Die Geschichte vom afrikanischen Bauern

…und was du Wertvolles daraus lernen kannst.

Letzten Monat habe ich in einem Blogartikel die Geschichte vom mexikanischen Fischer erzählt und war sehr erfreut darüber, wie viele Leserinnen und Leser sie mochten und wertvoll fanden.
Deshalb möchte ich heute die Gelegenheit nutzen, dir ergänzend die Geschichte vom afrikanischen Bauern zu erzählen, denn sie ist mindestens genauso lehrreich und unterhaltsam.
Zum ersten Mal las ich sie vor rund 2 Jahren und seitdem ist sie ein wichtiges Sinnbild für mich, das mich stets begleitet.

Irgendwo, inmitten der Tiefen des Kontinents Afrika, lebte ein Bauer. Er hatte keine Familie und wohnte alleine auf einer kleinen und bescheidenen Farm.
Da er aufgrund seiner beschwerlichen Arbeit unzufrieden war, suchte er den Priester im Dorf auf und sagte ihm: „Weiser Priester, was soll ich tun? Mein Glaube bringt mich nicht weiter. Ich glaube, ich brauche mehr Geld, um endlich besser leben zu können. Wie schaffe ich das? Wie komme ich zu mehr Geld?“
Der Priester sagte: „Mein Sohn, Geld ist nicht das, was dich glücklich machen wird. Wenn du jedoch darauf bestehst und nach Reichtum strebst, dann solltest du nach Diamanten suchen. Die Menschen sind verrückt danach. Sie zahlen für einen einzigen dieser Steine so viel wie für 100 Farmen.“
Mehr musste der Bauer nicht hören. Er war fasziniert von dem Gedanken, dass ein einziger Stein ihm 100 mal mehr Geld bringen könnte als seine gesamte Farm. Also sagte er zum Priester:
„Das ist es! Ich möchte solche Steine verkaufen. Wo finde ich sie?“
„Nun ja“, sagte der Priester. „In der Regel werden sie in Minen abgebaut. Diese Minen erstrecken sich über den gesamten Kontinent. Wenn du eine Mine findest, wirst du für immer reich sein. Doch ich warne dich ein letztes Mal: Suche nicht nach wertvollen Steinen, sondern nach den wahren Reichtümern in deinem Leben.“

Der Bauer ignorierte diesen Rat, da es in seinen Gedanken nur noch um Diamanten ging. Er war fest entschlossen. Kurzerhand verkaufte er seine Farm an einen jungen Mann aus dem Dorf und nutzte den Erlös, um Proviant zu kaufen und den Kontinent zu bereisen.
Nach langen und anstrengenden Wochen des Reisens stellte er fest, dass es gar nicht so einfach war, Diamanten zu finden. Er fühlte sich töricht. Wäre das so einfach, würde ja wohl leider reich sein, dachte er sich. Doch das hielt ihn nicht ab. Er hatte eine Entscheidung getroffen, also suchte er weiter.
Monate später war er am Ende seiner Kräfte. Er hatte kein Geld und keine Vorräte mehr und immer noch nicht einen einzigen wertvollen Stein gefunden, den er hätte verkaufen können.
Alles, was ihm lieb und teuer gewesen war, hatte er hinter sich gelassen: Seine geliebte Farm, sein gewohntes Leben und seine Freunde. Nun war er einsam, mitellos und weit weg von zu Hause. Diese Erkenntnis traf ihn so hart, dass er zum Strand ging und sich vor lauter Unglück im Meer ertränkte.

Monate zuvor, einen Tag nachdem der Bauer sich auf den Weg gemacht hatte, sah sich der junge Mann, der ihm die Farm abgekauft hatte, in seinem neuen Zuhause um. Es war bescheiden und er würde dort viel arbeiten müssen, doch er fühlte sich wohl. Für ihn war es ein Neuanfang. Neugierig lief er über das Grundstück, durch das sogar ein Bach verlief. Er beugte sich herunter zum Wasser, um sich das Gesicht zu waschen, da sah er plötzlich etwas Seltsames: Einen schwarzen, glänzenden Stein. So etwas hatte er noch nie zuvor gesehen. Er nahm ihn aus dem Wasser und ging zum Priester im Dorf.
„Vater, du bist ein weiser Mann“, sagte er. „Kannst du mir sagen, was das ist? Von diesen Steinen liegen dutzende im Bach meiner Farm.“
Der Priester machte große Augen und erklärte: „Das, mein Sohn, ist ein ungeschliffener Diamant. Ein sehr großer sogar. Er wird dir großzügigen Reichtum bescheren.“
Und so wurde der junge Mann, der nichtsahnend eine heruntergekommene Farm gekauft hatte, reich.

Die Schatzsuche beginnt in dir

Diese Geschichte lehrt uns, dass die wirklich wertvollen Dinge sich oft schon in unserem Leben befinden. Leider lassen wir uns so oft von dem ablenken, was wir nicht haben oder haben wollen, dass wir die Wertschätzung für das Besondere um uns herum verlieren.

Häufig empfinden wir erst dann Wertschätzung für die wichtigen Dinge, wenn wir sie bereits verloren haben. So wie der Bauer, der sein Zuhause und sein gesamtes Umfeld aufgegeben hat, um etwas zu suchen, das die ganze Zeit schon bei ihm war.

Wichtig: In dieser Geschichte geht es nicht nur um finanziellen Reichtum oder den Wunsch danach. Die Diamanten sind natürlich nur ein Sinnbild für etwas, das man außerhalb seiner Reichweite vermutet, während es in Wirklichkeit die ganze Zeit über da ist.

Lasst uns alle das Wochenende nutzen, um einen Blick auf die Reichtümer in unserem Leben zu werfen:

  • Wofür kannst du dankbar sein?
  • Welche Menschen sind dir besonders wichtig und warum?
  • Was sind die positiven Aspekte deines alltäglichen Lebens?
  • Wenn du auf einer einsamen Insel stranden würdest, was würdest du dann am meisten vermissen?

Indem du dir solche oder ähnliche Fragen stellst, gewinnst du wieder mehr Wertschätzung für das Besondere und Wertvolle um dich herum.
Entdecke es und freue dich darüber!

In diesem Sinne wünsche ich dir ein wunderbares Wochenende.

Viele Grüße
Michael

Titelfoto: Gratisography.com

6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Es gibt da eine ähnliche (Zen)Geschichte im Buch – „Hör auf zu denken, sei einfach glücklich“ von Hinnerk Polenski und Ulrike Wischer.

    Sinngemäß in verkürzter Form…
    Dabei geht´s um einen jungen Mann der eine Figur aus Ton gefunden hat die durch ihre Oberfläche nicht sonderlich schön anzusehen ist.
    Die Form der Figur gefällt ihm aber so gut, dass er sie mit Gold überziehen lässt-und das nicht nur einmal da der Goldüberzug immer Risse bekommt.
    Letztendlich bekommt der Großvater mit, dass der junge Mann nun die Figur hat.
    Er erzählt ihm, dass die Figur seinerzeit in den Schlamm gefallen ist – darunter ist sie aus purem GOLD.
    lg Chris

  2. Lieber Michael, wiedermal ein schön zu lesender Beitrag! Deine Posts sind ein fester Bestandteil meines Tages geworden. Immer wieder hilfreich und inspirierend für den Alltag. Herzlichen Dank für Deinen Einsatz!

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