Kann man ein perfektes, glückliches Leben führen?

Eine Frage, die sich viele Menschen stellen…

Immer glücklich sein. Stets vollkommen zufrieden. Keine Sorgen haben und jeden Tag genießen. Ja, sogar so glücklich sein, dass es egal ist, wenn das Wetter draußen trüb ist, weil einem die Sonne ja bereits aus dem Allerwertesten strahlt. So oder so ähnlich klingen die Versprechen vieler Ratgeberautoren und „Glücks-Experten“. Und hier kommen wir auch schon zu dem Grund, warum die meisten dieser Autoren mich nicht mögen: Weil ich das für Schwachsinn halte.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage, dass ich ein solches Leben niemandem wünschen würde. Dafür habe ich ein paar gute Gründe, über die wir heute sprechen werden.

Ein perfektes Leben?

Zuerst einmal denke ich nicht, dass ein perfektes Leben einen Menschen glücklich machen kann. Wenn es niemals regnen würde, woher nähme ich dann die Wertschätzung für einen sonnigen Tag? Wie viel Spaß würde uns der Frühling machen, wenn es den kalten, nassen und dunklen Winter nicht gäbe? Hätte ich genug Achtsamkeit und Wertschätzung für die wirklich guten Menschen in meinem Leben, wenn ich nicht zuvor ein paar äußerst miesen Personen begegnet wäre?

Das Leben besteht aus Dualität. Alles hat ein Gegenstück. Mal geht es auf und dann wieder ab. Es ist nicht entweder alles super oder alles schlecht. Das Leben ist eine gesunde Mischung aus beidem und wir Menschen können lernen, uns sehr gut damit zu arrangieren. Schwierig wird es immer dann, wenn wir ein Leben erwarten, in dem es nur bergauf geht. Ein Leben, das ausschließlich positiv ist. Diese Erwartung kann nicht erfüllt werden und das führt schließlich zu massiver Enttäuschung. Deshalb sind so viele Menschen deprimiert, nachdem sie Glücks-Ratgeber gelesen oder „Power-Seminare“ besucht haben. Sie konsumieren unzählige Versprechen darüber, wie perfekt ihr Leben sein könnte und müssen sich anschließend der Realität stellen. Diese Realität sagt uns, dass nicht alles im Leben rosa-rote Zuckerwatte ist. Und, weißt du was? Das ist völlig okay.

Es gibt Dinge, Ereignisse und Erlebnisse, die lassen sich einfach nicht schönreden. Ja, wir können lernen, mit ihnen umzugehen. Wir können wertvolle Lektionen aus ihnen ziehen und wir können daran wachsen. Das heißt aber nicht, dass wir negative Erfahrungen lieben müssen oder, dass wir lachend im Kreis springen sollten, wenn unser Hund stirbt. Manchmal fühlt sich das Leben einfach nicht schön an. Das ist okay. Es sollte uns jedoch NIEMALS davon abhalten, das zu tun, was wir für das Richtige halten.

Der echte Schlüssel zum Glück

Ich habe schon einige Bücher und ein paar hundert Blogartikel rund um die Persönlichkeitsentwicklung geschrieben. Trotzdem würde ich lügen, wenn ich dir sagen würde, dass ich alles richtig mache und mein Leben eine ewig blühende Blumenwiese ist. Es gibt Tage, an denen nicht alles wie geplant läuft oder an denen ich auch einfach mal mit dem falschen Fuß aufstehe. Es wäre lächerlich, irgendetwas anderes von mir zu erwarten und nun komme ich zu meinem entscheidenden Punkt:

Das beste Fitnesstraining hast du nicht an den Tagen, an denen es dir super geht und du hochmotiviert zum Sport gehst. Das beste Training hast du dann, wenn du müde bist, einen fürchterlichen Tag hinter dir hast und eigentlich nur noch unter der Bettdecke verschwinden willst. Wenn du deinen Schweinehund überwindest und dennoch das Richtige tust, dann wachsen dir Flügel. Du könntest nicht stolzer auf dich sein. Kennst du solche Tage?

Auf diese Weise betrachte ich mein Leben. Es muss nicht immer einfach sein. Es muss nicht perfekt sein. Für mich müssen keine Kekse vom Himmel regnen. Ich muss einfach nur bereit sein, trotzdem das Richtige zu tun. Ich möchte anderen Menschen etwas Mut und ein Lächeln schenken, wenn mir gerade der Mut und ein guter Grund zum Lachen fehlen.
Ich möchte auch dann meine Arbeit machen, wenn ich gerade keine Lust darauf habe. Einfach, weil ich weiß, dass es richtig und wichtig ist. Ich möchte auch dann ein Buch veröffentlichen, wenn mir völlig klar ist, dass viele Menschen mich dafür mit Eiern bewerfen werden. Auch dann aufstehen und mein Bestes geben, wenn ich müde bin und am liebsten im Bett bleiben würde.

