenne ich oft „meine eigene kleine Welt“.
Es ist ein geschützter Raum, in dem ich und meine Mitmenschen unsere Werte teilen. Und immer, wenn ich mit einem meiner Bücher oder Beiträge an die Öffentlichkeit gehe, verlasse ich diese kleine Welt für einen kurzen Moment, in der Hoffnung, den Raum ein Stückchen zu vergrößern.
Danke für deine Gedanken und deine Wertschätzung.
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael, auch mir sprichst Du komplett aus der Seele und wenn ich ehrlich bin, belastet mich diese Entwicklung sehr! Deshalb wünsche ich Dir eine Billion Buchverkäufe, damit Du eine Insel kaufen kannst, auf welcher nur freundliche und unkomplizierte Menschen mit viel Lebensfreude und respektvollen Umgang miteinander, aufgenommen werden. Ich würde mich auf alle Fälle schon einmal um einen Platz bewerben😉
Jetzt hast du mich gut zum Lachen gebracht 🙂
So verlockend der Gedanke auch sein mag: Ich fürchte, so viele Bücher bekomme ich dann doch nicht verkauft 😉
Ja, Du hast völlig recht. Die Erde ist immer noch wunderbar aber viele Menschen sehen die Wunder und Schönheit der Natur nicht mehr. Nicht weil sie keine Augen haben sondern weil sie nicht mehr achtsam sind, der Egoismus im Vordergrund steht und eine Gleichgültigkeit anderen gegenüber immer mehr Fuß fast. Nach meiner Meinung hat das diese Entwicklung sehr viel mit unserer „Wohlstandsgesellschaft“ zu tun und der Erziehung unserer Kinder. In Ländern, in denen es den Menschen nicht so gut geht wie uns, sieht die Welt noch anders aus. Dort haben Kommunikation, Hilfsbereitschaft und Wertschätzung einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Ein gutes Beispiel ist unsere Wiedervereinigung. Zu Zeiten der DDR ging es den Menschen dort wirtschaftlich nicht besonders gut aber man brauchte einander, auch wenn man vorsichtig sein musste, mit wem man sich über was ausgetauscht. Auch zu Zeiten von Corona gab es so etwas wie Mitgefühl und Empathie in unserer Gesellschaft. Aber der Mensch vergisst sehr schnell und sobald es ihm wieder gut geht, ist relativ schnell wieder alles wieder wie vorher. Kinder bekommen fast jeden Wunsch sofort erfüllt und das hat zur Folge, dass sie „gierig“ werden und denken, das müsste immer so sein. Dinge mit anderen zu teilen lernen sie nicht. Oft gibt es in Beziehungen nur ein Kind oder gar keins. Das alleine spricht schon für sich.
Du hast mit Deinen Feststellungen in allen Punkten recht aber leider werden wir an dieser Situation nicht viel ändern können. Ich für mich habe aber auch festgestellt, dass je nach dem, wie ich mich verhalte, Ich immer wieder auf Gleichgesinnte treffe. Also sollten wir, die noch die Zeit haben, Deine wertvollen Blogs zu lesen, weiterhin die Dinge positiv sehen und uns und andere wertschätzen.
Danke, dass es Dich gibt und weiterhin alles Liebe und Gute für Dich, und behalte Deine Sensibilität 😊
Hallo Michael,
Mit Deinem Blog-Beitrag hast Du voll ins Schwarze getroffen.
Auch ich habe die Veränderungen in den letzten Jahren bemerkt und das auch schon oft mit Freunden diskutiert.
Das ist teilweise schon kein Egoismus mehr, vielmehr pure Rücksichtslosigkeit.
Meiner Meinung nach kann das nicht lange gut gehen.
Es gibt viele Menschen, die das genau so sehen, aber auch sehr viele, die diesen Umgang miteinander als „ok“ empfinden.
Rücksichtnahme und Empathie lernt man von Kind an, vielleicht ist das ja der Grund, warum wir und so entwickelt haben. Der gesunde Umgang miteinander braucht auch Räume und Zeit. Und an der scheint es in der heutigen Zeit zu fehlen, da viele von uns Getriebene sind (und.a. von der Technik und sozialen Medien).
Deinen Blogeintrag werde ich gerne verbreiten und meinen Beitrag zu einem besseren Miteinander leisten.
Vielen Dank für deinen Zuspruch, Thomas!
Dem kann ich nicht viel hinzufügen.
Auch ich denke oft darüber nach, wie wir als Gesellschaft unsere Vorbildfunktion für die kommenden Generationen wahrnehmen. Lass es mich diplomatisch ausdrücken: Das funktioniert gerade nicht ganz optimal 😉
Danke für deine Unterstützung!
Liebe Grüße
Michael
Lieber Horst,
ich danke dir für deine Gedanken. Du hast es im Grunde so gut zusammengefasst, dass ich nicht viel hinzufügen kann.
Vor ca. einem Jahr arbeitete ich an einem Buchmanuskript, dessen Kernthese ist, dass es uns einfach zu gut geht. Ich glaube daran, dass es wahr ist.
Aber ich verwarf die Idee wieder, denn mir wurde schnell klar, dass die Mechanismen dahinter viel zu komplex für ein einzelnes Buch sind. Und vielleicht habe ich auch selbst nicht genügend Erfahrung und Überblick, um dem Thema vollumfänglich gerecht zu werden.
Dennoch bleibt das Gefühl. Unabhängig davon bin ich überzeugt, dass jeder von uns einen positiven Beitrag leisten kann. Also machen wir weiter.
