Warum ich plötzlich geschmacklos und unseriös bin

Und warum das sehr vielen Menschen hilft!

Wie dir nicht entgangen sein dürfte, habe ich im vorigen Monat ein neues Buch veröffentlicht. Es trägt den provokanten Titel: „Drauf geschissen! – Wie dir endlich egal wird, was die anderen denken“

Das hier wird keine Beschwerde über meine Kritiker. Ganz und gar nicht. Ich kann völlig verstehen, dass man beim Blick auf das Buch oder beim Hören des Titels erst einmal verdutzt ist. Und genauso kann ich auch verstehen, wenn jemand meint, dass der gute Zweck die Mittel nicht heiligt. Alles gut. Wirklich.

Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen und darüber sprechen, warum ich dem Buch diesen humorvollen und leicht derben Charakter verliehen habe und welches wichtige Prinzip der Persönlichkeitsentwicklung dahinter steckt. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen davon profitieren können und werden.

Es macht einfach keinen Spaß

Hast du eine Idee, warum die meisten Menschen sich nicht mit ihren emotionalen Blockaden oder inneren Problemen auseinandersetzen wollen? Weil es einfach keinen Spaß macht. Weil niemand gerne den unangenehmen Tatsachen ins Auge blickt. Weil niemand sich gerne vor Augen ruft, was alles schief läuft. Vor allem nicht, wenn man einfach keine Ahnung hat, was man dagegen unternehmen soll.

Natürlich gibt es einige Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen. Man könnte zum Beispiel einen Therapeuten aufsuchen. Für viele Menschen würde das jedoch bedeuten, sich ein Problem einzugestehen. Es ist ihnen schlicht und einfach unangenehm. Hinzu kommt das Problem, dass es in unserer Gesellschaft höchst verpönt ist, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das verpasst einem schließlich diesen gewissen „Stempel“. Du weißt bestimmt, was ich meine, oder? Aufgrund solcher Vorurteile ist der Therapeut für die meisten also keine Option. Glücklicherweise gibt es für diese Fälle ja noch die guten alten Ratgeber-Bücher, in denen man Hilfe, Rat oder einfach neue Perspektiven suchen kann. Die entscheidende Frage ist nur: Welches Buch ist gut oder hilfreich?

Es gibt Bücher, die sehr gut erklären, woher die meisten Probleme kommen, aber gleichzeitig keine Lösungsansätze anbieten. Sie beschreiben die knallharten Tatsachen und wie wir eben festgestellt haben, hat darauf kaum jemand Lust. Erst recht nicht, wenn dahinter keine brauchbaren Lösungsansätze stecken!

Dann gibt es Bücher, die zwar Lösungsansätze bieten, aber diese extrem trocken und klinisch vermitteln. Es macht bereits keinen Spaß, sich seinen Problemen und Herausforderungen zu stellen. Das wird bestimmt nicht besser, wenn man sich durch anstrengendes Fach-Chinesisch quälen muss.

Und dann gibt es natürlich noch die Bücher, die die unangenehmen Tatsachen außen vor lassen und einem stattdessen das Blaue vom Himmel versprechen. Hüpf dreimal im Kreis, lache dabei voller Freude und schon sind all deine Probleme weg. Oder noch besser: Bestell dir beim Universum ein Traumhaus und warte, bis sich alles von alleine manifestiert. Übrigens: Wenn du jetzt noch bestellst, wirst du in der Garage einen Ferrari vorfinden!

Man kann es drehen und wenden wie man will: Sich mit seinen Problemen zu beschäftigen, macht einfach keinen Spaß. Das wollte ich gerne ändern.

Dem Schrecken den Schrecken nehmen

Als ich anfing Bücher zu schreiben, war mir eine Sache besonders wichtig: Ich wollte seriös und sachlich, aber dennoch freundschaftlich und locker wirken. Ein schmaler Grat, auf dem es sich nicht allzu leicht wandern lässt. Im Laufe der letzten Jahre ist mir das jedoch recht gut gelungen, wenn ich das mal so sagen darf. Zumindest ist das das Feedback, das ich bisher erhalten habe. Damit war ich auch immer sehr zufrieden. Allerdings habe ich immer noch zwei große Probleme vor mir gesehen:

  1. Mit diesen Büchern kann ich nur Menschen erreichen, die sich bereits für das Lesen und die Persönlichkeitsentwicklung interessieren. Wer bisher noch nie gern ein Buch zur Hand genommen hat, wird sich auch nicht von meinem seriös-lockeren Stil reizen lassen.
  2. Die Thematik des Geltungsbedürfnisses und dass die Meinung anderer unser Leben stark beeinflusst, stand schon sehr lange auf meiner Agenda. Allerdings ist dieses Thema so schwierig und empfindlich, dass ich Schwierigkeiten damit hatte, es mit meinem bisherigen Schreibstil zu behandeln.

Mir kam die Idee, dass ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte, wenn ich mal etwas Neues ausprobieren würde. Könnte man ein unangenehmes Thema nicht mit einer gesunden Prise Humor behandeln? Nicht auf alberne Art und Weise, sondern selbstbewusst, durchsetzungsstark und frech.

