Falls es dir heute noch niemand gesagt hat…

Vor einigen Wochen habe ich auf YouTube ein Video über Depressionen hochgeladen. In diesem Video spreche ich von meinen eigenen Erfahrungen, also meiner Geschichte, und schlage Auswege für Betroffene vor. Inzwischen haben sich mehr als 5.000 Menschen dieses Video angeschaut.

Dann, erst vor wenigen Tagen, fragte mich jemand: „Ist das nicht total frustrierend, dass das Video erst 5.000 Aufrufe hat?“
Das verwirrte mich ein wenig, also fragte ich: „Was meinst du damit? Warum sollte das frustrierend sein?“
Der andere antwortete mir: „Naja, in diesem Video stecken so viel Arbeit und Erfahrung. Nervt es dich nicht, dass nur 5.000 es gesehen haben und nicht ein paar Millionen?“

So langsam begann ich zu verstehen, worauf der andere hinauswollte, also sagte ich: „Du findest also, dass 5.000 Aufrufe zu wenig sind?“
Daraufhin rief er: „Ja, natürlich! Jeder Teenager, der Tanzvideos auf TikTok macht, bekommt mehr Aufrufe. Es muss dich doch total frustrieren, dass du mit so wichtigen Themen nur so wenige Leute erreichst.“

Das brachte mich ins Grübeln und gab mir den Anlass, heute über diese Angelegenheit zu schreiben.

Gutes lohnt sich immer

Eine Sache möchte ich direkt zu Anfang betonen: Mir ist völlig bewusst, dass dieser junge Mann, mit dem ich sprach, sich hauptsächlich Gedanken über die Wirtschaftlichkeit dieses Videos gemacht hat. Das heißt: Er hat sich einfach nur gefragt, ob es sich lohnt, so viel Arbeit in ein Video zu stecken, wenn „nur“ 5.000 Menschen es sehen und nicht ein paar Millionen. Das verstehe ich schon.

Aber ich finde es auch traurig. Es sagt sehr viel darüber aus, wie wir heutzutage denken. Wir geben uns nur noch dann Mühe für etwas, wenn es sich für uns genügend lohnt. Wenn wir ausreichend davon profitieren können.

Es zeigt, dass Menschen heutzutage nur noch Nummern sind. Zahlen auf unseren Displays. Nenn mich altmodisch, aber wenn ich 5.000 Aufrufe unter meinem Video sehe, dann ist das nicht eine Zahl. Ich versuche, mir 5.000 Menschen vorzustellen, zu denen ich spreche. Überleg dir mal, was das für eine volle Halle wäre!

Das erinnert mich an die Zeit, in der ich meine ersten Blogartikel schrieb und so ziemlich niemand hier war, der die Beiträge hätte lesen können. Doch das machte mir nichts aus. Es war egal, ob eine einzige Person oder 10.000 mitlasen. Es war mir die Mühe wert, weil ich es wichtig fand. Heute ist es nicht anders. Ich schaue selten in meine „Analytics“. Es ist mir einfach wichtig, zu schreiben. Und wenn ich damit nur eine einzige Person inspirieren oder ihr helfen kann, dann ist es den Aufwand und die Mühe wert.

Genauso denke ich über meine YouTube Videos. Wenn ich mit Sicherheit wüsste, dass eine Million Menschen mein nächstes Video sehen werden, dann würde ich mir beim Dreh keinen Deut mehr Mühe geben als mit der Gewissheit, dass ein paar Tausend reinschauen werden. Es geht hier nicht um Nummern und Zahlen. Es geht um echte Menschen. Die sind es mir wert, mir Mühe zu geben. Das gilt natürlich auch für dich. Du bist es mir wert, diese Zeilen zu tippen. Und selbst wenn du die einzige Leserin, bzw. der einzige Leser wärst. Solange ich Lust habe zu schreiben, werde ich das für dich tun.

Eine Frage der Wertschätzung

Machen wir uns nichts vor: Wir alle müssen von etwas leben. Deshalb verstehe ich die Einstellung, so viele Aufrufe, Klicks, Likes und Co. wie möglich zu bekommen. Aber zum Glück lebe ich nicht vom Bloggen und YouTube. Also kann es mir recht egal sein.

Am Ende des Tages geht es nicht um YouTube und auch nicht um die Zahl von Aufrufen unter einem Video. Es geht um unsere Einstellung.

Wenn wir Mehrwert aus Überzeugung erschaffen würden, und nicht nur dann, wenn eine Belohnung dafür winkt, würde das die Welt bereichern.

Wenn wir in unseren Mitmenschen mehr als Nummern, Zahlen und einen Nutzen sähen, wäre die Welt freundlicher und sozialer.

Wenn wir stets aus einer inneren Motivation heraus fleißig wären, würden wir schneller und effektiver unser wahres Potenzial entfalten.

Es könnte so einfach sein…

Mehrwert ist mehr wert

Hinter meinen Zeilen stecken mehr als Idealismus und Optimismus. Tatsächlich ist es auch so, dass wir nur dann wahre Größe erreichen, indem wir unsere Fähigkeiten wieder und wieder unter Beweis stellen.

Soll heißen: Wenn ich möchte, dass eines Tages ein paar Millionen Menschen meine Videos schauen, muss ich jetzt schon Videos machen, die gut genug für ein so großes Publikum sind.
Noch einfacher gesagt: Wer hoch hinaus will, muss ohnehin sein Bestes geben. Und zwar immer. Schon von Anfang an.

Heißt noch noch einfacher: Mehrwert ist einfach mehr wert. Also gib stets dein Bestes. Früher oder später wird man es wertschätzen und dich dafür belohnen.

Noch viel schöner wird es jedoch, wenn wir uns nicht nur wegen der potenziellen Belohnung Mühe geben, sondern auch einfach aus Prinzip. Das sollten uns die Sache und die Menschen, die wir damit erreichen, wert sein.

Du bist wichtig. Du bist keine Zahl, sondern ein echter, fühlender Mensch. Ich hoffe, dass du das fühlst, wenn du eines meiner Bücher liest, durch diesen Blog stöberst oder dir eines meiner Videos anschaust.

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelbild: Unsplash.com, Lina Trochez