Warum Egoismus der Schlüssel zum Glück ist

…und warum diese Erkenntnis viel positiver ist, als du aktuell vielleicht glauben würdest!

Geht’s noch? Hat der Michael jetzt einen totalen Höhenflug oder wie kommt er auf so einen unverschämten Titel für seinen Blogartikel?

Die kurze Antwort lautet: Nein, mir geht es gut. Und nach dem Lesen dieses Artikels wirst du erstaunt feststellen, dass diese Überschrift absolute Bodenständigkeit und Selbstlosigkeit darstellt. Geht nicht? Geht doch! Schauen wir uns mal genauer an, was es mit dem Ganzen auf sich hat.

Warum eigentlich so negativ?

Zuerst einmal sollten wir uns fragen, warum das Wort „Egoismus“ eigentlich so negativ behaftet ist. Wörtlich genommen heißt Egoismus doch nichts anderes als „Eigeninteresse“ und das ist ja nun wahrlich nichts Schlimmes. Es sei denn natürlich, man hat sein ganzes Leben lang beigebracht bekommen, es sei falsch, Interesse an seiner eigenen Persönlichkeit zu haben.

Bei meinen Coachings stelle ich immer wieder dasselbe fest: Menschen mit einem schwachen Selbstbewusstsein haben Angst davor, dass andere sie für egoistisch halten könnten. Spätestens seit meinem Buch mit dem charmanten Titel „Drauf geschissen!“ sollte jedem klar sein, was ich darüber denke. (Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte das hier schleunigst nachholen.)
Aber unabhängig davon möchte ich dem Begriff „Egoismus“ einfach mal den Schrecken nehmen. Hierfür machen wir einen kleinen Gedankensprung:

Ist Geld gut oder schlecht? Fast schon eine philosophische Frage, oder? Geld hat kein moralisches Werteempfinden und kann auch nicht von alleine handeln. Also ist es nur so gut wie das, was wir damit machen. Wir können Geld nutzen, um andere Menschen zu unterstützen und wir können uns damit den hundertsten Ferrari kaufen, während andere Menschen hungern. Unsere Entscheidungen und Handlungen sind gut oder schlecht, aber nicht das Geld an sich.

Dasselbe gilt auch für den Egoismus. Wir können Interesse an uns selbst haben, um uns besser kennenzulernen und unser Selbstbewusstsein zu stärken. Unsere stärkere Persönlichkeit können wir dann nutzen, um das Leben zu genießen und andere zu unterstützen. Ganz am Rande bemerkt ist das der Weg, den ich vor vielen Jahren eingeschlagen habe und ich habe es bis heute nie bereut.
Gleichzeitig können wir Egoismus aber auch so auslegen, dass wir uns ausschließlich für uns selbst interessieren und uns den Rest der Welt beherzt am Allerwertesten vorbeigehen lassen. Wir kümmern uns nicht um die Belange der Welt, haben kein offenes Ohr mehr für unsere Freunde und legen den Grundstein für soziale Verarmung. Wie du siehst, ist Egoismus also nicht schlecht. Das, was du daraus machst, ist gut oder schlecht. Und das gilt für alle Dinge des Lebens! Nicht umsonst sagt man: Das Leben ist das, was du daraus machst.

Der goldene Kreislauf

Menschen, die ein zu schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein haben, verfügen definitiv über zu wenig Egoismus. Wie gesagt: Egoismus ist ein Interesse an sich selbst. Selbstbewusstsein ist ein Bewusstsein über sich selbst. Das heißt: Wenn wir uns für uns selbst interessieren, lernen wir uns besser kennen. Wir entwickeln ein besseres Bewusstsein für uns. Bingo! Und schon werden wir selbstbewusster, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir richten uns nicht mehr nach anderen, sondern rücken unsere eigenen Interessen in den Vordergrund. Ganz nebenbei: Das kann alleine deshalb nichts Schlechtes sein, weil die Menschen, denen wir es recht machen wollen, ja auch ihre Interessen in den Vordergrund rücken 😉

Sobald wir uns dann besser kennengelernt haben, entwickeln wir Vertrauen zu uns selbst. Wieso auch nicht? Einen Fremden musst du auch erst einmal in Ruhe kennenlernen, um ihm vertrauen zu können. Warum sollte das bei dir selbst anders sein?
Dieses neu gewonnene Vertrauen macht sich schnell bezahlt: Du denkst tiefer und intimer, reflektierst dich und deine Wünsche ehrlicher und traust dir im wahrsten Sinne zu, Schritte nach vorne zu wagen. Das fühlt sich natürlich gut an und sorgt für Erfolgserlebnisse. Und was bewirken diese Erfolgserlebnisse? Sie stärken dein Selbstwertgefühl! Du realisierst, dass DU diese Fortschritte herbeigeführt hast. Dir wird klar, dass du nicht die Bestätigung anderer brauchst, sondern dein natürliches Geltungsbedürfnis auch selbst befriedigen kannst. DAS ist der goldene Kreislauf, von mir auch gerne „Die Drei >S<“ genannt: Selbstbewusstsein – Selbstvertrauen – Selbstliebe.

