Hast du dir jemals diese Frage gestellt?
Es gibt viele Herausforderungen, denen wir aus dem Weg gehen. Aber in den allermeisten Fällen tun wir das nicht, weil wir Angst vor der Herausforderung haben. Wir tun es, weil wir Angst vor dem Scheitern haben. Lies das bitte nochmal:
Die Angst vor dem Scheitern ist oft größer als die Angst vor der Herausforderung.
Also frage ich mich manchmal: Wie würden wir leben, wenn wir keine Angst vor dem Scheitern hätten? Stell dir mal vor, es gäbe eine schriftliche Garantie dafür, dass wir nur gewinnen können. Dass alles, was wir anpacken, uns gelingen wird. Wie würden wir dann leben?
Eine unbeliebte, aber ehrliche Perspektive
Ich glaube, dass die allermeisten von uns ein ganz, ganz anderes Leben führen würden. Sehr viel ambitionierter und sehr viel weniger bescheiden. Denn wenn wir wüssten, dass all unsere Anstrengungen nicht Gefahr laufen, umsonst gewesen zu sein, würden wir uns all das vom Leben holen, was wir wirklich wollen. Auch wenn das bedeuten würde, hart arbeiten und Risiken eingehen zu müssen. Denn es gäbe kein Risiko mehr. Es gäbe nur noch eine simple Gleichung: Ich will es, also hole ich es mir. Keine Angst vor dem Scheitern. Keine Angst, viel zu investieren und alles zu verlieren. Keine Angst, den sicheren Hafen zu verlassen und im großen Ozean zu ertrinken.
Natürlich gäbe es noch Genügsamkeit und Bescheidenheit. Warum auch nicht? Aber diese Werte würden eine kleinere Rolle spielen als heute. Denn als Coach und Berater habe ich über die Jahre hunderte Menschen persönlich gecoacht, die sehr gerne ambitionierter gewesen wären, aber Angst hatten. In allererster Linie hatten sie Angst vor dem Scheitern.
Also komme ich zurück zur Ausgangsfrage: Was, wenn wir wüssten, dass wir nicht scheitern können?
Eine viel beliebtere Perspektive
Ich würde diese Frage – und somit auch die Perspektive – gerne ein klein wenig anpassen: Was, wenn ich dir sage, dass wir bereits jetzt nicht scheitern können? Was, wenn wir bereits jetzt ein Leben führen, in dem wir nur gewinnen können, aber es nicht erkennen, weil wir eine verzerrte Wahrnehmung von Niederlagen und Verlusten haben?
Es ist eine Perspektive, die mir jemand vor vielen Jahren gab. Ich habe lange mit ihr gekämpft und wollte sie nicht annehmen. Denn als jemand, der viel Leid, zahlreiche Verluste und Niederlagen hinnehmen musste, hatte ich so meine Schwierigkeiten, irgendeinen Gewinn darin zu erkennen. Doch mit der Zeit kommen Selbstreflexion und Reife. Und so erkannte ich irgendwann, dass mit jedem Verlust auch ein Gewinn einhergegangen war. Dass in jeder Niederlage auch ein Erfolg steckte. Dass jedes Leid auch neues Potenzial für Glück, Freude und Wertschätzung mit sich brachte.
Heißt das, dass ich gerne leide oder auf die Nase falle? Nein, natürlich nicht. Aber ich bin stolz darauf, eine Perspektive gewonnen zu haben, in der ich immer gewinne. Auch dann, wenn ich einstecken muss.
Das Leben will gelebt werden
Unsere Angst vor Schmerz, Misserfolg und Niederlage hält uns in der Komfortzone. Sie sorgt dafür, dass wir nicht unser volles Potenzial entfalten und niemals herausfinden, was wir aus unserer Zeit in diesem Leben machen könnten.
Bitte denk dabei nicht an Geld oder Erfolg. Oder zumindest nicht ausschließlich. Erfüllung und Erfolg können so viel mehr sein als eine Karriere. Es gibt so viel mehr zu gewinnen als Geld und Status.
