Für alle, die den Drang verspüren endlich zu leben…

Kennst du das, wenn man manchmal einfach gerne tun würde, worauf man Lust hat, anstatt das, was man eigentlich erledigen muss? Wenn man gerne essen würde, was das Herz gerade begehert und nicht, was gesund und vernünftig ist? Wenn man das Gefühl hat, den Alltag durchbrechen zu müssen, anstatt den immer gleichen Abläufen zu folgen? Glaub mir, du bist damit nicht alleine. Es gibt so viele Menschen da draußen, die gerne etwas verändern würden. Menschen, die nicht nur Appetit nach Neuem, sondern richtigen Hunger auf das Leben haben. Hunger darauf, endlich glücklich zu sein und im wahrsten Sinne des Wortes zu leben. Doch was ist „leben“ und wie macht man das?

Herz gegen Verstand

Das Wichtigste sei vorab gesagt: Mit diesem Beitrag empfehle ich niemandem, sein bisheriges Leben über Bord zu werfen. Ich möchte dich stattdessen dazu ermutigen, dir Freiräume zu schaffen und durch wirklich kleine Maßnahmen glücklicher zu werden.

Was dein Herz begehrt und was dein Hunger auf das Leben beinhaltet, kannst nur du wissen. Deshalb solltest du dir Zeit nehmen und dich fragen, was dir in deinem Leben fehlt. Mit „Zeit nehmen“ meine ich wirklich Zeit nehmen. Denk nicht einfach zwischen Tür und Angel darüber nach. Beschäftige dich intensiv mit dir, denn genau das machen die meisten Menschen nicht. Wenn nötig, kann das Ganze auch Wochen oder sogar Monate dauern, doch am Ende wird es sich lohnen. Geh auf lange Spaziergänge, richte dir Ruhephasen ein, führe ein Tagebuch, meditiere, erstelle von mir aus Listen und Pläne, aber GEH IN DICH. An genau diesem Punkt stellt man mir oft die Frage: „Wie finde ich denn überhaupt heraus, was ich wirklich will?“

Meine beste Antwort darauf ist: Indem du dir klarmachst, was du nicht mehr willst!

Und ja, Vieles von dem, was wir nicht mehr wollen, müssen wir tun. Oder zumindest glauben wir das. Wir müssen einer Arbeit nachgehen, um Geld zu verdienen und zu überleben. Wir müssen Verantwortung für die Menschen übernehmen, die uns nahe stehen, auch wenn das manchmal eine riesige Belastung sein kann. Wir müssen die vernünftigsten und langweiligsten Entscheidungen treffen, damit das restliche Leben nicht aus dem Ruder läuft. Aber die entscheidende Frage ist doch: Ist das alles? Gibt es wirklich keine Alternative?

Ein kompletter Neuanfang?

Ich verstehe etwas von Neuanfängen, denn ich gehöre zu den Menschen, die einen solchen wirklich radikal durchgezogen haben. Nach dem Tod meines Sohnes habe ich mich dazu entschieden, alles anders zu machen. Ich habe meinen Job gekündigt, auf mein Studium verzichtet, dutzende Freundschaften aufgelöst, meine Einstellung zu Geld geändert, meine gesamte Lebensphilosophie hinterfragt und mein Leben darauf ausgerichtet, anderen zu helfen. Und auch, wenn all das in meinem Fall zu langfristig positiven Ergebnissen geführt hat, kann ich diese Vorgehensweise nicht uneingeschränkt weiterempfehlen. Erstens, weil dabei auch eine ganze Menge schiefgehen kann. Glück ist immer ein (mit-)entscheidender Faktor auf dem Weg zum Erfolg. Außerdem haben viele Menschen bereits eine Familie gegründet und verspüren dieser gegenüber eine Verantwortung. Da kann man nicht einfach Reißaus nehmen und das Leben neu entdecken. Und dann wäre noch zu erwähnen, dass alle Entbehrungen, einsamen Phasen und drastischen Lektionen, die mit einer solchen grundlegenden Veränderung einhergehen, ziemlich an die Substanz gehen. Glaub mir, ich weiß, wovon ich da spreche. Deshalb empfehle ich, den Ansatz eines Neuanfangs mit Vorsicht zu genießen.

