Eine problematische Entwicklung unserer oberflächlichen Gesellschaft.
Kürzlich erklärte mir eine junge Frau, ihr gutes Aussehen sei die Quelle ihres Selbstwertgefühls. Ich fand diese Aussage interessant, also hakte ich nach: „Was bedeutet das konkret?“
Sie erklärte mir: „Weil ich gut aussehe, bekomme ich alles, was ich will. Das ist auch nur fair, denn ich gebe mir ja auch viel Mühe dafür, gut auszusehen. Und du sagst ja selber immer, dass man Erfolgserlebnisse als Bestätigung braucht. Meine Erfolgserlebnisse sind, wenn ich sehe, dass ich besser behandelt werde, weil ich gut aussehe.“
Ich entschied mich für einen diplomatischen Gesprächsansatz. Also fragte ich: „Was, wenn sich dein, deiner Aussage nach, gutes Aussehen von heute auf morgen drastisch verändern würde? Vielleicht durch einen Unfall oder durch eine Krankheit. Würdest du dann nicht mehr alles bekommen, was du willst? Wäre das dann entsprechend auch fair? Würdest du ein schlechteres Leben verdienen oder als Mensch weniger wert sein, weil du objektiv betrachtet nicht mehr so attraktiv wärst wie heute?“
Sie überlegte nicht lange, sondern antwortete sofort: „Natürlich wäre das fair. Wenn ich hässlich wäre, würden sich weniger Leute für mich interessieren. Wie könnte ich dann noch selbstbewusst sein?“
Ich zögerte für einen Moment. Dann sagte ich vorsichtig: „Unsere Gesellschaft ist oberflächlich und betrachtet Jugend als Maßstab für Schönheit. Dieser Logik nach müsste dein Selbstwert mit der Zeit immer geringer werden. Denn du wirst älter, so wie wir alle. Wirst du in 30 Jahren weniger wertvoll sein als heute?“
Sie sah mich nachdenklich an, antwortete aber nicht. Als ich nach ein paar Momenten des Schweigens merkte, dass ich keine Antwort erhalten würde, sagte ich: „Dein gutes Aussehen interessiert mich recht wenig. Aber ich denke, dass du ein lieber Mensch bist und das Herz am rechten Fleck hast. Ich würde dich genauso mögen wie jetzt, auch wenn du 30 Jahre älter wärst. Auch wenn du keine Haare hättest. Auch wenn du 50 kg mehr wiegen würdest. Glaubst du mir das?“
Sie lachte und sagte: „Nein. Das kauf ich dir nicht ab.“
Was haben wir als Gesellschaft getan?
An dieser Stelle möchte ich etwas klarstellen, das mir sehr wichtig ist: Ich erzähle diese Geschichte nicht, um die besagte junge Frau bloßzustellen. Ich habe sie sogar um Erlaubnis gebeten, die Geschichte anonymisiert erzählen zu dürfen und ihr Einverständnis erhalten.
Ich urteile nicht im negativen Sinne über sie. Ich halte sie nicht für dumm oder oberflächlich. Stattdessen empfinde ich tiefes Mitgefühl. Es hat mich traurig gemacht, diese Unterhaltung zu führen. Denn ich weiß, dass kein Mensch mit solchen Ansichten zur Welt kommt.
Es ist unsere oberflächliche Gesellschaft, die wunderbaren Menschen ständig das Gefühl vermittelt, nicht gut genug zu sein.
Und genau hier liegt das eigentliche Problem.
Natürlich darf man sich darüber freuen, attraktiv zu sein. Natürlich darf es dem Selbstbewusstsein guttun, ein Kompliment zu erhalten. Natürlich kann es das Selbstwertgefühl stärken, wenn wir merken, dass wir auf andere anziehend wirken.
Daran ist nichts Verwerfliches.
Problematisch wird es allerdings, wenn oberflächliche Faktoren zur Bedingung für ein Selbstwertgefühl werden. Denn Bedingungen können sich ändern.