Den richtigen Nutzen finden

Dank einer gesunden Verwendung von Egoismus hast du nun mehr Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl erlangt. Was kannst du mit dieser neu erlangten Stärke deiner Persönlichkeit anstellen? Du könntest nun eigene Wege gehen und aufhören, dich für andere zu interessieren. Möglich, aber ein langfristig schlechter Plan. ODER du könntest dein eigenes Leben mehr genießen und zusätzlich ein besserer Mensch zu anderen sein. Mit dem Zugewinn an neuer Stärke und Erkenntnissen könntest du anderen eine Stütze sein. Du könntest sie inspirieren und ihnen beibringen, was du über dich und das Leben gelernt hast. Du wärst automatisch seltener neidisch auf andere, weil es bei dir selbst so gut läuft. Du könntest dich ehrlich für andere freuen, wenn ihnen etwas Gutes passiert, anstatt in Groll und Trauer zu versinken. Du könntest deine neue Stärke nutzen, um Schwächeren unter die Arme zu greifen und ihnen Hoffnung zu schenken. Und all das nur, weil du dir erlaubt hast, egoistisch zu sein!

All das kannst du nicht tun, wenn du ein schwaches Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl hast, also dir niemals erlaubst egoistisch zu sein.

Du kannst niemandem Geld leihen, wenn du selbst keines hast. Du kannst kein Fußballtrainer werden, wenn du keine Ahnung vom Fußball hast und du kannst genauso wenig anderen Menschen eine Hilfe sein, wenn du dir selbst nicht helfen kannst. Das ist vielleicht hart, aber am Ende des Tages immer noch die Wahrheit.

Alles Gute beginnt bei dir

In meinen Coachings sage ich oft zu den Klientinnen und Klienten: „Von jetzt an dreht sich alles um dich!“
In der Regel löse ich damit einen Schock oder Protest aus. Es folgen Gegenargumente, wie: „Ich habe aber Kinder! Die sind viel wichtiger als ich.“

Das mögen zwar romantische, ehrenwerte und höchst emotionale Gedanken sein, aber um echte Fortschritte zu erzielen, wollen wir uns an den Fakten orientieren. Falls du Kinder hast, kannst du deine Pflicht ihnen gegenüber nur dann erfüllen, wenn es DIR gut geht. Du musst dich also in erster Linie um DICH sorgen, um andere versorgen zu können. Hier sind wir wieder beim gesunden Egoismus. Der Egoismus ist also ein notwendiges Mittel, um selbstlos sein zu können.

Will ich andere finanziell unterstützen, muss ich erst selbst Geld verdienen. Will ich stark für andere sein, muss ich erst einmal stark werden. Will ich andere versorgen können, muss ich erst einmal für meine optimale Leistungsfähigkeit sorgen. Du siehst: Alles Gute beginnt bei dir!

Ein schönes Miteinander

Wenn man die Dinge so betrachtet, kann Egoismus uns tatsächlich dabei helfen, für mehr Miteinander zu sorgen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Nachdem wir all diese Gedanken abgewägt haben, können wir also guten Gewissens sagen: Egoismus ist ein Schlüssel zum Glück. Vielleicht sogar DER Schlüssel zum Glück. Denn wenn mehr Menschen Eigeninteresse zeigen („Egoismus“), gibt es logischerweise auch mehr selbstbewusste und starke Persönlichkeiten, die sich wiederum für andere stark machen können.

Mit diesen spannenden Gedanken lasse ich dich jetzt einfach mal alleine. Wie denkst du darüber? Was hältst du von meiner Theorie? Und denkst du, dass sie Menschen die Angst vor dem ach so bösen Konzept des Egoismus nehmen können?

Ich freue mich auf deine Meinung und wünsche dir natürlich viel Spaß beim Entwickeln deines „gesunden Egoismus“ 🙂

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelbild: Gratisography.com

9 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Michael,
    ich kann das, was Du geschrieben hast, nur bestätigen. Ich habe in den letzten 2 Jahren eine derartige Entwicklung durchgemacht. Mich selbst hinten anzustellen und es immer nur allen anderen recht machen zu wollen, hat mich krank gemacht. Und das hat auch meinen Mann, meine Eltern und Freunde belastet. Doch ich habe gelernt, darauf zu achten, dass es mir gut geht und zu meinen Bedürfnissen zu stehen. Seitdem lebe ich bewusster, bin zufriedener, selbstbewusster, gesünder und leistungsfähiger, was sich wiederum positiv auf mein Umfeld auswirkt.