Jetzt wird es wichtig! Heißt das also, dass du nicht ausbrechen kannst? Dass du nichts verändern kannst? Bedeutet das, dass nur ein radikaler Neuanfang etwas verbessern kann und dass man unglücklich bleibt, wenn man sich einen solchen nicht zutraut? Die Antwort lautet: Nein! Das Leben ist nicht nur schwarz und weiß. Du kannst trotz der Einschränkungen des Alltags und trotz all deiner Verpflichtungen glücklich sein, einige Grenzen sprengen und deinen Hunger auf das Leben stillen!

Du darfst

Wie so oft im Leben liegt der Schlüssel zur Lösung nicht im Extrem, sondern in der Mitte. In der Balance.

Du möchtest endlich etwas Kalorienhaltiges und „Unvernünftiges“ essen? Na los, mach es. Wer oder was hält dich auf? Aber iss es nicht jeden Tag. Erstens, weil es dich krank machen wird. Zweitens, weil es dadurch seinen Reiz verlieren würde und drittens, weil kein Extrem erstrebenswert ist. Es ist immer die Mischung, die uns glücklich macht.

Du bist müde von deinem gewohnten Umfeld und möchtest einfach mal raus? Alles klar, los geht’s! Fahr in Urlaub. Wenn du eine Familie hast, nimm sie mit. Und wenn du dir einen Urlaub nicht leisten kannst, dann mach einen Ausflug. Es gibt überall etwas zu entdecken, nicht nur auf den Malediven. Vergiss im Anschluss nicht, wieder zurückzukehren. Deine Heimat zurückzulassen, wird dich nicht glücklich machen. Sie einfach mal auszublenden und etwas Neues zu sehen, jedoch schon.

Du hast lange hart gearbeitet und würdest dir nun gerne etwas Schönes gönnen? Nur zu. Kauf dir, was du begehrst. Aber sei danach wieder sparsam. Erstens, um die Wertschätzung und das Besondere für deine neue Errungenschaft aufrechtzuerhalten und zweitens, um deine Sicherheiten nicht auszuschöpfen.

Die Sache ist doch diese: Soweit wir wissen, ist das Leben kurz. Würdest du morgen erfahren, dass dein Leben bald enden wird, würdest du doch sicherlich nicht sagen: „Gott sei Dank, dass ich immer so vernünftig war und nie Spaß hatte.“

Würde man jeden Tag leben, als wäre er der letzte, würde Chaos herrschen. Lebt man immer nur „vernünftig“, ist das Leben öde und man wird unglücklich. Die Lösung liegt also tatsächlich in der Mitte.

Vollkornbrot und Muffins

Ja, ich weiß: Das ist die banalste Schlussfolgerung aller Zeiten und vielleicht fragst du dich gerade, ob ich dich ernsthaft 900 Wörter lang hingehalten habe, um dir letztendlich zu sagen: Sei ein bisschen vernünftig, aber hab auch ein bisschen Spaß. Aber WARUM sage ich das? Weil wir alle es wissen, aber NIEMAND es macht. Wir sind immer nur vernünftig. Wir gehen immer auf Nummer sicher. Wir gehorchen. Wir hinterfragen nicht. Wir suchen nicht die Balance, sondern verstecken uns auf der sicheren Seite, ohne zu merken, dass wir im Extrem festhängen. Im langweiligen Extrem. Und genau deshalb haben wir diesen Hunger auf das Leben, ohne ihn uns erklären zu können. Wir wollen ausbrechen, doch dieser Ausbruch ist nichts anderes als das Streben nach der gesunden Mitte.

Hier ist der beste Rat, den ich dir heute geben werde: Das Leben ist nicht immer Bio-Vollkornbrot. Manchmal ist es auch ein klebriger Muffin mit Zuckerglasur und das ist gut so. Erlaube dir, die Finger über die Grenzen hinauszustrecken. Wenn du Hunger hast, dann stille ihn. Erfahre das Leben. Mache Fehler und lerne aus ihnen. Empfinde Schmerzen und wachse an ihnen. Das Leben hat mehr zu bieten, als du glauben würdest und in dir steckt mehr Potenzial, als du jetzt noch vermuten würdest. Wenn du Hunger hast, dann still ihn.

Ich wünsche dir viel Erfolg und vor allem: Guten Appetit!

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

Titelbild: Unsplash.com, © Mi Pham