3 Dinge, die wir von Kindern lernen können (und sollten)

Von Kindern lernen

Weil Kinder uns noch eine ganze Menge beibringen können…

Kürzlich las ich von zwei kleinen Jungen, die in den Medien für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Die beiden Freunde, ca. 6 oder 7 Jahre alt, haben sich heimlich aus der Schule geschlichen und sind zum Friseur gegangen. Sie hatten eine vermeintlich geniale Idee: Sie wollten sich denselben Haarschnitt schneiden lassen, damit ihre Lehrerin sie nicht mehr voneinander unterscheiden konnte. Der Plan scheiterte vermutlich einzig an dem kleinen Umstand, dass der eine der beiden dunkelhäutig ist schwarze Haare hat, während der andere hellhäutig und blond ist. Die beiden Freunde mögen einander so sehr und fühlen sich so verbunden, dass sie nicht dachten, ihre Haut- und Haarfarben könnten einen Unterschied ausmachen. Herrlich, nicht wahr?

Diese simple Begebenheit zeigt, dass Kinder unvoreingenommen sind und ohne jegliche gesellschaftlichen Filter denken. Ihnen geht es nicht um Herkunft, Status oder andere Oberflächlichkeiten. Sie sehen das Leben und ihre Mitmenschen so, wie sie sind. Ein herrlich pragmatischer Ansatz, den wir im Erwachsenen-Alltag oft gebrauchen könnten.

Von Kindern lernen

Tatsächlich ist es so, dass wir viel von Kindern lernen können. Sie haben noch nicht gelernt, das Leben künstlich zu verkomplizieren. Sie wissen noch nicht von all den Dingen, die man angeblich können oder kennen muss. Sie erkunden das Leben noch selbst. Natürlich ist ein Kind nicht in der Lage, den Alltag eines erwachsenen und berufstätigen Menschen zu bewältigen. Dafür bringt ein Kind jedoch einige Eigenschaften mit, die unsereins das Leben erheblich erleichtern können. Heute geht es um 3 dieser Eigenschaften. Wir schauen uns 3 Dinge an, die wir von Kindern lernen können und sollten!

1. Endlose Neugier

Kinder wollen alles wissen. Vor allem hinterfragen sie so ziemlich alles. Unterhalte dich einmal mit einem Kind und du wirst feststellen, dass die am häufigsten gestellte Frage „Warum“ ist. Viele finden das nervig. Ich finde es wunderbar. Warum sollten wir uns nicht unsere eigene Meinung zu allem bilden? Warum sollten wir nicht alles hinterfragen, was wir noch nicht selbst herausgefunden haben? Ja, wir lernen Vieles in der Schule und werden durch die Medien auf dem neusten Stand gehalten. Aber wie weit hat das die Gesellschaft gebracht? Wie wahr und richtig sind die Dinge, die man uns beibringt? Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden. Ein kritischer Geist ist ein freier und unabhängiger Geist. Ein Kind weiß das bereits intuitiv. Es möchte alles herausfinden und scheut sich nicht, die richtigen Fragen zu stellen. Warum hören wir beim Heranwachsen auf, Fragen zu stellen? Weil es unerwünscht ist. Weil es sich nicht gehört. Warum das so ist, ist ein anderes Thema. Kleiner Tipp: Menschen, die alles selbst herausfinden wollen, kann man nur wenig vorschreiben und vormachen…

2. Freundschaften schließen

Setze 5 Kinder, die sich nicht kennen, an einen Tisch und nach 10 Minuten wirst du 5 beste Kumpels haben, die gemeinsam Pferde stehlen gehen.
Setze 5 Erwachsene an einen Tisch und hoffe darauf, dass einer von ihnen besonders gesellig ist. Ansonsten hast du nach 10 Minuten verlegenen Smalltalk oder eisiges Schweigen.

Kinder sind aufgeschlossen und haben noch keine Vorurteile. Sie sehen, ob ein Mensch freundlich ist oder nicht und etwas anderes interessiert sie vermutlich auch nicht. Sie geben jedem die faire Chance, sich als guter Mitmensch zu beweisen und schließen schnell Freundschaften.
Was passiert, wenn ein kleiner Junge zu einem Mädchen geht und fragt: „Willst du meine Freundin sein?“
Sie wird ehrlich sein und entweder zustimmen oder ablehnen. Wahrscheinlich wird sie aber „Ja“ sagen, weil sie aufgeschlossen ist und den Mut des anderen zu schätzen weiß.
Was passiert, wenn ein erwachsener Mann zu einer fremden Frau geht und sie fragt, ob sie seine Freundin sein will? Vermutlich bekommt er eins mit ihrer Handtasche übergebraten und eine Strafanzeige. Verrückt, nicht wahr?

Mir ist vollkommen bewusst, dass Erwachsene über einen höheren Erfahrungsschatz verfügen und sich deshalb schützen wollen. Fakt bleibt jedoch, dass wir uns aufgrund negativer Erfahrungen abschotten und somit jeden Tag Chancen verpassen. Uns entgehen jeden Tag Möglichkeiten, wirklich wunderbare Menschen kennenzulernen, weil wir einfach nicht aufgeschlossen sind.
Kinder zeigen uns jeden Tag, dass wir da noch etwas von ihnen lernen können…

3. Einsatz zeigen

Findest du es nervig, wenn Kinder im Supermarkt nörgeln, um ein Spielzeug zu bekommen? Ich gebe zu, dass ich das auch anstregend finde. Allerdings muss man den Kindern auch Respekt dafür zollen, dass sie instinktiv Einsatz für das zeigen, was sie wollen. Sie lassen sich nicht mit weniger abspeisen und kämpfen bis zum Letzten für das, was sie aktuell begehren.
Genauso ist es bewundernswert, wie fest Kinder sich Ziele setzen können und z.B. für etwas sparen. Einige suchen sogar nach Möglichkeiten, ihr eigenes Geld zu verdienen, um ihre Ziele zu verwirklichen. Wann hattest du zuletzt so viel Biss? Wann war das letzte Mal, dass du einen Wunsch oder ein Ziel nicht aufgegeben hast, sondern konsequent und hart dafür gekämpft hast?