Selbstbewusstsein auf Zeit
Äußere Schönheit ist ein offensichtliches Beispiel für das Phänomen, mit dem wir uns hier beschäftigen, aber es gibt natürlich noch viele andere Beispiele. Lass mich das kurz erläutern:
Wir leben in einer oberflächlichen Gesellschaft, in der Jugend und Schönheit eng miteinander verbunden werden. Dieser Logik nach nimmt die gesellschaftlich wahrgenommene Schönheit mit zunehmendem Alter ab. Was völlig natürlich ist und überhaupt kein Problem sein sollte, wird zum Problem, sobald wir anfangen, unser Selbstwertgefühl von einem „schönen“ Aussehen abhängig zu machen. Denn in diesem Moment verpassen wir unserem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl ein Ablaufdatum.
Dasselbe passiert auch in vielen anderen alltäglichen Bereichen:
Was ist mit der Person, die ihren gesamten Selbstwert aus ihrer Karriere bezieht und plötzlich den Job verliert oder arbeitsunfähig wird?
Was ist mit der Person, die sich damit rühmt, alles ganz alleine schaffen zu können, und dann irgendwann auf Hilfe von außen angewiesen ist?
Was ist mit dem klassischen Karrieremenschen, der sich nur dann erfolgreich und „gut genug“ fühlen kann, wenn sein Kontostand wächst?
Was ist mit dem Sportler, der seinen Körper und seine Leistungsfähigkeit zu seiner gesamten Identität gemacht hat?
Was ist mit dem Menschen, der sich nur wertvoll fühlt, solange er von anderen gebraucht wird, und plötzlich feststellt, dass seine Kinder erwachsen sind und ihn nicht mehr brauchen?
All diese Dinge dürfen ein Teil unseres Selbstvertrauens sein. Wir können, dürfen und sollen auf unsere Leistungen, Stärken und Privilegien stolz sein. Aber vielleicht sollten diese Dinge nicht die einzigen Säulen unserer Persönlichkeit, unseres Selbstbewusstseins und unseres Selbstwertgefühls sein.
Was bleibt übrig, wenn all das wegfällt?
Erlaube mir, ein paar unangenehme Fragen in den Raum zu werfen:
- Wer bist du, wenn du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst?
- Wer bist du, wenn dein Körper nicht mehr so aussieht oder funktioniert wie heute?
- Wer bist du, wenn niemand mehr von deinem Status oder Erfolg beeindruckt ist?
- Wer bist du, wenn du nicht mehr jung bist?
- Wer bist du, wenn jemand anderes attraktiver, erfolgreicher, stärker oder beliebter ist als du?
- Wer bist du, wenn du nicht mehr so leistungsstark bist wie heute?
Was bleibt dann übrig?
Falls du glaubst, dass du dann keine Grundlage mehr für Selbstbewusstsein und ein gesundes Selbstwertgefühl hast, dann sollte dir jetzt klar werden, dass du den toxischen Narrativen unserer Gesellschaft auf den Leim gegangen bist.
Denn all diese Dinge verraten uns viel darüber, wie du aussiehst, was du machst, womit du dein Geld verdienst oder was du täglich leistest. Aber sie verraten uns herzlich wenig darüber, wer du BIST.
Wenn wir unseren Wert ausschließlich daraus ableiten, nach welchen Maßstäben uns die Gesellschaft bewertet, geben wir der äußeren Welt ziemlich viel Macht.
Dann entscheidet der Blick eines Fremden darüber, ob wir uns in unserer Haut wohlfühlen.
Dann entscheidet eine Beförderung darüber, ob wir uns erfolgreich fühlen.
Dann entscheidet ein Kontostand darüber, ob wir stolz auf uns sein dürfen.
Dann entscheiden andere darüber, ob wir uns liebenswert finden.
Und im schlimmsten Fall entscheidet irgendwann der Spiegel darüber, ob wir das Gefühl haben, überhaupt noch eine Relevanz zu haben.
Wir brauchen ein stabileres Fundament
Ich gönne der jungen Frau aus der Geschichte ihr gutes Aussehen. Ich wünsche ihr von Herzen, dass sie beim Blick in den Spiegel noch lange zufrieden sein wird.
Aber etwas anderes wünsche ich ihr von Herzen sehr viel mehr:
Dass sie irgendwann sieht, dass all das nur ein Teil von ihr ist, aber nicht die Grundlage ihres Selbstwerts.
Und das wünsche ich nicht nur ihr, sondern uns allen. Als jemand, der seinen Selbstwert selbst viel zu lange an äußere Erwartungen gekoppelt hat, verstehe ich, wie befreiend es ist, sich davon zu lösen.
