Herz gegen Verstand. Wie man schwere Entscheidungen trifft

Entscheidungen treffen

Ein häufig unterschätztes Thema…

Bestimmt hast du dich schon mal in einer Situation wiedergefunden, in der du eine wirklich schwere Entscheidung treffen musstest. Möglicherweise kennst du dann auch das Problem, dass man manchmal im Leben sehr viele vernünftige Gründe hat, um eine Entscheidung zu treffen, aber auch emotionale Gründe, die dagegen sprechen und uns völlig blockieren.
Andersherum geht es natürlich genauso. Hin und wieder gibt es 1000 gute Gründe, etwas nicht zu tun, aber am Ende bewegt uns dann doch ein emotionales Bedürfnis dazu, „unvernünftig“ zu sein. Hier sind zwei kleine Beispiele dafür:

Du befindest dich in einer schwierigen Beziehung. Du wurdest belogen, betrogen, geschlagen und ausgenutzt. Deshalb hast du die Nase voll und willst endlich gehen. Aber irgendwie fehlt dir der Mut dazu. Du hast keine Lust darauf, künftig wieder allein zu sein. Der bevorstehende Trennungsschmerz schreckt dich ab. Darüber hinaus hat dein Partner ja auch durchaus gute Momente, wenn er dich nicht gerade mies behandelt. Gibst du ihn etwa zu schnell auf? Und was werden die anderen wohl über dich denken und sagen, wenn du jetzt Schluss machst? Was sagt das über dich aus?
In dieser Situation hast du viele vernünftige, rationale und sachliche Gründe, die eine Trennung nicht nur rechtfertigen, sondern notwendig machen. Du hast aber auch ein paar emotionale und persönliche Motive, die dich zweifeln lassen. Schwierig, oder?

Ein anderes Beispiel: Du möchtest dir unbedingt dein Traumauto kaufen, kannst es dir aber im Grunde nicht wirklich leisten. Glücklicherweise kann man den Kaufpreis finanzieren, aber die monatliche Belastung wäre so hoch, dass du am Essen sparen und in eine kleinere Wohnung ziehen müsstest. Ganz klare Gründe also, es nicht zu tun. Aber auf der anderen Seite willst du dir so gerne etwas gönnen. Du hast es dir schon so lange gewünscht. Warum nicht einfach mal unvernünftig sein und dem Herzen folgen? Ebenfalls schwierig, oder?

Herz oder Verstand?

So viel vorab: Ich werde an dieser Stelle nicht behaupten, man solle immer vernünftig sein und auf die Vernunft hören. Genauso wenig werde ich sagen, man solle immer dem Herzen folgen. Ich möchte auf etwas anderes hinaus und dazu kommen wir jetzt.

Entscheidend ist, DASS du eine Entscheidung triffst. Denn wer nicht entscheidet, für den wird entschieden. Entweder erlangen andere Macht über dein Leben oder du merkst, wie das Leben an dir vorbeizieht, während du teilnahmslos zusiehst. Beides keine schönen Optionen. Wir haben Angst vor Entscheidungen, weil wir die Konsequenzen nur schwer abschätzen können. Aber sobald uns klar wird, dass das Nicht-Entscheiden oft schlimmere Konsequenzen mit sich bringt, haben wir weniger Angst davor, „das Richtige“ zu tun.

Aber was ist „das Richtige“? Klar, in erster Linie ist es das Richtige, überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Aber welche ist die richtige? Für diese Frage habe ich zwei Lösungsansätze.

Nummer 1: Es hängt ganz davon ab, ob du ein Herz- oder Kopfmensch bist. Wenn du ein Kopfmensch bist, über viele Dinge (zu viel) nachdenkst und gerne auch mal Logik und Rechtschaffenheit vor deine Emotionen stellst, dann solltest du vernünftig entscheiden. Denn du weißt, dass du die Kraft hast, deine Entscheidungen vor dir selbst zu rechtfertigen. Wann immer deine Emotionen hochkochen und du dich in Frage stellst, bist du in der Lage, dich mit rationalen Gründen und Argumenten zu beruhigen und dir vor Augen zu führen, dass du die für dich beste Entscheidung getroffen hast.
Wenn in deinem Leben jedoch das Herz das Sagen hat, dann wird es häufiger der Fall sein, dass du die Vernunft beiseite schiebst und versuchst, deinen Herzschmerz zu lindern. Wann immer dich die Zweifel einholen, wirst du dir sagen können, dass du versucht hast, nach bestem Gewissen und deinem moralischen Kompass zu handeln. Das wirft jedoch die Frage auf: Bist du ein Herz- oder Kopfmensch? Falls du das noch nicht weißt, könnte der zweite Ansatz dir weiterhelfen.

Nummer 2: Du findest heraus, aus welchem Holz du gemacht bist, indem du den Mut hast, eine Entscheidung zu treffen und dich den Konsequenzen zu stellen. Es ist wie bei einem Münzwurf. Wenn du eine Münze wirfst, dann weißt du sofort, ob du dich insgeheim freust oder enttäuscht bist 😉
Entscheidend ist – wie schon gesagt – DASS du entscheidest und siehst, was es aus dir macht. Dabei lernst du unglaublich viel über dich selbst.

