Ein Unterschied, der den Unterschied macht

Kein einfacher Gedanke, aber er wirkt…

Der folgende Gedanke ist nicht ganz einfach zu greifen, deshalb möchte ich heute versuchen, den Blogartikel so simpel wie möglich zu gestalten. Denn seine Kernaussage ist so wichtig, dass sie deine Sicht auf das Leben nachhaltig verändern kann. Also, lass uns ohne großen Schnickschnack einsteigen.

Was sagt der Schmerz?

Hast du dir mal einen Zeh an irgendetwas gestoßen? Eine fiese Angelegenheit, oder? Ich selbst habe erst vor wenigen Tagen meinen kleinen Zeh am Garderobenschrank kleben lassen und du kannst mir glauben, dass es kein Spaß war. Ganz nebenbei war ich jedoch erstaunt darüber, mit welcher Spontaneität ich plötzlich eine Klaviatur der erlesensten Flüche auf- und abgespielt habe. Was ich damit sagen möchte: Es tut weh.

Und genau jetzt wird es wichtig: Was ist hier das Problem? Die Tatsache, dass man Schmerzen hat oder der Umstand, der dazu führte, dass mein Zeh sich auf ein leidenschaftliches Intermezzo mit einem Ikea-Möbelstück einließ?

Worauf möchte ich hier hinaus? Ganz einfach: Das Problem ist nicht der Schmerz. Das Problem ist das, was den Schmerz verursacht. Und genau hier finden wir ein großes Missverständnis, das zahlreiche Menschen daran hindert, über sich hinauszuwachsen.

Warum empfindet unser Körper Schmerz? Um uns  zu ärgern? Ganz sicher nicht. Schmerz ist ein Warnsignal, um uns klarzumachen, dass wir dabei sind, unseren wertvollen Körper zu beschädigen oder gar zu zerstören. Der Schmerz ist unser Freund, denn er sorgt dafür, dass wir so schnell wie möglich mit der Zerstörung aufhören und für Heilung sorgen. Nur leider ist er ein unempathischer Freund, denn er kann höllisch wehtun.

Schmerzen der Seele

Wir haben nicht nur den körperlichen Schmerz, der uns sagt, dass wir bald keinen gesunden Fuß mehr haben werden, wenn unsere Zehen nicht ihre wilden Affären mit Holzmöbeln beenden.
Nein, wir haben auch den seelischen Schmerz, der uns mitteilt, dass unsere Psyche und Gedankenwelt leidet. Dieser äußert sich mithilfe von Unzufriedenheit, Antriebslosigkeit, Trauer, Wut und anderen negativen Gefühlen. Denken wir doch mal an Depressionen. Sie sind Warnsignale, die uns mitteilen, dass irgendetwas in unserem Leben nicht stimmt.

Und jetzt stellt sich die entscheidende Frage: Hören wir auf das, was der Schmerz uns sagen will oder beschweren wir uns darüber, dass wir Schmerzen haben?

Der Unterschied

Ich könnte noch lange über die Pein meines kleinen Zehs lamentieren. Ich könnte aber genauso gut mein Augenmerk darauf richten, zu verstehen, warum es zu dem Vorfall kam und wie ich verhindere, dass es erneut passieren wird.
Das Problem ist nicht nämlich nicht der Schmerz. Das Problem ist vielleicht, dass meine Möbel bescheiden positioniert sind. Vielleicht ist das Problem, dass ich unachtsam durch mein Zuhause schreite. Das Problem ist aber nicht – und hier kann ich mich nur wiederholen – DASS ich Schmerzen habe.

In meinen Coachings und in beinahe allen Lesermails, die ich erhalte, sind Menschen betrübt darüber, dass sie seelische Schmerzen haben. Sie widmen diesem Schmerz sehr viel Aufmerksamkeit und ärgern sich über ihn. Das ist menschlich. Es ist nachvollziehbar. Aber es ist nicht zielführend.

Wir sollten dankbar dafür sein, dass es den Schmerz gibt. Ohne ihn würden wir es womöglich gar nicht erst bemerken, wenn wir zulassen, dass gewisse Lebenssituationen uns zerstören.

Der Schmerz ist ein Augenöffner. Er ist unser Freund. Ein knallharter, gnadenlos ehrlicher Freund, der uns ganz offen mitteilt, dass etwas nicht in Ordnung ist und dass wir das schnellstmöglich wieder in den Griff bekommen sollten.

Wenn wir starke Schmerzen empfinden, dann sollten wir diese Tatsache nicht verfluchen. All diese Zeit und Energie können wir viel besser investieren, indem wir den Schmerz wie einen alten Freund begrüßen und darauf hören, was er uns zu sagen hat. Je besser wir darin werden, desto besser gelingt es uns auch, destruktive Lebensumstände zu erkennen und zum Positiven zu verändern, bevor es zu weiteren Schäden kommt.

Ich hoffe, dass ich dich mit diesen Zeilen dazu inspirieren kann, die Perspektive auf den unliebsamen Schmerz ein wenig anzupassen und ich hoffe, dass es sich für dich auszahlen wird. Viel Erfolg.

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelbild: Unsplash.com, © Nikko Macaspac

13 Kommentare, sei der nächste!

  1. Guten Tag Michael
    Das ist in meinen Augen der beste Artikel seid langen.
    Der Übertritt den letzten,obwohl der schon einsame Spitze war.
    Schön dass es dich gibt!!!