Im Spiegel sehe ich einen Mann, mit dem ich sehr zufrieden bin. Ich sehe dort meinen besten Freund. Perfekt ist er nicht. Aber meine Güte, er ist eine treue Seele, das kann ich euch versichern. Das ist der Mensch, der jeden noch so schweren Moment meines Lebens mit mir durchgestanden hat.
Vielleicht ist das beste Fundament eines gesunden Selbstwertgefühls, wenn man in den Spiegel schauen kann und weiß, dass man sich auch dann noch wertvoll fühlen wird, wenn man den Erwartungen und Maßstäben der Gesellschaft nicht immer gerecht wird. Bis hierhin halte ich das zumindest für ein gesundes Rezept.
Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael
Titelbild: Unsplash.com, Reyna








Lieber Michael,
Es ist schon traurig, dass man sehr oft auf sein Äußeres reduziert wird. Das ist wirklich oberflächlich. Ich habe selbst schon die Erfahrung gemacht, man sollte niemals einen Menschen nach Äußerlichkeiten beurteilen!
Eine junge Frau (in meinen Augen eine bildschöne Frau!) hat mal über eine Person gesagt, sie sei hässlich, meinte aber den Charakter. Und genau das ist der Punkt. Heute macht sich keiner mehr die Mühe, den Menschen hinter dem Äußeren zu sehen. Egal, wie jemand aussieht, er kommt direkt in eine Schublade.
Aber das gleiche gilt auch im Arbeitsleben mit Leistung, an der man gemessen wird. Wenn einem da das Selbstbewusstsein fehlt, kann das sehr gefährlich werden. Allerdings kann das manchmal auch ein guter Motivator sein, aber ich denke, das ist eher selten.
Mein Motto ist, “ jeder Jeck ist anders“ und ich nehme jeden so wie er ist! Respektvollens miteinander zählt!
Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen, liebe Sabine.
Die Gesellschaft macht es sich zu leicht, indem sie Menschen auf oberflächliche Faktoren reduziert. Um die Einzigartigkeit einer Person zu entdecken, muss man schon genauer hinsehen und sich ein wenig Mühe geben. Für die meisten ist das heute schon zu viel verlangt.
Wir leisten unseren Beitrag, indem wir es besser machen und Vorbilder sind 🙂
Ich denke, das ist die beste Strategie.
Liebe Grüße
Michael
👍
Das ist der Punkt so sieht leider unsere Gesellschaft aus
Leider ja. Umso wichtiger, dass wir gute Vorbilder sind und es anders vorleben 🙂
Guten Morgen lieberMichael!
Was für ein Ansatz…👌Vor ein paar Tagen ging mir dieser, Dein Gedanke, durch den Kopf…bisher habe ich ihn nicht bis zu Ende verfolgt…Doch nun danke für Deine Inspiration, es zu tun…Liebe Grüße und auch Dir wünsche ich eine wohltuende Zeit…🍀🪹🍃🍂🍁🕸Schatzheidi
Schön, dass die Inspiration zur richtigen Zeit kommt, liebe Heidrun! Das freut mich.
Ich wünsche dir ein schönes und erholsames Wochenende!
Dein Beitrag hat mich zum Nachdenken gebracht. Mein Ex-Mann hat es tatsächlich geschafft, meinen Selbstwert so klein zu machen, dass ich irgendwann an mir selbst gezweifelt habe. Ich war an einem Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, nicht einmal mehr das Schwarze unterm Fingernagel zu sein.
In den letzten vier Jahren hat sich bei mir aber einiges getan. Ich bin sicher nicht am oberen Ende angekommen, aber ich kann heute sagen: Es ist gut, wie es ist. Ich lebe sehr gerne mit mir selbst, bin gerne alleine unterwegs und fühle mich auch zu Hause alleine wohl.
Nach meiner Reha hatte ich das Gefühl, dass mein Selbstwertgefühl noch einmal einen kleinen Schub bekommen hat. Und auch mein Urlaub, den ich ganz alleine gemacht habe, hat mir gezeigt, dass ich vieles kann und mir selbst vertrauen darf.