Danke für deine Wertschätzung! Auch dir weiterhin alles Gute.
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael,
ich bewundere immer wieder, welche Themen Du mit so viel Aufwand den Menschen näher bringen möchtest. Ich denke, Du hast inzwischen eine sehr große Fan-Gruppe hinter Dir. Was mich immer wieder beschäftigt ist, wie kann man wirklich großflächig an unserer Gesellschaft etwas ändern? Das ganze Feedback, das Du erhältst, ist ja meistens von Menschen, die etwa ähnlich ticken wie Du und ich. Natürlich ist es schön, sich immer wieder bestätigt zu sehen aber wie kann man die Menschen erreichen, die es am notwendigsten hätten, einmal über sich, das was eigentlich wichtig ist im Leben und was man tun muss, um ein zufriedenes Leben zu führen. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen immer oberflächlicher werden und nur noch sie selbst wichtig sind. Wo bleiben Respekt, Verständnis, Höflichkeit, Mitgefühl und Dankbarkeit. Es ist uns wirtschaftlich im Großen und Ganzen noch nie so gut gegangen wie heute und trotzdem sind die meisten Menschen unzufrieden!
Hallo , ist ja alles schön und gut mit Euren positiven Aspekten, aber zwanghaft positiv zu bleiben ist auch nicht gesund. Die ganze Welt ändert sich, es wird alles neu und wir müssen da durch. Und da darf man auch erstmal für sich bleiben ohne Austausch.
Ich verstehe offen gesagt nicht ganz, was du mir/uns mitteilen möchtest. Ich hoffe jedoch, dass du mit „zwanghaft positiv bleiben“ nicht mich meinst. Das ist für mich eine recht ungünstige Beschreibung der Botschaft, die ich mit meinen Mitmenschen teile.
Dennoch danke ich dir für deinen Kommentar. Jetzt bist du ja doch in den Austausch gegangen 😉
Liebe Grüße
Michael
Danke…du sprichst mir aus dem Herzen
Hallo Michael,
mein erster Gedanke zur Frage war ‚eigentlich nicht‘, da es wiederum ja auch schön ist, so viele Möglichkeiten zu haben.
Wenn ich mir deinen Artikel allerdings weiter durchlese und bei der Oberflächlichkeit in der Kommunikation stehen bleibe, muss ich doch sagen das vieles heutzutage so erscheint. Und auch was die „Wie geht’s dir?“ – Frage anbelangt mir manchmal nur noch nach einem Standart-Satz vorkommt, als nach wirklichen Interesse. Ja vielleicht ist es wirklich eine Art ungesunden Egoismus – ich möchte die Frage zwar selber gestellt bekommen, aber eigentlich will ich nur dem gegenüber mein Leid klagen und vom anderen hören, ist alles prima.
So schön die Vielzahl an Medien die dazugekommen auch sind (in manchen Punkten), aber sie haben uns schnelllebiger gemacht, hektischer und neben auch leider (manchmal) die innere Ruhe.
Ohhh ja was den allgemeinen Umgangston anbelangt (insbesondere auf meine Arbeitskids betrachtet), ist schon rapide schlechter und rauher geworden. Empathie gibt es nur noch vereinzelt mehr Kommunikation, welche „Fehler“ des anderen noch präsenter werden lässt und meistens kann dies nur noch mit unter-der-Gürtellinie Kommunikation, Beleidigungen oder Androhung rübergebracht werden. Gassen Jargon.
Deine Eindrücke zum Weltgeschehen und der medialen Welt kann ich teilen und ich finde es toll, dass du mit den Worten Gandhis dir es zum Auftrag machst, auf der Empathie-Schiene weiterhin präsent zu bleiben und der Welt zu zeigen, dass es auch anders geht😉
Liebe Grüße
Miriam
Lieber Michael,
dein Artikel kommt gerade zur richtigen Zeit. Erst kürzlich dachte ich mir wieder, ob ich es bin, die irgendetwas an sich hat, das anderen nicht passt. Seit dem Tod meines Mannes haben einige Freunde und Bekannte aufgehört mit mir zu kommunizieren und das, obwohl ich sie wirklich nicht mit meiner Trauer „belästigt“ habe. Ich mache das mit mir selbst aus. Aber dennoch gibt es meist keine Gespräche mehr oder recht Oberflächliche. Auch das ist ein Thema in der Gesellschaft. Wenn man nicht hipp genug ist, gehört man nicht dazu.
Glücklicherweise gibt es noch einen engsten sehr kleinen Kreis, in dem man sich wohlfühlen kann.
Herzliche Grüße von Maike
Lieber Michael
Endlich kam ich heute dazu deinen Blogartikel zu lesen und ich bin gerade innerlich total erleichtert dass du aussprichst was ich seit einigen Jahren spüre. Seit corona schlimmer denn je.
Und ich dachte schon ich bin leicht verrückt geworden weil ich so empfinde während das Umfeld weiter hübsch dampfwalzig durch unsere schöne Welt stapft.
Und ja, ich mache weiter mit den guten, jeden Tag da wo ich es kann.
Wir haben hier heute an der Küste 35° und wie hat sich unsere Postfrau doch vorhin gefreut, als ich ihr beim Bringen eines Päckchens ein Wassereis angeboten habe.
Das sind die kleine Momente, die mich dankbar und glücklich machen und wieder erinnert werde, warum ich jeden Tag weitermache und mich nicht den Dampfwalzen dieser Welt anpassen werde.
In diesem Sinne, wünsche ich dir ein schönes und sonniges Wochenende.
Liebe Grüße
Jana