Ich mache Fehler und das ist gut so!

Ein Artikel für alle, die nicht perfekt sind und es auch nicht sein wollen. Wie passend: Auch das Titelbild ist nicht die perfekte Wahl zum heutigen Thema…

Das Leben ist so vielschichtig, dass man immer dann eine weitere Facette entdeckt, wenn man gerade meint, man hätte alles gesehen. Jeden Bereich seines Lebens zu beherrschen, ist ein unerreichbares Ziel, denn es würde bedeuten, dass man die Perfektion erreicht und dass das aus rein logischen Gründen nicht möglich ist, ist kein Geheimnis.
Trotzdem machen viele Menschen es sich zur Aufgabe, zumindest danach zu streben. Mit der persönlichen Entwicklung begibt man sich auf diesen Weg und wie wir alle mittlerweile wissen, ist dieser Weg nicht immer der Leichteste.
Was nicht leicht ist, ist eine Herausforderung. Herausforderungen wollen gemeistert werden und wer meint, er würde keine Fehler machen oder es würden ihm unterwegs keine unterlaufen, braucht sich erst gar nicht auf den Weg zu machen.

Viele Entscheidungen, viele Fehler

Wir treffen täglich hunderte Entscheidungen, mal mehr und mal weniger wichtige. Wir entscheiden uns dazu, wo wir uns zu Hause hinsetzen möchten, was wir essen, wann wir aus dem Haus gehen, welches Buch wir lesen möchten, usw. Bei dieser großen Menge an Entscheidungen ist es sehr wahrscheinlich, dass auch einige schlechte Entscheidungen getroffen werden. Das Ergebnis einer schlechten Entscheidung kann je nach Schwere des Falls unterschiedlich starke Konsequenzen haben. Ein harmloser Fehler ist zum Beispiel, am Abend eine Pizza zu essen, obwohl der frische Lachs im Tiefkühler leichter und besser verdaulich gewesen wäre. Ein schwerwiegender Fehler ist es, jemanden im ersten Zorn zu beleidigen, wenn er einen Fehler gemacht hat, anstatt den Fehler sachlich zu kritisieren.

Auch wenn manche Fehler schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringen, bin ich fest davon überzeugt, dass wir unsere Fehler brauchen, um „besser“ zu werden!

Wir brauchen unsere Fehler

Hinter jedem Fehler und seiner Verbesserung steht ein simples Prinzip: Wie soll man etwas richtig machen, wenn man es noch nie ausprobiert hat? Woher soll man wissen, was richtig ist, wenn man etwas noch nie richtig oder falsch gemacht hat? Alles braucht einen Versuch und erst nach der persönlichen Bewertung des Ergebnisses kann eingeschätzt werden, ob man gerade einen Fehler gemacht hat oder nicht.
Man hat dir vermutlich als Kind immer gepredigt, dass du nicht mit Feuer spielen sollst. Aber wie hast du herausgefunden, dass dies ein guter Rat war? Richtig: Du hast dich am Feuer verbrannt. Ich zum Beispiel habe mit der Bohrmaschine eine Stromleitung anbohren müssen, um herauszufinden, dass ich das besser kein zweites Mal tun sollte 😉

Jeder einzelne Fehler hilft uns dabei, uns zu verbessern und deswegen sollten wir keine Angst davor haben, Fehler zu machen. Niemand ist perfekt und niemand kann alleine von den Ratschlägen anderer lernen. Der Lerneffekt ist immer dann am größten, wenn man seine Erfahrungen selbst macht. Deswegen ist das Gedankengut auf „Dein Fußabdruck“ auch nicht nur zum Lesen da, sondern vor allem zum Ausprobieren!
Dass wir Fehler machen, beweist, dass wir den Mut dazu haben, etwas zu versuchen und eine Entscheidung zu treffen. Entscheidungen zu treffen bedeutet leben (das ist tatsächlich in der Psychologie so definiert!). Wer keine Entscheidungen trifft und keine Fehler machen will, bleibt im vermeintlich sicheren Hafen, der sich jedoch irgendwann zum Gefängnis entwickelt. Das aufregende, spannende und lebenswerte Leben findet außerhalb dieses Hafens statt.

Lernen, nicht wiederholen

Damit Fehler etwas „Gutes“ sind und damit wir aus ihnen lernen können, muss eine Grundvoraussetzung gegeben sein: Wir dürfen Fehler machen, sie aber nicht wiederholen. Immer denselben Fehler zu machen und trotzdem andere Ergebnisse zu erwarten, grenzt an Wahnsinn.
Du würdest zum Beispiel nicht noch einmal ins Feuer packen, nachdem du dich daran schon einmal verbrannt hast, oder? So verhält es sich mit allen Fehlern, bei denen wir eindeutig feststellen können, dass es sich tatsächlich um einen Fehler handelt.
Manche Menschen wissen, dass sie einen Fehler machen und dass etwas nicht gut enden wird, hören aber trotzdem nicht auf. Ein allgemein beliebtes Beispiel ist es, sich wieder auf einen ehemaligen Beziehungspartner einzulassen, obwohl man ganz genau weiß, dass dies zu weiterem Kummer und Komplikationen führen wird. Da wir alle eigenverantwortlich, bleibt hier nur eins zu sagen: Selbst schuld 😉 Diese Einstellung muss man einfach mit ein bisschen Humor nehmen, denn schließlich kann man selbst nichts dafür, wenn jemand anderes sich 5 mal am Feuer verbrennen muss, bevor eine Einsicht entsteht.