Vielleicht muss man sich manchmal selbst etwas beweisen. Nicht den anderen, sondern sich selbst. Ich glaube, mein Selbstwertgefühl hat kein Verfallsdatum. Manchmal muss man sich erst wieder selbst finden und erkennen, was in einem steckt. Und ich finde, da bin ich auf einem guten Weg.
Danke Dir Michael für die mentale Unterstützung in den letzten Jahren. Deine Beiträge haben mir gerade in einer Zeit, in der es mir richtig schlecht ging, sehr geholfen.
Liebe Claudia, ich habe deinen Kommentar mit einem großen Lächeln gelesen. Was du beschreibst, ist wunderbar und sehr wahr. Du hast den für dich richtigen Weg gefunden: Du steigerst deinen Selbstwert, indem du es dir selbst recht machst und eigene Erfolgserlebnisse hast. Nicht, indem du deinen Selbstwert daran koppelst, was andere über dich denken.
Es tut mir leid, dass du in deiner früheren Ehe so schlechte Erfahrungen gemacht hast. Umso mehr freut es mich, dass du nun immer mehr zu dir findest!
Ich freue mich sehr, dass ich mit meinen Beiträgen hin und wieder ein wenig inspirieren darf.
Liebe Grüße
Michael
Moin Michael. Touche. Ja, so ist es. Ja, so tickt unsere Gesellschaft, aber ich bin ein Teil davon. Ich kämpfe gerade damit, mich mit meinem nächsten Lebensabschnitt anzufreunden, zur Ü60 Fraktion zu gehören. Da brechen gleich fast alle Puzzleteile, die meinen Selbstwert ausmachen, gleichzeitig weg. Danke für deinen Zuspruch.
Das finde ich sehr ehrlich von dir!
Ich arbeite mit vielen Menschen zusammen, deren Leben sich in dieser Altersspanne stark verändert. Einerseits eine Herausforderung. Andererseits die wunderbare Chance, sich selbst und die Grundlagen des eigenen Selbstbewusstseins auf ein völlig neues Fundament zu stellen!
Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir viel Erfolg!
Danke lieber Michael dein Text kam für mich genau zum richtigen Zeitpunkt. Hoffe ich kann das umsetzen und reduziere mich nicht mehr nur auf meinen Beruf (gerade Job verloren) , mein Äußeres. Habe das Gefühl ich muss mich erst mal kennenlernen- war sehr abhängig von meiner Umwelt. Habe eigentlich immer nur versucht so zu sein wie andere mich haben wollen.
Schön, dass meine Worte dich zum richtigen Zeitpunkt erreichen, liebe Caro!
Erlaube mir, eine positive Perspektive zu eröffnen: Vielleicht ist die Tatsache, dass sich gerade viel bei dir verändert, auch eine große Chance 🙂
Du scheinst es bereits so zu sehen, was ich toll finde. Ich wünsche dir viel Erfolg und drücke die Daumen.
Liebe Grüße
Michael
Ein wunderschöner Beitrag, lieber Michael. Du hast so Recht mit allem, was du sagst (schreibst). Das ist auf der einen Seite sehr traurig, dass es so ist. Aber gleichzeitig auch sehr heilsam zu erkennen, dass es so nicht sein muss. Dass wir selbst entscheiden können, dass wir wertvoll sind. Ganz ohne den Einfluss der Gesellschaft und ihrer „Ideale“.
Deine Worte und die Fragen, die du stellst, haben mich sehr ins Nachdenken gebracht. Danke dafür!
Herzlichst,
Simone
Herzlichen Dank, liebe Simone!
Ich stimme dir zu: Einerseits ist es traurig, dass es so ist. Aber es anzunehmen und für sich herauszufinden, wie man es besser machen kann, gehört zur Persönlichkeitsentwicklung dazu. Es ist (meiner Meinung nach) das Beste, was wir tun können.
Liebe Grüße
Michael
lieber michael,
ich danke dir 🧡lich für diesen blog. ich lese ihn das erste mal, nachdem ich dein buch gelesen habe über selbstbewusstsein. ich definiere mich leider auch eher über mein nicht schlechtes aussehen und meine hobbys. sonst ist mein selbstbewusstsein leider nicht besonders gut. ich bin nur 1.53 gross und viele unterschätzen mich. früher wurde viele witze über meine grösse gemacht. heute mit 63 jahren stehe ich darüber, denn ich weiss, ich bin mehr, viel mehr als ich aussehe. mit diesem text und deinem buch bin ich auf gutem weg, mein ziel endlich ganz zu erreichen. danke dir, lis
Es freut mich sehr, dich ein wenig inspirieren zu können, liebe Lis!