Wir können nicht verhindern, dass das Leben uns vor Herausforderungen stellt. Wir können uns jedoch aussuchen, ob wir uns davon unterkriegen lassen oder nicht.
Manchmal fehlt uns die Kraft, um weiterzumachen. Aber diese Kraft gewinnen wir nicht, indem wir aufgeben und das Leben an uns vorbeiziehen lassen. Wir holen sie uns zurück, indem wir aufstehen und trotzdem das Richtige tun. Genau darin liegt die Kraft und vielleicht auch die Kunst.

Warum ich das glaube? Weil dieser Glaube mein Leben verändert hat. Mein Leben wurde erst zu diesem unperfekten, aber (für mich persönlich) liebenswerten Abenteuer, nachdem ich beschlossen hatte, weiterzumachen. Völlig unabhängig von allen Rückschlägen.

Also, bitte verzeih mir, wenn ich dir nicht den Himmel verspreche. Ich kann dich nur dazu ermutigen, die besten Version deiner Selbst zu sein, die du eben sein kannst. Und glaub mir, dass da VIEL Potenzial in dir steckt.
Wie wir das entdecken? Indem wir uns mit der Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen und weitermachen.

Das Leben so gut wie möglich verbessern

Versteh mich bitte nicht falsch. Ich glaube fest daran, dass man sein Leben sehr stark verbessern kann. Ich glaube an harte Arbeit und auch daran, dass man seinem Glück auf die Sprünge helfen kann.
Genauso weiß ich aber auch, wie unglücklich es Menschen machen kann, ein perfektes Leben zu erwarten. Hör auf zu warten. Akzeptiere dein unperfektes Leben und entdecke, dass genau darin der Reiz und auch der Schlüssel zum Glück liegen.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Wenn nicht du, wer dann?

Am Ende des Tages geht also nicht darum, ein perfektes und glückliches Leben zu führen. Es geht darum, ehrlich zu sich zu sein, stets das Richtige zu tun und sein Glück auch dann wiederzufinden, wenn es mal einen wirklich bescheidenen Tag gab. Nach jedem Unwetter scheint auch wieder die Sonne und das ist gut so.

Ich hoffe, dass ich dir damit einen kleinen gedanklichen Anstoß zu einem WIRKLICH glücklicheren Leben geben konnte. In diesem Sinne: Lass es dir gut gehen!

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelbild: Unsplash.com, Sasha Freemind

9 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Michael,

    du hast Recht. Ein perfektes Leben kann niemals glücklich sein, da man zu sehr darauf aufpassen muss, diese Perfektheit nicht zu zerstören.

    Dadurch verpasst man das Glück, das man hat, wenn man im Garten in der Sonne sitzt und den Schmetterlingen beim Fliegen zu sieht.

    Ich hatte heute Mittag 1 1/2 Std Glück. Ich habe eine schöne Radtour durch die Sonne, die Wiesen und Felder gemacht und dabei dem Vogelgezwitscher gelauscht. Es war wirklich schön. Es hat mich glücklich gemacht und war zu diesem Zeitpunkt perfekt. Und jede Radtour bringt anderes Glück und Perfektheit.

    Ich strebe nicht nach einem perfekten und glücklichen Leben. Ist mir zu anstrengend. Ich leben lieber den Moment so wie er ist und bin dabei glücklich.

    LG Andrea Petry

    1. Hallo Andrea,

      du sprichst mir aus der Seele! Die vermeintlich kleinen Dinge im Leben lassen unsere Herzen höher schlagen. Die Natur, Fahrradtouren und Spaziergänge in Ihr sind so ungemein erfüllend. Da braucht es keine Kirmis, Oktoberfest oder tolle Geschäfte um eine innerliche Zufriedenheit und Ausgeglichenheit zu spüren!

      Danke für diese tollen Worte zur Bestätigung
      Gruß Ralf

    2. Kritisch angemerkt:

      Was ist eigentlich Glück? Einen Augenblick den man nach eigener Maßstabgebung als schön wahrgenommen hat? Was für den einen Glück bedeutet wäre für den anderen eher das absolute Grauen. Wir bekommen viel zu sehr vorgespielt was Glück denn sei. Viel Geld haben sei Glück. Gesund sein sei Glück. Aber nicht jeder Mensch tickt so und sieht in den Beispiele alles andere als Glück.