Zu seinen Fehlern stehen

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, zu seinen Fehlern zu stehen. Dafür gibt es zwei gute Gründe:

1) Wer glaubt, keine Fehler zu machen, bzw. sich seine Fehler nicht eingestehen will, nimmt sich selbst die Möglichkeit, sich zu bessern. Wir sind die Schöpfer unserer eigenen Realität und alles kann für uns wahr werden, wenn wir nur fest genug daran glauben. Wenn wir jedoch viele Fehler machen, vor allem anderen Menschen gegenüber und uns selbst dabei einreden, dass wir alles richtig machen, zieht das schwerwiegende Konsequenzen hinter sich: Isolation, Einsamkeit, Konflikte, Missverständnisse, usw.
Wer sich eine Realität erschafft, in der er ohne Fehler ist, wird in dieser Realität alleine bleiben. Langfristig gesehen hat niemand Lust darauf oder Verständnis dafür, dass es sich jemand so einfach macht und seine Fehler „weglügt“, während man selbst eine Entwicklung voranbringt, die mit großen Einsichten, Zugeständnissen, Kompromissen und Überwindungen verbunden ist.

2) Wenn man jemand anderem gegenüber einen Fehler macht und nicht dazu stehen will, verletzt man sein Gegenüber schwerer als man vielleicht denken würde. Ein Beispiel: Nehmen wir mal an, ich würde einen langjährigen Freund in einer wichtigen Angelegenheit belügen und ihn damit verletzen. Anstatt mich für mein Verhalten zu entschuldigen und einzusehen, dass ich unser über lange Jahre hinweg aufgebautes Vertrauen schwer beschädigt habe, würde ich die ganze Sache herunterspielen und sagen, dass es keine Lüge war, sondern ein Missverständnis und dass ich da einfach etwas durcheinander gebracht habe. Ich selbst wäre vielleicht fein heraus aus der Geschichte und könnte gut mit dieser Ausrede leben. Mein Freund, der mir eigentlich am Herzen liegen sollte, wäre aber zutiefst gekränkt, weil er erstens nicht einschätzen kann, ob unsere Freundschaft mir auch nur ansatzweise so viel wert ist wie ihm, weil er zweitens nicht weiß, wie oder ob er mir noch vertrauen kann und weil ich ihm drittens das Gefühl gegeben habe, dass seine Gefühle und Verletztheit keine große Sache für mich sind.
Wenn ich in diesem Beispiel jedoch einfach sagen würde: „Es tut mir leid. Ich habe mir im Vorhinein keine Gedanken darüber gemacht, was ich da anrichte und es war mit Sicherheit nicht meine Absicht, dich zu kränken“, dann würde ich damit meinen Fehler eingestehen, meine Ein- und Weitsicht beweisen und mir selbst die Möglichkeit geben, das angeknackste Vertrauen wieder in Ordnung zu bringen.

Die Entscheidung liegt am Ende immer bei dir selbst. Wie eingangs erwähnt, treffen wir am Tag hunderte Entscheidungen. Wenn die ein oder andere dabei mal nicht ideal ist, dann betreiben wir einfach Schadensbegrenzung und machen es beim nächsten Mal besser. Das ist die effizienteste Art und Weise, mit seinen vollkommen natürlichen Fehlern umzugehen.

Für das kommende Wochenende wünsche ich dir, dass du möglichst viele gute Entscheidungen triffst, die dir eine wunderbare Zeit bescheren.

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelfoto: Gratisography.com

9 Kommentare, sei der nächste!

  1. Danke für diesen Blog-Beitrag (und überhaupt für den ganzen Blog, den ich heute erst entdeckt habe). Ich selber wurde (wie viele andere vermutlich auch) so erzogen, möglichst Fehler zu vermeiden. Das ist mir zwar bewusst und trotzdem sind alte Programm leider oft hartnäckig. Das größte Problem damit (bzw. mein größtes Problem damit) ist, dass ich recht oft viel zu lange brauche, bis ich meine eigene Arbeit als so akzeptabel ansehe, dass ich sie als abgeschlossen sehe und „nach draußen“ gebe. Das kostet oft mich leider gelegentlich sehr viel Kraft.

