„Ich habe keine andere Wahl.“ – Ach, wirklich?

Heute erfährst du, wie du nie wieder das Gefühl haben musst, keine Wahl zu haben.

Zu Beginn eine kleine Entschudigung: In den letzten beiden Wochen war das Kommentieren unter den Blogbeiträgen aufgrund eines technischen Problems nicht möglich. Ich bin der Sache auf der Spur und mittlerweile ist es zumindest eingeschränkt wieder möglich. Abhängig davon, ob du am PC oder einem mobilen Gerät bist und welchen Browser du verwendest, kannst du nun wieder kommentieren (oder leider auch nicht). Ich hoffe, das Problem bis spätestens nächsten Freitag komplett ausgemerzt zu haben. Nun aber zum heutigen Hauptthema!

Es gibt viele Situationen im Leben, in denen wir etwas tun, was wir eigentlich nicht tun möchten. Der Grund dafür ist, dass wir glauben, wir hätten keine andere Wahl. Hier sind drei der vielen möglichen Situationen:

1) Du hast einen Job, den du überhaupt nicht magst. Jeden Tag quälst du dich zur Arbeit, schaust entnervt auf die Uhr und freust dich über jede vergangene Sekunde. Du würdest gerne etwas Anderes machen, hast aber das Gefühl, keine andere Wahl zu haben. Zu kündigen würde bedeuten, dass du ein Risiko eingehen müsstest. Würdest du keinen besseren Job finden, könntest du deinen Lebensunterhalt nicht mehr verdienen. Wäre der neue Job noch schlimmer als der aktuelle, wärst du noch unglücklicher und unzufriedener als aktuell. Also sagst du dir, dass du ohnehin keine Wahl hast und machst einfach weiter.

2) Du steckst in einer Partnerschaft fest, in der nichts so funktioniert, wie du es dir wünschen würdest. Du hast oft das Gefühl, dass du und dein Partner/deine Partnerin aneinander vorbeireden und auch eure Interessen sind verschieden. Da du unglücklich und unzufrieden bist, verspürst du häufig den Wunsch, die Beziehung aufzulösen und weiterzuziehen. Dann musst du jedoch daran denken, dass du dem/der Anderen damit wehtun würdest. Außerdem sind Trennungen schwer und du würdest nicht ohne Kummer davonkommen. Weiterhin hast du dich bereits an diesen Menschen gewöhnt und du hast Angst, dass du keinen „besseren“ Menschen mehr kennenlernen könntest. Also sagst du dir, dass du ohnehin keine Wahl hast und führst die Beziehung weiter, auch wenn sie dich nicht erfüllt.

3) Du hast etwas getan, das einem guten Freund schadet, aber anstatt ehrlich dazu zu stehen, verschweigst du ihm, was du getan hast. Du sagst dir, dass du keine andere Wahl hast, denn schließlich würde es euch beiden schlechter gehen, wenn du ihm die Wahrheit sagtest. Er wäre verletzt und enttäuscht und du würdest dich in einem schlechten Licht präsentieren und zudem riskieren, einen guten Freund zu verlieren. Aus diesem Grund lebst du mit der Lüge, mit dem Glauben, dass du keine andere Wahl hast, wenn alles gut bleiben soll.

Auch eine schlechte Wahl ist eine Wahl

Was die meisten Menschen nicht verstehen (wollen) ist, dass auch eine schlechte Wahl eine Wahl ist. Alle drei genannten Beispiele entsprechen ganz normalen Alltagssituationen und du hast dich bestimmt schon in mindestens einer davon wiedergefunden. Der Gedanke, dass man nichts gegen seine Unzufriedenheit tun kann, weil man angeblich keine andere Wahl hat, ist für viele ein Trost. Er befreit uns von der Eigenverantwortung und gibt uns das Gefühl, dass hier höhere Mächte wirken, die uns vom Glücklichsein abhalten. Wieso sollte man also noch versuchen, etwas dagegen zu unternehmen?

Aus einem ganz einfachen Grund: Weil man immer eine Wahl hat! Ein freier Mensch kann jederzeit frei entscheiden, was er denken oder tun möchte. Vielleicht sind Veränderungen der Situation nicht immer angenehm, aber sie sind auf jeden Fall möglich. Schauen wir uns einmal in unseren drei Beispielen an, welche Wahl man noch alternativ hätte:

1) Du musst dich nicht täglich bei der Arbeit quälen. Du hast die freie Wahl, etwas zu verändern. Du kannst zum Beispiel Maßnahmen ergreifen, die dir dabei helfen, zufriedener mit deinem Job zu werden. Entdecke den tieferen Sinn hinter deiner Tätigkeit, freunde dich mit mehr Kollegen an, entwickle lustige Rituale oder sprich mit deinem Arbeitgeber über eine Verlagerung deiner Tätigkeiten.
Weiterhin hast du die Wahl, zu kündigen und dich nach einem neuen Job umzuschauen. Natürlich ist das ein finanzielles Risiko, aber wer keine Risiken eingeht, wird auch nie etwas gewinnen. Es kann ebenso deine freie Wahl sein, nicht nach einem neuen Job zu suchen, sondern selbst einen zu erschaffen, indem du dich selbstständig machst. Grenzen existieren nur in deinem Kopf und du hast immer eine Wahl!

2) Wenn eine Partnerschaft dich nicht glücklich macht, dann musst du sie nicht zwingend weiterführen. All die Gründe, die dich vom Ende der Partnerschaft abhalten, sind keine Beweise dafür, dass du keine Wahl hast, sondern Ängste und Ausreden. Auch wenn eine Trennung eine vorerst schwierige Wahl ist, ist sie dennoch eine Wahl! Eine Wahl, die dich langfristig glücklicher machen kann.