Ja, auch hier kann man wieder damit argumentieren, dass Kinder weniger Ablenkungen und Verpflichtungen haben. Aber ist vielleicht genau das der Trick? Alles Unwichtige ausblenden und sich auf das fokussieren, was zählt?
Denk an den Artikel von letzter Woche: 99% aller Dinge sind unwichtig. (Wenn du ihn noch nicht gelesen hast, hol das unbedingt nach!)
Vielleicht wissen Kinder das bereits intuitiv…

Das Leben kann leicht sein

Kinder erinnern uns an die Leichtigkeit des Lebens. Ihre Wahrnehmung ist simpel und ihre Gefühle sind ehrlich. Ja, als Erwachsene haben wir bereits Einiges gelernt, wovon Kinder noch nichts wissen. Genauso haben wir aber auch Vieles verlernt und es ist schön, auf fröhliche Art und Weise an diese Dinge erinnert zu werden. Es gibt noch viel mehr, was wir von Kindern lernen können, aber im Großen und Ganzen fassen diese Punkte viel Wertvolles zusammen.

Wie siehst du das? Und was können wir deiner Meinung nach noch von Kindern lernen? Ich freue mich auf deine Anregungen.

Ich wünsche dir einen großartigen Tag und eine wunderbare Zeit.

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelbild: Unsplash.com, © Ben White

8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Michael,

    vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel.
    Ich habe ein Enkelkind, der kleine Mann ist 4 1/2 Jahre alt und bereichert unser Leben seitdem er auf dieser Welt ist.
    Genau was Du, schreibst, man kann so viel von Kindern lernen, man muss es aber auch umsetzen. Das werde ich auf jeden Fall nun einmal versuchen.
    Ein schönes Wochenende für Dich!

    Viele Grüße
    Waltraud

  2. Hallo Michael
    Da die Kinder jung und Heranwachsende Geschöpfe sind ‚haben sie noch nicht Erfahrungswerte!
    Die veranlassen in vorgefertigte Kategorie zu denken ‚zu handeln ‚die Erwachsenen meisten haben die Spontanität
    verloren! Und denken in Rastern die vorgefertigt sind;leider gehöre ich dazu und es ist schwer davon abzukommen,
    Bis dahin
    Jörn

    1. Hallo Jörn,

      da bin ich ganz bei dir. Wir verlieren beim Heranwachsen die Spontanität und versteifen uns auf unsere bisherigen Erfahrungen. Das ist ein guter Gedanke, an dem man arbeiten kann.

      Viele Grüße
      Michael

  3. Hallo Michael,
    ich bin Erzieherin ( weil ich diese Berufsbezeichnung nicht mag,bezeichne ich mich lieber als Kindergärtnerin)
    Ich sehe Kinder lieber in einem geschützen Raum individuell wachsen,als das ich an ihnen ziehe.
    Ich kann deinem wunderbaren Artikel auch nur zustimmen.
    Kinder sind immer authentisch und haben noch die wunderbare Gabe im Hier und Jetzt zu sein.
    Im Hier und Jetzt zu sein ,ist ein Ziel,das ich jeden Tag neu anstrebe und diese kleinen Lehrer helfen mir auf kinderleichte Art und Weise jeden Tag aufs Neue dabei.

    Sonnige Grüße
    Heike

    1. Hallo Heike,

      es ist eine wirklich schöne Sichtweise, dass nicht nur du die Kleinen lehrst, sondern dass sie auch Lehrer für dich sind.
      Dass du die Berufsbezeichnung „Erzieherin“ nicht magst, finde ich nachvollziehbar. Es ist gut und richtig, Kinder beim Heranwachsen zu unterstützen. Sie in Schienen zu pressen, ist jedoch der meiner Meinung nach falsche Weg.

      Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche!

      Viele Grüße
      Michael

  4. Hallo Michael,
    bevor ich diesen Artikel gelesen habe, kam mir als erstes (durch die Überschrift) das Lied von Herbert Grönemeyer in den Sinn „Kinder an die Macht“…
    Ich selbst habe keine Kinder (bewußte Entscheidung, weil ich die Verantwortung nicht tragen kann), habe dennoch sehr gern mit Kindern gearbeitet und bin ein großer Fan von diesen kleinen, unvoreingenommenen Menschen/Wesen.
    Sie sind einfach noch „Mensch“ und werden leider oft schon viel zu früh in unsere „Erwachsenen-Welt“ hineingezwängt!
    Wie Du auch sagtst: wir können wirklich viel von Ihnen lernen -> öfter ‚mal wieder Kind sein 🙂
    Deren Leichtigkeit und absolute Ehrlichkeit läßt mich oft erstaunen und regt mich zum Nachdenken an…
    So auch Dein Artikel, vielen Dank dafür,

    Gruß, Britta aus Flensburg

    1. Hallo Britta,

      ich sehe es genauso wie du: Kinder werden oft zu früh in unsere Erwachsenen-Welt hineingedrängt. Vielleicht lernen wir ja auch eines Tages von ihnen, wie man unvoreingenommen bleibt und das Leben auf sich zukommen lässt 🙂
      Schön, dass der Artikel dir gefallen hat!

      Viele Grüße
      Michael

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