    1. Hallo Kira,

      herzlich willkommen auf „Dein Fußabdruck“ 🙂 Ich freue mich, dass der Blog und der heutige Beitrag dir gefallen. Mit dem Perfektionismus bist du nicht alleine, denn er „plagt“ zahlreiche Menschen und kostet sie Zeit, Kraft und Nerven. Mein kommendes Buch wird sich auch intensiv mit diesem Thema beschäftigen, aber für den Moment möchte ich dir folgende Anregung dalassen: Die meisten Perfektionisten stellen sich vor, dass sie entweder ihren akribischen Perfektionismus ausleben oder faul und nachlässig sind. Es ist ein Schwarz-Weiß-Denken, das keinen Spielraum in der Mitte lässt. Dabei ist es nicht schlecht, möglichst gut auf all seinen Gebieten zu sein. Die Frage ist nur, ob man immer alles zu 100% perfektionieren muss oder ob es nicht schon mehr als ausreichend gut ist, wenn man etwas bei vielleicht 95% lässt und ein wenig Spielraum nach oben hat.
      Eine gute Methode, um herauszufinden, wie nützlich der Perfektionismus für einen selbst ist, ist die gute alte Pro- und Kontra-Liste. Du könntest dir auflisten, wie viele Vorteile du in Wirklichkeit dadurch hast, dass du deine Arbeit immer „akzeptabel“ genug gestalten musst und auf der anderen Seite, wie viel Kraft dich diese Einstellung kostet. Trage auf beiden Seiten alle Punkte ein, die dir einfallen.
      Dir und deinem Unterbewusstsein wird auf diese Weise schwarz auf weiß bewiesen, dass der Perfektionismus dir schadet, solange er dich unzufrieden stellt. Mit dieser schriftlichen Erinnerung wird es dir leichter fallen, ab und zu auch mal die 3 gerade sein zu lassen und dich von deinen starken Ambitionen zu lösen.
      Ich freue mich, dass du zum Blog gefunden hast und wünsche dir ein schönes Wochenende!

      Viele Grüße
      Michael

  2. Hallo Michael,

    wieder einmal vielen Dank für den Blogartikel dieser Woche.

    Mir fiel spontan beim Lesen der Spruch „wer nichts macht, macht auch keine Fehler“ ein. Leider ist es heute aber mit der Fehlertoleranz nicht sehr weit her. Wenn man sich ansieht, wie gewöhnlich mit Fehlern anderer umgegangen wird, ist es nicht verwunderlich, dass viele versuchen, Fehler möglichst zu vermeiden. Da wird häufig bei auftretenden Problemen mehr Aufwand und Zeit damit verbracht, den Schuldigen zu suchen als das Problem zu lösen. Also handeln viele mit der Grundeinstellung, möglichst keine Fehler machen und merken nicht, wie viele neue Erfahrungen ihnen dabei entgehen.

    Ein wunderschönes Wochenende
    Manfred

    A

    1. Hallo Manfred,

      damit, wie mit der Schuld heutzutage umgegangen wird, sprichst du einen sehr wichtigen Punkt an! Im Artikel wollte ich dieses Thema vermeiden, weil es am Ende hätte politisch werden können 🙂 Du hast aber natürlich Recht. Wenn man sich das moderne Fehlermanagement der Gesellschaft ansieht, kann man nur mit dem Kopf schütteln. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass jeder entweder seine Probleme unter den Teppich kehrt oder versucht fehlerlos zu sein, was natürlich beides nicht gut enden kann.
      Auch dir ein schönes Wochenende!

      Viele Grüße
      Michael

  3. Ups, und schon passiert einer 🙂 …mein Kommentar sollte noch gar nicht raus gehen. …also noch mal. …ich versuche seit einiger Zeit, das Wort Fehler aus meinem Wortschatz zu streichen.Ich spreche nicht mehr von Fehlern sondern von Ergebnissen. Das hat meine Haltung zu vielen Menschen und Situationen positiv verändert….und ich bin weniger streng mit mir. Wünsche ein schönes Wochenende. Heike

    1. Hallo Heike,
      das macht nichts 🙂 Ich habe trotzdem beide Kommentare so freigegeben, damit der zweite nicht kontextlos umherschwirrt 🙂
      Deine Idee, das Wort „Fehler“ durch „Ergebnis“ zu ersetzen, gefällt mir! Ich freue mich, dass diese Veränderung positive Resultate in dein Leben bringt!
      Auch dir ein schönes Wochenende!

      Viele Grüße
      Michael

  4. Hallo Michael,
    auch mir hat dein Artikel – wieder – gut gefallen. Ich habe einige (!) Jahre gebraucht, bis ich mir selbst Fehler erlaubt habe. Es fällt mir immer noch nicht leicht, Fehler zu akzeptieren und einzugestehen, vor allem mir selbst gegenüber. Wenn es mir gelingt, ist es aber fast immer positiv für mich. Es nimmt auch Kritikern viel Wind aus den Segeln. Vor allem jedoch festigt es meine Integrität mir und anderen gegenüber. Diese Integrität halte ich heute für eine der wichtigsten Eigenschaften.

    Viele Grüße und eine erfolgreiche Woche
    Rudolf

    1. Hallo Rudolf,

      schön, dass der Artikel dir gefällt! Du hast vollkommen Recht damit, dass man seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nimmt, wenn man sich einen Fehler eingesteht. Außerdem ermöglicht man sich selbst auf diese Weise, „besser“ zu werden, da man offen mit seinen Fehlern umgeht und sie beim nächsten Mal vermeiden kann.
      Auch dir einen erfolgreichen Start in die neue Woche!

      Viele Grüße
      Michael

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.