    Liebe Grüße,
    Ilona

    1. Hallo Ilona,

      vielen Dank, dass deine Erfahrung mit uns teilst! Ich finde es sehr wichtig, auch mal anhand von echten Praxisbeispielen zu sehen, wie gut die Theorie funktionieren kann 🙂
      Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

      Viele Grüße
      Michael

  2. Hallo Michael,
    ich finde auch, dass man zuerst bei sich anfangen muss. Wenn man selbst zufrieden und glücklich ist, strahlt man das auch aus. Es wirkt sich auf die Mitmenschen um einem herum aus. Nur wer gut für sich sorgt, kann auch für andere gut sorgen und helfen. Man vergisst sich oft im Alltag, aber deine Artikel bringen einem das wieder ins Bewusstsein. Danke für deine wöchentlichen Anregungen.
    Mir bringt das sehr viel über mich selbst nach zu denken und für mich zu sorgen.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Annette

  3. Lieber Michael, vielen Dank für deine wöchentliche Blogartikel. Ich lese sie stets mit großer Begeisterung. Sehr gut gefällt mir auch die heutige Ausgabe. Indem du die eigentliche Bedeutung von Egoismus klargestellt hast, ist für mich die negative Anhaftung des Wortes „Egoismus“ gewichen. Dementsprechend ist deine Argumentation und deine Darstellung verständlich und nachvollziehbar. Ich bin da ganz deiner Meinung.
    In dem Zusammenhang könnte auch mal ein Bolgartikel von dir folgen mit dem Titel: „Verzicht auf die eigenen Interessen, für eine bessere Ehe“?

    1. Hallo Bernhard,

      schön, dass der Artikel so gut bei dir angekommen ist! Es freut mich, dass du eine neue Perspektive auf den Begriff „Egoismus“ gewonnen hast.

      Ein Blogartikel mit Bezug auf die Dynamik zwischen verschiedenen Menschen wäre bestimmt spannend, jedoch fürchte ich, für das Thema „Ehe“ nicht qualifiziert genug zu sein 😉 Ich habe zwar eine Meinung dazu, aber wenig Erfahrung. Dennoch nehme ich es mit in die Ideensammlung auf. Danke!

      Viele Grüße
      Michael

    2. Hallo Bernhard,
      meiner Meinung nach wird eine Ehe dadurch nicht besser, sich selbst „aufzugeben“ nur damit Ruhe ist. Meine Eltern bzw. mein Vater hat das praktiziert mit dem Ergebnis nach einer Lähmung „im Weg“ gewesen zu sein.
      Da liegt er nun im Pflegeheim vor sich rum und „Sie“ kann machen was sie will.

      Eine Ehe besteht aus zwei eigenständigen Persönlichkeiten, jeder hat das Recht das zu tun was ihm Freude bereitet , so lange der andere darunter keine Nachteile hat oder hintergangen wird.
      Und am Ende vom Tag haben beide was zu erzählen oder vorzuzeigen.

      Achtung die Sprüchetante schlägt zu:

      Gib Deine Persönlichkeit nie auf,
      nur damit jemand anderes ein Teil
      Deines Lebens bleibt.

  4. Schmunzel Egoismus – die Strategie des perfekten EInzelkämpfer*in…

    Egoismus ist salopp „aus sich selbst bezogen“. Natürlich könnte man das als „ach so schlecht“ auslegen doch ich denke das Egoismus lediglich eine Option sein kann die man durchaus auch so wählen kann wenn sie dich an dein Ziel bringt. Gerade in (wie ich es sage) „ultimative Extreme“ ist man überwiegend auf sich alleine gestellt. Dir kann und muss ggf. alles was dich umgibt salopp „egal“ sein. Da gibt es ein Spruch der lautet „man geht über Leichen“. Hört das sich extrem an?

    Wenn das für dich unter Extreme nicht in Frage kommt vergiss das mit dem Egoismus. Kommt es für dich in Frage „scheiß drauf“ was andere denken oder sagen und geh deinen Weg.

    Es gibt nur sehr wenige Informationen über den mil. Bereich wo man gerade den sog. „Einzelkämpfer“ noch kennt obschon dieser „Beruf“ sehr selten geworden ist. Das aber liegt mehr daran das Menschen eher nicht als Egoist auftreten können (oder wollen). Alleine egal wo zählst aber nur du und eben dein Auftrag oder dein Ziel.

    Es ist auf der einen Seite benen keine hohe Kunst ein Egoist zu sein es ist eher eine hohe Kunst den Egoismus auszuleben.

    PS… zu deinem Buch „scheiß drauf“. Ich habe das buch als E Book und ich habe es in von Michael gesprochener Ausgabe wobei ich sage „man muss sich das echt mal anhören“ denn genau so spricht Michael das ist ein Teil Michael mehr und so wie Michael es rüber bringt ist es nahezu perfekt (….ganz abgesehen vom Inhalt der ebenso wertvoll ist Sinn und Zweck hat…).

    1. Hallo Ray,

      ich denke offen gesagt nicht, dass man als Egoist nur ein extremer Einzelkämpfer zu sein. Egoismus kann stufenlos „dosiert“ werden und jeder sollte für sich herausfinden, wie viel Egoismus er braucht, um seine Persönlichkeit zu stärken.
      Ich stimme dir jedoch darin zu, dass es nicht immer einfach ist, den „richtigen“ Egoismus auszuleben.

      Vielen Dank auch für dein Lob, das ich sehr zu schätzen weiß! 🙂

      Viele Grüße
      Michael

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