  2. Wow…ich kann mich da Jörn nur anschließen – das Beste was ich seit langem gelesen habe! Danke lieber Michael! Ich werde diese Sichtweise mit in meinem Alltag nehmen und meine Familie, wenn sie mal wieder unangenehme Bekanntschaft mit einer Zimmertüre machen, freundlich auf die Schmerzsymbolik hinweisen 😉
    In diesem Sinne ein schönes Wochenende & bis nächsten Freitag 🙋🏻‍♀️

  3. Danke Michael,
    diesen Artikel habe ich genau heute gebraucht.
    Ich habe seit vorgestern ziemliche Schmerzen im unteren Rückenbereich ….naja wie jeder mag ich keine Schmerzen und bin sehr unleidlich deswegen.
    Aber es zeigt dass ich endlich wieder etwas tun muss um wieder etwas beweglicher zu werden. Und genau heute kommt dann dein Artikel 😊
    Wie eine Mahnung an mich und meinen Hang mich zu wenig zu bewegen…. Also nochmals danke Michael….ich werde es zumindest versuchen!
    Liebe Grüße Daniela

    1. Schmerz hat die Eigenschaft dir quasi direkt die Stelle zu zeigen wo etwas weh tut. Ob das zum Beispiel in Sachen Rücken wirklich an mangelnder Bewegung liegt vermag bestenfalls ein Fachmann/frau sagen. …bei mir sagen Rückenschmerzen das gewisse Wirkel durch eine völlig andere Erkrankung kaputt gehen. Tut echt terisch weh (manchmal) und hat rein nichts mit Bewegung an sich zu tun. Daher: Schmerzen stets von Fachleute analysieren lassen. Dir kann tatsächlich der Zeh weh tun ohne das du überhaupt ein Zusammenstoß gehabt hast wobei die Ursache an völlig anderer Stelle seine Ursache hat.

  4. Es gibt hier zwei Aspekte: einmal haben wir die Sache Schmerz und dann haben wir die Sache Ursache.

    Es mag sich im Anfang jetzt utopisch anhören jedoch kann man schlicht sagen wenn der „Urknall“ nicht so abgelaufen wäre wie bislang bekannt dann hättest du dir garantiert auch nie den Zeh gestoßen.

    Natürlich kann so ein Zusammenstoß Schmerz verursachen was schlicht eine völlig normale Reaktion ist. Natürlich verbinden wir mit Schmerz eine Art „negative Sache“ und in der Tat ist Schmerz eine Art Zeichen deiner innerlichen Alarmanlage. Natürlich können wir SChmerz auch den beigeschmack von „Unglück“ geben. Egal aber wie man es sehen mag auch Schmerz hat seine positiven Aspekte und genau das sehen wir nicht so gerne oder wir übersehen es einfach.

    Wir könnten aus dem „Zeh“ Beispiel lernen das gute Möbelstück an anderen besseren Orten zu stellen oder gar stetig Schuhe mit Stahlkappen zu tragen. usw. Eine etwas eigensinnige Art der Umsetzung von „Lernen durch SChmerz“ praktiziert bis heute zum Beispiel die franz. Legion in Sachen Ausbildung. Natürlich sind diese Vorgehweise umstritten aber auf der anderen Seite sehr wirksam.

    Schmerz ist natürlich auch eine Sache die mit anderen Aspekten verbunden sein kann. Auf Grund gesundheitlicher Dinge habe ich manchmal extrem üble Scherzen. Da kann auch der Doktor nichts mehr machen. Da geht der Körper bzw. seine Funktionen auf grund ERkrankungen kaputt und das tut manchmal höllisch weh. Da nutzt es nichts sich Vorhaltungen zu machen was man denn alles „falsch“ gemacht hat. Ich gehe da einfach durch habe gekernt das selbst Extremschmerz seine Grenze kennt bzw. der Körper eine Art „Not Aus“ hat. Da spürt man salopp gesagt rein nichts mehr. Manche rede von Nahtot ERfahrung und wohl niemand will sowas echt durchmachen. Dennoch zeigte mir diese seltene Dinge was an und in mir ist und ich denke völlig anders über Tot (und danach) als wohl viele andere Leute.

    Natürlich wünsche ich niemandes solche Scherzen die dich an den Rand deiner Existenz bringen aber dennoch kann man dieser Sache etwas positives abgewinnen. Immerhin lebe ich noch und kann und darf und will genau darüber schreiben.

    1. @Ray

      Zu einem Stichwort fällt mir zur allg. Auflockerung ein Witz ein…

      Treten sich zwei Männer mit den Füssen gegenseitig ins Gemächt.
      Ein Dritter kopfschüttelnd: „Tut das nicht weh?“
      Antwortet einer:“ Nein, wir haben eh Stahlkappen auf den Schuhen“ …

  5. Danke Michael, für diesen tollen Artikel. Er trifft mal wieder ins Schwarze und regt zum Nachdenken an. Mach weiter so!
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende, Bianka

  6. Hi Michael,
    Absolut genial und gerade dermaßen hilfreich für mich um mir „den Kopf zurechtzusetzen“. Anpacken und Reinhören. Raus aus dem Kopf und rein in die Seele und reinen Tisch machen.
    Allerliebsten Dank für diesen motivierenden Tritt in den Hintern. 😊
    Lieber Gruß,
    Sabine

  7. Absolut treffend !! Sehr hilfreich !!
    Nach einer Beziehung mit einem Narzissten, gibt es einen langen Leidensweg.
    Man durchläuft etliche schmerzhafte Phasen …
    Deine Worte , lieber Michael, kamen genau zum richtigen Zeitpunkt ! Vielen Dank!
    LG
    Susanne

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