Was es zu gewinnen gibt, das können wir nur herausfinden, indem wir leben und entdecken. Denn das tun Menschen schon, seit es sie gibt. Wir haben uns bis an diesen Punkt weiterENTWICKELT. Das hätten wir nicht getan, wenn wir Angst vor dem Scheitern gehabt hätten. Was den Mensch weiterbrachte, war schon immer der Mut, neue Wege zu gehen und ein Scheitern als Risiko in Kauf zu nehmen. Also ist das Scheitern vielleicht gar kein Scheitern, sondern nur eine Korrektur unserer Herangehensweise.
Irgendetwas gewinnen wir immer. Erfahrungen, Erkenntnisse, neue Ideen, ein Abenteuer, das Gefühl lebendig zu sein oder einfach eine verdammt gute Geschichte, an die wir uns in späteren Tagen erinnern können. Aber wirklich leer gehen wir nicht aus. Und das sage ich als jemand, der glaubte, alles verloren zu haben.
Diese Gedanken werden manche Menschen inspirieren und motivieren. Sie werden andere ins Grübeln bringen. Und sie werden manche verletzen oder vielleicht sogar verärgern. Jede Reaktion kann ich verstehen und nachvollziehen. Ich selbst habe Jahre gebraucht, bis diese Gedanken Gutes in mir bewirken konnten.
Was du daraus machst, liegt ganz bei dir. Ich bin nur hier, um ein wenig Nachdenk-Stoff in den Raum zu werfen, und ich hoffe sehr, dass ich das heute geschafft habe.
In diesem Sinne: Viel Erfolg bei allem, was du machst. Du kannst nur gewinnen.
Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael
Titelbild: Unsplash.com, Jay Antol








Vielen Dank für deine Worte, sie halten zum nachdenken an und helfen mir.
Lebe z.Zt. In Trennung, nach einer 27jähriger Ehe, es ist schwer, man leidet, man verzweifelt, doch es kommt irgendwoher immer ein Lichtlein.
Danke dir, mach weiter so, kenn Dich aus Deinen Büchern…..sehr gute Bücher
Wünsch Dir ein tolles, sonniges Wochenende glg Sabine
Liebe Sabine,
ich schicke dir gute Gedanken und viel Kraft. Ich verstehe, dass es eine sehr herausfordernde Situation ist, und ich freue mich sehr darüber, zumindest den ein oder anderen motivierenden Gedanken spenden zu dürfen.
Egal, wie groß die Herausforderungen sind: Das Leben ist immer noch schön. Ich wünsche dir ein schönes, erholsames Wochenende.
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael,
die Perspektive gefällt mir. Wir können nur gewinnen, auch wenn wir etwas verlieren. Ich habe mich in meinem Leben oft nicht getraut das zu tun was ich eigentlich hätte tun wollen. Das werde ich versuchen zu ändern. Danke für die Anregung. Bleib gesund und pass auf dich auf.
Herzlichst
Manfred
Herzlichen Dank, lieber Manfred!
Es freut mich, dass die Perspektive dir gefällt und ich drücke dir die Daumen für die Umsetzung 🙂
Bleib du ebenfalls gesund! Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael,
dein Text hat mich heute sehr getroffen, weil er genau meine aktuelle Situation beschreibt.
Seit Tagen arbeite ich an einer Idee, die mir sehr am Herzen liegt: einer KI-gestützten Duftberatung mit meiner eigenen Stimme. Immer wieder komme ich ein Stück weiter, nur um dann erneut vor technischen Problemen zu stehen. Drei Tage lang derselbe Kreislauf: Fortschritt, Hoffnung, Fehlermeldung.
Früher hätte ich so ein Projekt wahrscheinlich wieder zur Seite gelegt. Nicht weil mir die Idee nicht wichtig gewesen wäre, sondern weil irgendwann die Frage kommt: Lohnt sich das überhaupt noch?