3) Auch im dritten Beispiel sind die Argumente, die gegen die Wahrheit sprechen, Ängste und Ausreden. Tatsächlich ist es so, dass es auch eine Wahl ist, deinem Freund die Wahrheit zu sagen. Es ist nicht dein Geständnis, das eure Freundschaft gefährdet, sondern die Tatsache, dass du etwas Schlechtes getan hast. Du hast die freie Wahl, um eine Entscheidung über den weiteren Handlungsverlauf zu treffen.

Ausreden statt Wahllosigkeit

Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass man IMMER eine Wahl hat, ganz egal, was auch geschieht. Das möchte ich gerne mit einem Extrembeispiel veranschaulichen:

Die häufigste Ausrede von ehemaligen Aufsehern der Konzentrationslager aus den Zeiten des Holocausts war: „Ich hatte keine Wahl. Hätte ich es nicht getan, wäre ich getötet worden.“
Kein einziger von ihnen ist mit dieser Ausrede vor Gericht davongekommen. Warum nicht? Weil jeder Mensch eine Wahl hat. Sich töten zu lassen, um keine Gräueltaten verüben zu müssen, ist genauso eine Wahl wie die Entscheidung, am Leben zu bleiben und dafür Abscheuliches zu tun.

Dieses Extrembeispiel zeigt, dass sogar der Tod immer eine gültige Option ist. Man hat also tatsächlich immer eine Wahl. Was bedeutet das nun konkret für unseren Alltag?

Es bedeutet, dass wir immer wieder Ausreden finden, die es uns ermöglichen, vor unserer Eigenverantwortung wegzulaufen. Es bedeutet, dass wir Ängste haben, denen wir uns nicht stellen wollen und dass wir deshalb die Ausrede erfinden, dass wir ohnehin keine Wahl haben.
Wer ehrlich einsieht und anerkennt, dass es immer eine Wahl gibt, auch wenn sie möglicherweise vorerst unangenehme Konsequenzen mit sich bringt, der wird sich weiterentwickeln können und langfristig immer die richtigen Entscheidungen treffen. Man sagt nicht umsonst, dass Ehrlichkeit am längsten währt.

In der Psychologie wird der Begriff „leben“ mit dem Treffen von Entscheidungen definiert. Nur wer Entscheidungen trifft, lebt. Ein freier, lebender Mensch hat immer alle Möglichkeiten offen. Du kannst jeden erdenklichen Weg im Leben wählen und einschlagen. Alles, was dich daran hindern kann, sind deine Ängste und Ausreden. Rufe dir diese wichtige Wahrheit in Erinnerung, wenn du das nächste Mal jemanden sagen hörst, er habe keine Wahl.

In diesem Sinne wünsche ich dir ein schönes Wochenende.

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

6 Kommentare, sei der nächste!

    1. Hallo Susanne,

      vielen Dank für deine lieben Worte! Es freut mich, dass jede Woche etwas für dich dabei ist und ich hoffe, dass das auch in Zukunft so bleiben wird 🙂
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

      Viele Grüße
      Michael

  1. Danke für diesen Super Artikel. Jammern, ich habe keine Wahl, ist auch einfacher, als etwas zu verändern. Vielleicht suche ich mir dann auch noch jemand dem ich mein Herz ausschütten kann, verlagere das Problem nach außen, mal wieder von mir weg, dann jammern und beklagen schon zwei. Ganze Berufszweige leben davon, dass mir doch endlich jemand zuhört, mich im Jammern unterstützt, trotz alledem bin immer noch ICH es, der die Veränderung einleiten sollte. Entweder ich ändere meine Einstellung oder die Situation . Entweder ich arbeite an den Gefühlen oder an der Sache. Nur Nichts tun, ist NICHTS tun. Wer hat denn gesagt , dass es einfach sein soll? Wie Du schon sagst, man kann nicht nicht entscheiden 🙂

    1. Hallo Gabi,

      vielen Dank für deinen sehr ehrlichen Beitrag. Es gibt mit Sicherheit einige Menschen, die diese klare Sicht der Dinge zu streng finden, aber dennoch benennst du das Problem sehr genau. Die meisten Menschen schieben ihre Sorgen, Probleme und Konflikte auf oder teilen sie mit anderen, anstatt etwas dagegen zu unternehmen. Die Ausrede, keine Wahl zu haben, rechtfertig dieses Verhalten dann (so zumindest die Theorie der Betroffenen).
      Ich kann dir nur darin beipflichten, dass Eigenverantwortung und eine klare Entscheidung zur Lösung eines Problems der Weg zur Besserung sind.
      Sich nicht zu entscheiden, ist nicht möglich, das ist richtig. Deswegen sollte man seine Entscheidungen weise wählen 🙂

      Viele Grüße
      Michael

  2. Super Artikel, allerdings wäre ich mit dem Satz „sogar der Tod ist immer eine gültige Option“, da dieser bei Bedarf auch gerne Missverstanden werden kann

    1. Danke, Svenja! Mit Sicherheit ist diese Aussage sehr hart, aber dennoch wahr. Natürlich sollte sie nicht missverstanden werden, denn der freiwillige Tod sollte niemals eine Lösung sein. Mit diesem Beispiel möchte ich nur verdeutlichen, dass ehemalige KZ-Wärter kein Recht bekommen haben, als sie ihre Taten mit der Angst vor dem eigenen Tod rechtfertigten.

      Es ist nunmal so, dass man immer eine Wahl hat. Man kann sich auch jederzeit für ein schöneres und glücklicheres Leben entscheiden. Man muss nur bereit dazu sein, das Entsprechende zu tun 🙂

      Viele Grüße
      Michael

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