Danke für deine wertschätzenden Worte. Schön, dass du auf einem guten Weg bist. Für diesen drücke ich dir fest die Daumen.
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael,
ich denke, dass Du mit diesem Blog wieder einmal viele Menschen zum nachdenken bringst, insbesondere darüber, was wirklich wichtig ist im Leben jedes einzelnen. Diesen “Anstoß“ finde ich sehr wertvoll, weil wir uns sehr oft, was unseren Selbstwert betrifft, stark vom “Außen“ beeinflussen lassen. Das ist menschlich, weil es einem natürlich gut tut, wenn man Positives über sich hört. Es gibt aber auch die andere Seite, nämlich, dass man sehr oft Kritik oder andere negative Bewertungen über sich erhält, und das tut einem dann weniger gut. Beide Seiten gehören zu derselben Medaille. Aber es sind nur die Seiten der Medaille, das Innere der Medaille sind WIR selbst.
Ich finde, dass Du das Problem mit dem “Selbstwert“ sehr gut beschrieben hast.
Aber lass mich bitte noch ein paar Ergänzungen dazu machen. Was bedeutet das Wort Selbstwert eigentlich? Die Antwort liegt m. E. im Wort selbst nämlich „was bin ich mir selbst wert?“ Und in diesem Satz ist m. E. jedes Wort gleich wichtig! Denn es geht um MICH, wie ich mich sehe und fühle. Da ist Deine Aussage mit der eigenen Bewertung des eigenen Spiegelbilds sehr treffend. Alles was von Außen, also der sogenannten Umwelt kommt beeinflusst uns natürlich. Ich denke entscheidend ist, wie ich mit diesen Botschaften von Außen in meinem Inneren/Wertegefühl umgehe. Sobald wir sehr häufig, egal ob positive oder negative Botschaften erhalten, laufen wir Gefahr, dass sie unseren Selbstwert stark beeinflussen. Das kann dann dazu führen, dass , wenn diese Botschaften positiv für uns sind, wir in eine Art Abhängigkeit von solchen Botschaften gelangen und sogar eine gewisse Suchtgefahr besteht. Sind die Botschaften dagegen sehr häufig negativ, können sie zu Minderwertigkeitsgefühlen führen und letztendlich krank machen. Ich schreibe das, weil ich diese Erfahrungen selbst gemacht habe.
Ja und Du hat völlig recht, es wird immer schwieriger in der heutigen, ziemlich oberflächlichen Zeit, in der es fast nur noch um Konsum, Tempo und Leistung geht, für sich selbst zu entscheiden, wie wichtig ist die Botschaft, die ich gerade erhalte, für mich und muss ich der Gesellschaft in allem folgen.
Alles, was wir Positives an Fähigkeiten, Äusserem, Liebe, Wohlstand usw. von unseren Eltern bekommen haben, sollten wir als wertvolle Geschenke sehen. Dafür haben wir selbst keine Leistung erbracht und sie uns somit auch nicht selbst verdient. Ich denke, unser “gesunder“ Selbstwert hängt entscheidend davon ab, was wir selbst aus unseren “Geschenken“ machen.
Letztendlich ist es aber so, denke ich, dass wir den Bewertungen von Aussen nicht zu viel Bedeutung geben sollten. Das ist bei positiven Bewertungen natürlich viel einfacher als bei negativen.
Besonders wichtig halte ich Deine Aussage, die unser Herz betrifft. Und damit meine ich nicht unser physisches Herz sondern unser “HERZGEFÜHL“. In der, von Dir beschriebenen, heutigen Zeit, besteht , aus meiner Sicht, die Gefahr, dass GEFÜHLE immer mehr verkümmern, Besitz und Wohlstand immer wichtiger werden und Gerechtigkeit keine so große Rolle mehr spielt. Und das hat m. E. gravierende Auswirkungen auf die Werte und das Verhalten der heute ebenden Menschen. Da haben GEFÜHLE immer weniger Platz. Aber Gefühle sind für unseren Selbstwert von sehr großer Bedeutung, weil sie große Auswirkungen auf unser INNERES, also uns selbst und unser Wohlbefinden haben. Verkümmerte Gefühle, insbesondere MITgefühle, führen zu dem, was heute in der Welt passiert.