Ich bin derzeit krankgeschrieben und habe etwas, das viele Menschen gerne hätten: Zeit. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass ich mich jeden Tag selbst motivieren muss. Niemand wartet auf das Ergebnis. Niemand kontrolliert den Fortschritt. Niemand sagt: Mach weiter.
Dein Beitrag hat mich daran erinnert, dass vielleicht genau darin die eigentliche Aufgabe liegt. Nicht darin, sofort erfolgreich zu sein, sondern trotz Rückschlägen weiterzugehen.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich in den letzten Tagen nicht versagt. Ich habe gelernt. Ich habe verstanden, was nicht funktioniert. Ich habe mein Konzept geschärft. Und ich habe gemerkt, dass die Begeisterung für meine Idee trotz aller Hürden immer noch da ist.
Vielleicht ist Scheitern tatsächlich oft nur eine Korrektur des Weges und nicht das Ende der Reise.
Vielen Dank für diesen Denkanstoß. Er kam für mich genau zur richtigen Zeit.
Herzliche Grüße
Onuma
Liebe Onuma,
danke für den Einblick in deine Gedanken und deine Situation.
Glaub mir, ich verstehe vieles von dem, das du schilderst, sehr gut. Ich bin jetzt seit über 12 Jahren selbstständig und weiß, wie anstrengend es oft ist, sich neuen Herausforderungen zu stellen, seinen Selbstzweifeln gegenüberzutreten und das Gefühl zu haben, alles umsonst zu machen.
Aber wie du schon richtig erkennst, kannst du nur gewinnen. Du lernst. Du wächst. Du wirst erfahrener. Und vor allem wird es mit der Zeit einfacher. Alles davon 🙂
Lass dich nicht entmutigen. Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg!
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael,
Dein heutiger Blog zeigt, dass Du sehr viel erlebt hast und durch Höhen und Tiefen gegangen bist. Das eigentlich wertvolle dabei ist, dass Du nie aufgeben hast und letztendlich Deinen Weg gefunden hast. Du bist jetzt in der schönen Situation, anderen Menschen zu helfen, ihr Leben in den Griff zu bekommen und das machst Du wirklich gut, denn Du hast die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und sie anderen verständlich zu vermitteln. Außerdem findest Du immer wieder Themen, die sich, in der heutigen Zeit, für viele als problematisch darstellen. Für diese Menschen sind Deine Gedanken und Denkanstöße Gold wert, denn sie sind oft der erste Schritt zur Lösung eines Problems. Außerdem investiert Du wertvolle Zeit in Deine (kostenlosen) Blogs und hilfst damit sehr vielen Menschen, einen Weg aus ihren scheinbar schwierigen Situationen zu finden. Letztendlich hängt es oft daran, dass wir uns nicht oder nur sehr sehr schwer entscheiden können, was für uns gut ist.
Danke für Deine Zeit und Deine wertvollen Beiträge.
LG Horst
Vielen Dank für deine wertschätzenden Worte, lieber Horst. Ich habe sie mit einem großen Lächeln gelesen und fühle mich gesehen. Danke dafür.
Ich glaube fest daran, dass es nicht so wichtig ist, ob wir die perfekte Entscheidung treffen oder nicht. Wichtig ist, DASS wir eine Entscheidung treffen, das Beste daraus machen und so viel wie möglich aus ihr lernen.
Danke für deine Unterstützung, die ich sehr zu schätzen weiß.
Liebe Grüße
Michael
Ein sehr interessanter Artikel, Michael. Er hat mich wirklich zum Nachdenken angeregt und ins Grübeln gebracht. Der Gedanke macht Mut!
Ich danke dir für deine Arbeit, die für so viele Menschen wertvoll ist. Für mich ist sie das seit Jahren. Also: Danke! Mach bitte weiter so.