  2. Lieber Michael,

    gerade heute muss ich mal wieder so ein richtig heftigen beruflichen Tiefschlag hinnehmen und das infolge auch verarbeiten. Jedes Mal wenn mir so etwas widerfährt versuche ich in meine Mitte zurück zu finden. Das gelingt mir mal schneller und mal weniger schnell. Wenn ich es dann geschafft habe, hat sich etwas verändert bzw. verschoben.
    Was es genau ist, werde ich irgendwann erfahren. Dann hatte ich bislang immer das Gefühl-ich bin weiter gekommen.

    1. auch hier kritisch angemerkt:

      Obschon eine genaue Beschreibung des „Tiefschlages“ nicht bekannt ist will ich einfach bezweifeln das dies ein Tiefschlag war. Wenn du jetzt dein Arbeitsplatz verlierst bedeutet das dies das und jenes aber wer sagt denn das es ein Tiefschlag oder gar ein Unglück war?

      Ebenso kannst du jetzt dein Tiefschlag haben es genau so sehen und genau durch dieses Unglück im nächsten Augenblick den Entschluß fassen dein leben nach x auszurichten was dich im übernächsten Augenblick zu deinem Traumjob bringt.

      Ohne den Tiefschalg wärst du da so nicht hingekommen. War also der angebliche Tiefschlag ein Tiefschlag oder doch eher das Glück pur?

  3. Dazu schweife ich mal in die Welt der Quantenphysik …

    und sage nein.

    Wir unterstehen im aktuellen Zustand Raum und Zeit sind schlicht so Vergänglichkeiten. Solche Dinge können keine Perfektion schaffen. Und Glück … ist eine Erfindung die man in allen Richtungen auslegen kann ohne aber wirklich zu sagen das dies jetzt das absolute Glück sei. Selbst wenn du den Traumpartner deines Lebens findest so wird die Zweisamkeit auch nur in einem Raum über eine doch relativ kurze Zeit anhalten. Dann folgt der Tot und jetzt? War wohl doch nicht so perfekt. klingt hart ist aber wohl Fakt.

    Ja und es gäbe noch eine ganz andere Sichtweise.

    Warum soll ausgerechnet ich immer alles auf Perfekt trimmen? Warum sollte ich Glück in etwas sehen worin andere Glück sehen. Viele denken ein 6er im Lotto sei Glück. Ich hingegen will weder den 6er noch das Geld geschenkt bekommen haben. Für die einen ist eine tolle Villa mit den geradesten Wänden Perfektion und Glück. Für mich ist ein Unterstand unter einer Baumwurzel Perfektion und Glück.

    Man sieht ein durchaus interessantes Thema.

    Und jetzt aus einer ganz anderen Sicht. Womöglich wird man viel weniger über dieses Thema reden als über das Thema Virus was die Vergangenheit deutlich zeigte. Du siehst die Grenzen zwischen Perfektion Glück usw. sind sehr relativ 🙂

  4. Perfektes Leben heißt für mich wachsen Entwicklung auch mit 57 Jahren. Glück empfinde ich täglich bei kleinen Dingen ob beim Spaziergang mit dem Hund oder im Beruf wenn Kunden zufrieden sind wenn wir einen schönen Tag mit den Enkelkinder haben. Wenn mein Mann gesundheitlich gut durch den Tag kommt. Glück empfinde ich auch wenn ich meine Bonsai gedeihen sehe oder auch wenn ich einfach in Ruhe ein Buch lese es gibt jede Menge Beispiele im positiven. Genauso auch in traurigen Situationen. Leider musste ich schon von einigen geliebten Menschen Abschied nehmen die ich hautnah begleitet habe über lange Zeit. Und trotzdem hat es mich glücklich gemacht auch wenn der Verlust schmerzt täglich. Mich bereichert das Leben täglich das ist Glück.

  5. Ich denke jeder hat eine andere Vorstellung vom perfekten Leben und das ist auch gut so. Für mich muß mein Leben nicht perfekt sein sondern lebendig. Und dazu gehört auch mal Chaos, Trauer, Überraschung (ob positiv oder negativ), Freude usw.
    Mein Motto ist:
    Geniesse die kleinen Dinge, sie machen das Leben großartig und
    ….lass immer ein wenig Platz in deinem Herzen für das Unvorstellbare!
    Wünsch euch allen einen schönen Sonntag 🙂

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