Zum Schluss noch ein Botschaft, die Buddha zugeschrieben wird, die für mich aber alles enthält, was für uns schädlich ist.
“Die drei Geistesgifte der Menschen sind Gier, Hass und Unwissenheit.“
Diese Erkenntnis hatte er schon vor über 2500 Jahren.
Ein sehr schöner Kommentar, lieber Horst. Vielen Dank für deine Ausführungen, denen ich vollkommen zustimme.
Ich denke, dass wir in der Menschheitsgeschichte noch nie so vielen Bewertungen von außen ausgesetzt waren wie heutzutage. Allein schon wegen des Internets und der sozialen Medien. Das macht etwas mit uns. Es verschiebt den Fokus, unsere Aufmerksamkeit und unsere Prioritäten.
Das Beste, das wir meiner Meinung nach tun können, ist uns treu zu bleiben. Wir stehen für unsere Werte ein und sind somit denen ein Vorbild, die ebenfalls den modernen Zeitgeist hinterfragen und Gleichgesinnte suchen.
Danke für deinen wertvollen Beitrag.
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael,
vielen lieben Dank für Deine Antwort und Deine Wertschätzung. Du hast völlig recht, noch nie war der Einfluss der Medien, insbesondere durch deren Vielzahl und Inhalte, so groß wie heute. Und die Versuchung ist groß, möglichst nichts zu verpassen oder nicht genug zu bekommen. Ein weiterer Faktor ist, dass sie günstig und bequem zu konsumieren sind. Was wir dabei aber nicht beachten ist, dass sie Zeit kosten und zwar unsere Zeit, doch davon haben wir ja anscheinend genug. Was dadurch immer mehr verloren geht, ist die Beschäftigung mit uns selbst oder dem anderen. Außerdem bleibt kaum Zeit für das und bewusste erleben von Stille und Zeit oder zum nachdenken. Unser Selbstwertgefühl profitiert aber am meisten von den Dingen, die wir selbst tun.
Die große Herausforderung für die heutige Gesellschaft ist, die richtige Mitte für sich selbst zu finden.
Was ich am meisten an Dir schätze ist, dass Du nach Deinen, teilweise wirklich schlimmen Erfahrungen, es Dir zur Aufgabe gemacht hast, oft völlig selbstlos, anderen zu helfen. Das zeichnet Dich aus. Es ist schön, dass es Dich gibt!
Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende 😊
Lieber Michael,
früher dachte ich nicht darüber nach woher das Selbstbewusstsein kommt. Ich war als Kind, Jugendliche nicht Selbstbewusst obwohl ich „schön“ aussah und noch gut aussehe 😉 . Es entwickelte sich erst im Studium und dann im Arbeitsleben richtig. Leider habe ich das erst vor 8 Jahren gemerkt als ich wegen „ärztlicher Diagnosen“ nicht mehr arbeiten durfte und in den Vorruhestand kam. Es hat mir den Boden unter meinen Füßen weggezogen….danke für deinen heutigen Blog. Es ist hart, ich bin immer noch dabei zu lernen dass ich auch ohne „Arbeit“ ein wertvoller Mensch bin. ….habe mich dafür die letzten Jahre in viel ehrenamtliches Arbeiten reingehängt Wahrscheinlich sollte ich alles mal loslassen.
Alles Liebe euch allen ❤️
Liebe Isabelle, ich finde es sehr stark, dass du deinen herausfordernden Lebensweg nicht einfach hinnimmst, sondern daran wächst und lernst. Natürlich ist es hart, das glaube ich dir gerne. Aber umso stärker ist es, dass du deine Lektionen daraus ziehst und dein Selbstbewusstsein neu definierst. Ich bin überzeugt davon, dass dein starker Charakter davon unberührt bleibt, dass du nun nicht mehr so arbeitest wie zuvor 🙂
Auch dir alles Gute!
Liebe Grüße
Michael