Deine treue Leserin
Lara
Von Herzen gern, liebe Lara! Es freut mich sehr, dass der Artikel dich zum Nachdenken anregt 🙂
Danke auch für deine wertschätzenden Worte!
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
Liebe Grüße
Michael
Guten Abend lieber Michael!
Wie erfreulich, daß Du den Mut hattest Deine Finger einmal mehr auf die Wunde der Menschlichkeit zu legen…😉Bringen uns die Situationen, die uns einen Rückzug machen, einen Umweg einlegen oder einen Berg erklimmen lassen nicht dazu über eine Alternative, eine Veränderung nachzudenken…wenn wir unser Lebensziel nicht aus den Augen verlieren, könnten diese Veränderungen unseres ursprünglichen Plans auch Motivation und Ansporn sein, vielleicht erweitert es unabsichtlich unseren Horizont!? Jeder Umweg tut das…und rückblickend ist Vieles dann erst recht verständlich! Auch Neid kann ein Ansporn und Motivation für uns sein…Scheitern werden wir möglicherweise erst, wenn wir uns aufgegeben haben…Und das wünsche ich wirklich keinem guten Menschen auf diesem Planeten! Also können wir den Rückzug, Umweg, Bergpfad für unseren neuen Plan nutzen und wiederum das Beste daraus machen…Viele Grüße und allen ein angenehmes Wochenende…Schatzheidi
„If you can meet with Triumph and Disaster / And treat those two impostors just the same. Yours is the Earth and everything that’s in it,
And—which is more—you’ll be a Man, my son!“
Rudyard Kipling
Hallo Michael,
spannende Frage und definitiv „Nein“. Gestellt hab ich sie mir noch nie.
Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, wäre es grade das Abenteuer wagen und in einem Kinderdorf in Kenia arbeiten. Ein Land was mich fasziniert schon seit Ewigkeiten (ich aber erst vorhabe in 3 Jahren zu besuchen/Urlaub zu machen) und ein Beruf in dem ich bissl Erfahrung habe. Da alles ohne Probleme/Schwierigkeiten klappen würde, bräuchte ich mir über finanzielle Sicherheit, die Sprachbarriere keine Sorgen machen und vielleicht auch ein Stück weit über die Reaktion meines Mannes😂🫣🤦♀️.
Es gab schon einige Visionen, welche präsent waren und wieder tief in den Schubladen vergraben oder gleich komplett beerdigt wurden (u.a.Animateurin auf einem Kreuzfahrtschiff, eigene Community bzw. Mitarbeiterin in einem Brieffreunde-Unternehmen, eigener Campingplatz).
Und ja Asche auf mein Haupt – Angst vorm Scheitern und fehlendes Selbstbewusstsein stehen mit ganz weit oben und mir im Weg bei solchen Umsetzungsgedanken.
Sicherheit ist da bisher immer der beste Begleiter gewesen – auch wenn, wie du es schon beschreibst (Buch „29 psychologische Skills), es nicht unbedingt der gesundheitlichen Seite von mir gut tut, was sich grade mehr und mehr in Vordergrund drängt.
Ohhh die Vorstellung leben zu können, ohne Angst vorm Scheitern zu haben, klingt echt befreiend und ermöglicht gleich offener über Visionen zu philosophieren 🫠🤭🫶
Vielen Dank für deinen „Nachdenk-Stoff“😉
Liebe Grüße
Miriam
Lieber Michael, danke für deine Gedanken. Ich war im tiefen Tal durch viele viele Schicksalsschläge mit essentiellen existenziellen Auswirkungen und Ängsten ….das vermeintliche Scheitern war ein loslösen für einen Neubeginn. Das weiß ich, nachdem ich den Berg wieder raufkletterte. Ich bin soooooo reich und gesegnet, weil ich den schweren Rucksack zuerst getragen und dann mich entlastet habe. Das sieht man natürlich erst bei der Rückschau. Danke fürs Begleiten mit deinen Texten und Büchern.