Wie ich es mache

Wie du bestimmt zwischen den Zeilen lesen kannst, finde ich den vernünftigen Ansatz ein wenig vernünftiger 😉 Deshalb kann man aber nicht pauschal sagen, dass man immer dem Verstand und der Vernunft lauschen sollte. Müsste ich meine Herangehensweise stark vereinfacht erklären, würde ich es so ausdrücken: In emotionalen Angelegenheiten handle ich rational und vernünftig. In unpersönlichen und unemotionalen Angelegenheiten höre ich auf mein Herz. Verrückt, oder?

Wenn Menschen oder Tiere in eine Entscheidung involviert sind, schiebe ich meine persönlichen Gefühle beiseite und konzentriere mich auf die Fakten. Ein schwer leidendes Tier interessiert es nicht, ob ich Angst davor habe, es zu erlösen und dadurch zu verlieren. Deshalb handle ich nicht egoistisch. Wenn mich jemand enttäuscht, betrügt und verletzt, dann muss ich darauf konzentrieren, dass diese Person es freiwillig getan hat und vermutlich wieder tun wird, da ich andere nicht verändern kann. Somit bringt es mir nur wenig, mich auf schöne Erinnerungen zu fokussieren, wenn ich einer unangenehmen Gegenwart und Zukunft gegenüberstehe.

Andersherum ist es bei oberflächlichen und materiellen Dingen. Wenn ich ein herrliches Stück Kuchen vor mir habe und genau weiß, dass ich mir fest vorgenommen habe, besser auf meine Ernährung zu achten, kann es trotzdem passieren, dass ich schwach werde und mich dem Genuss hingebe. Ich entscheide mich oft spontan dafür, Spaß zu haben und das zu tun, was Geld nicht kaufen kann. Einfach, weil ich daran glaube, dass man Lebensfreude und die Magie eines Moments nicht mit Vernunft erklären kann. Dabei muss mir aber auch klar sein, dass ich stets für die Konsequenzen meiner Handlungen geradestehen muss. Sei es eine schlechtere Gesundheit oder die Notwendigkeit, im Nachhinein härter zu arbeiten, um einen Ausgleich für meine Auszeit zu schaffen.

Was keine Rolle spielen sollte

Was bei deiner Entscheidungsfindung keine Rolle spielen sollte, ist das, was die anderen über dich denken könnten. Man sollte über niemanden urteilen, ehe man nicht ein paar Meilen in seinen Schuhen gelaufen ist. Niemand versteht die Facetten und Details deiner Situation so gut wie du. Wenn du andere um Rat bittest, musst du natürlich damit rechnen, einer Meinung zu begegnen, die dir nicht gefallen könnte. Aber solange du selbstständig und verantwortungsvoll handelst, musst du dir keine Gedanken darüber machen, was die anderen wohl denken.

Vergiss bitte nicht, dass andere gerne über dich urteilen, um sich nicht mit ihren eigenen Problemen, Herausforderungen und Fehlern beschäftigen zu müssen.

Wenn du eine gute Entscheidung triffst, wirst DU davon profitieren und etwas dazulernen. Wenn du eine schlechte Entscheidung triffst, wirst DU für die Konsequenzen geradestehen, etwas lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Solange du das gewährleisten kannst und solange du niemandem schadest, ist es völlig irrelevant, ob andere dich verurteilen oder nicht.

Um es noch einmal ganz klar und knackig zu sagen: Solange du niemandem schadest und selbst für die Konsequenzen deiner Entscheidungen geradestehst, geht es niemanden etwas an, was du tust!

Einige der schwersten Entscheidungen, die ich in meinem Leben treffen musste, haben vielen nicht gefallen. Sie haben mich jedoch direkt nach hier geführt und ich bin mir sehr sicher, dass es bei dir nicht anders ist.

Ich hoffe, dass diese Gedanken dich begleiten und unterstützen werden, wenn du das nächste Mal eine schwere Entscheidung treffen musst. In diesem Sinne: Viel Erfolg!

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelbild: Unsplash.com, Jake Melara

9 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hi Michael, deine Worte treffen bei mir mal wieder voll ins Schwarze. Danke dafür!! Mit deinen Tipps wird es mir in Zukunft sicher leichter fallen, (schwere) Entscheidungen zu treffen. Und mich dabei nicht durch die Meinung anderer beeinflussen zu lassen… Manchmal fällt es mir noch schwer, aber ich arbeite daran 😉 Ich danke dir von Herzen für deine Arbeit. Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende. Lass es dir gut gehen!
    Grüße, Heike

  2. Hallo lieber Michael, vielen lieben Dank für deinen tollen Blog, ich lese ihn jede Woche mit Begeisterung. Zum heutigen Thema gefragt, wie geht man mit Entscheidungen um, die im Nachhinein sich als falsch anfühlen. Ich habe mich vor 7 Jahren getrennt und leide jeden Tag darunter, mal mehr, mal weniger. Ich habe mir ein neues Leben aufgebaut, aber trotzdem fühlt es sich nicht so richtig an, meinen beiden Kindern gegenüber habe ich oft Schuldgefühle. Liebe Grüße Iris

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