Eine Perspektive, die vieles verändert…

Kennst du das Gefühl, vor einem großen Berg zu stehen und nicht zu wissen, wie du ihn überwinden sollst?

Manchmal besteht dieser gewaltige Berg aus Aufgaben, zum Beispiel beruflicher Natur. Wir wissen einfach nicht, wie wir sie bewältigen sollen.

Und manchmal besteht dieser Berg aus persönlichen Herausforderungen, die uns zu gewaltig erscheinen, um sie zu ertragen. Eine Zeit lang traf das für mich auf mein gesamtes Leben zu. Ich war depressiv, zutiefst unglücklich, entmutigt und hatte keine Perspektive auf eine bessere Zukunft. Der Gedanke, noch ein ganzes Leben führen zu müssen, erdrückte mich. Es war, als stünde ich vor einem gigantischen Berg und ich hatte keine Ahnung, wie ich ihn erklimmen sollte.

Möglicherweise kennst du das Gefühl auch. Es tritt ein, wenn wir trauern, verletzt werden, Angst haben, verunsichert sind, und noch in vielen anderen Situationen. Wir sind emotional geschwächt und müde, aber wir wissen, dass wir weitermachen müssen. Und wir wollen das auch. Nur wissen wir manchmal nicht, wie.

Wann immer ich mich an einem solchen Punkt wiederfinde, denke ich an das, was mir jemand vor über sieben Jahren beibrachte. Heute möchte ich diese Gedanken an dich weitergeben und ich hoffe, dass sie auch dich in schweren Zeiten unterstützen werden.

One day at a time

Im Jahr 2015 erzählte mir jemand von seinen Erfahrungen als ehemaliger Alkoholsüchtiger. Er erklärte mir, dass es eine bestimmte Frage gab, die immer schmerzhaft in ihm gebrannt hatte: „Wie soll ich es nur schaffen, nie wieder einen Tropfen Alkohol zu trinken? Wie soll ich das mein ganzes Leben lang aushalten?“

Er beschrieb den Entzug als einen Kampf gegen seine Sucht und sagte, er habe sich bewusst dazu entschieden, diesen Kampf jeden Tag aufs Neue zu führen. Doch er hatte große Angst davor, nicht immer stark genug dafür zu sein. Was würde passieren, wenn er mal einen schwachen Tag hätte? Diese Angst lähmte ihn und raubte ihm Kraft. Sie erschwerte es ihm von Anfang an, standhaft zu bleiben. Er fühlte sich, als würde er vor einem großen Berg stehen und er wusste nicht, ob er die Kraft hatte, ihn auch wirklich zu bezwingen.

Doch dann erlebte er einen Perspektivwechsel. Auf der Suche nach Unterstützung schloss er sich den Anonymen Alkoholikern an und lernte dort ein wichtiges Mantra kennen:

„One day at a time“ – zu Deutsch: „Einen Tag nach dem anderen“

Was nach einer simplen, ja sogar völlig banalen Aussage klingt, hat in Wirklichkeit so unglaublich viel Tiefe. „One day at a time“ bedeutet, dass es nicht darum geht, sich den gesamten Weg, bzw. den Berg anzusehen. Es geht nicht darum, heute stark genug für den Rest des Lebens zu sein. Heute müssen wir nur stark genug sein, um diesen einen Tag zu überstehen. Morgen wird ein neuer Tag sein. Und morgen werden wir mit neuer Kraft an den Tag herangehen, um auch diesen zu schaffen.

Ich kann dir nicht genau sagen, warum es so ist, aber dieser simple Gedanke hat seit damals so viel in mir bewirkt. Er hat mir so viel Druck von den Schultern genommen. Er hat mir so viel Angst genommen. Er hat mir so viel Perspektive und Hoffnung gegeben. Er ließ mich erkennen, dass ich heute noch nicht die Antworten auf alle Fragen des Lebens haben muss. Heute muss ich nur das Beste aus diesem einen Tag machen. Und morgen werde ich genau dasselbe tun.

Es kann sein, dass er bei dir dasselbe bewirkt. Vielleicht auch nicht. Ich kenne Personen, die sich fest an dieses Mantra klammern und ich kenne andere, die nichts damit anfangen können. Das darf jeder für sich entscheiden. Doch ich hoffe, dass dieser Glaubenssatz dich zumindest ins Nachdenken bringt und dir zeigt, dass ein einzelner Tag manchmal wichtiger sein kann als der Rest deines gesamten Lebens.

Lass dich nicht einschüchtern

Wann immer du dich vor einem großen Berg wiederfindest, denk bitte daran, dass du ihn nicht innerhalb eines Tages erklimmen musst. Gehe Stück für Stück voran und lass dich bitte nicht von der schieren Größe der Herausforderung einschüchtern.

Eine Strecke von 10 Kilometern sieht gewaltig aus. Zumindest, bis man sich klarmacht, dass es 10 kleine Spaziergänge von jeweils einem Kilometer sind 😉

Da ich ein leidenschaftlicher Träumer bin, finde ich mich regelmäßig vor gewaltigen Herausforderungen wieder, die mir Angst machen und mir das Gefühl geben, mir zu viel aufgebürdet zu haben. Doch dann fällt mir etwas ein, das mich wieder beruhigt und mir Mut macht: One day at a time.

In der aufrichtigen Hoffnung, dir ein wenig Inspiration mit auf den Weg gegeben zu haben, wünsche ich dir ein schönes Wochenende und weiterhin alles Gute!

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelbild: Unsplash.com, Jukan Tateisi