Das würde einerseits jene Menschen eher ansprechen, die sonst nicht so gerne Ratgeber-Bücher lesen und andererseits würde es einem problematischen Thema den Schrecken nehmen. Man könnte es mit einem Lächeln und einem zwinkernden Auge thematisieren. Quasi dem Schrecken den Schrecken nehmen.

Allerdings würde das auch bedeuten, den sicheren Pfad verlassen zu müssen. Es würde bedeuten, einen neuen Weg einzuschlagen, etwas Neues auszuprobieren und keine Ahnung zu haben, wie das wohl bei jenen ankommen wird, die sich an meinen bisherigen Stil gewöhnt haben. Und während ich da saß und mir den Kopf zerbrach, dachte ich plötzlich: „Ach, scheiß drauf! Mach doch einfach mal etwas anderes! Es gibt nur einen Weg herauszufinden, ob es andere motivieren wird oder nicht.“ So kam es dann übrigens auch zum Titel.

Der Rest ist Geschichte und das Ergebnis all dessen habe ich letzten Monat erstaunlich erfolgreich veröffentlicht. Inzwischen haben mir sehr viele Menschen geschrieben, dass sie normalerweise nicht gerne lesen, aber dieses Buch einfach lustig fanden und dabei auch viel Wertvolles lernen konnten. Der Mut hat sich also gelohnt und dafür nehme ich auch gerne die (teils nachvollziehbare) Kritik auf mich, die mir ebenso begegnet.

Was wir alle daraus mitnehmen können

Bin ich plötzlich weniger seriös? Nein. Habe ich meinen guten Sinn für Geschmack verloren? Ebenfalls nein. Es ist mir einfach wichtig mich weiterzuentwickeln und hin und wieder auch neue Wege einzuschlagen. So, wie wir alle das im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung tun sollten.

Werde ich künftig nur noch mit Fäkalsprache um mich werfen? Nein. Wie du siehst, kann ich mich immer noch recht gewählt ausdrücken 🙂

Ich persönlich habe bei diesem Projekt gelernt, dass es Spaß machen kann, ernsten Themen die Ernsthaftigkeit zu entziehen. Humor war schon immer ein bewährtes Mittel, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Warum sollte das bei einem Buch anders sein?
Einem unangenehmen Thema mit Witz und derbem Humor entgegenzutreten, hat sich in den letzten 4 Wochen für viele Menschen als probates Mittel bewährt und ich finde das wirklich toll.

Würdest du ein Buch lesen wollen, auf dem steht: „Warum Ihnen wichtig ist, was die anderen über Sie denken und wie Sie mithilfe von Erkenntnissen der Psychotherapie etwas zum Positiven verändern können“? Vermutlich nicht. Es ist zwar ein wichtiges Thema, aber so klingt es absolut langweilig. Warum also dem Ganzen nicht ein bisschen Würze verleihen?

Genau darauf möchte ich heute hinaus: Sieh nicht immer alle Dinge so ernst. Lerne, auch unangenehme Themen und Erfahrungen mit Humor zu nehmen. So kannst du dem Schrecken den Schrecken entziehen. Falls du glaubst, dass das eh nichts bringt, dann schau dir einfach mal an, was ich getan habe. Ich habe allen Ernstes ein Buch veröffentlicht, auf dessen Cover ein großer Kackhaufen zu sehen ist. Und weißt du was? Allein diese Tatsache sorgt dafür, dass Menschen sich mit ihren Problemen auseinandersetzen, die sonst davor weglaufen. Ist das die Sache nicht wert? Darf man da nicht mal ein wenig unseriös sein? 😉

Ich hoffe, dass meine Gedanken dich auf Ideen bringen und dir in Zukunft dabei helfen, auch schwierige Situationen leichter zu meistern. Wie sang bereits Roberto Blanco so schön: Ein bisschen Spaß muss sein. In diesem Sinne: Viel Spaß!

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

Titelbild: Gratisography.com

 

7 Kommentare, sei der nächste!

  1. Es denken so viele Leute scheiß drauf aber trauen es sich nicht zu sagen. Aber dann Kritik hageln lassen. Verklemmt würde ich dazu sagen. Was das alles aber mit unseriös zu tun haben soll ist mir mehr als fremd. Aber das alles hat weniger mit Kritik zu tun denn wer Kritik tun will findet garantiert immer was.

    Aber was gut ist lieber Michael du schreibst wie betont du schreiben willst und genau darauf kommt es an. Du hast dich nicht selbst verraten bist dir selbst treu geblieben und so können deine Leser*innen sagen: so ist er halt unser Michael 🙂

    1. Schön, dass du das so positiv siehst! Ich denke tatsächlich auch, dass unsere Gesellschaft in vielen Dingen zu verklemmt ist. In mancher Hinsicht ist das einfach nicht ehrlich. Wir denken gewissen Dinge und würden sogar Lösungen für viele gesellschaftliche Probleme entwickeln. Dennoch behalten wir all das für uns, weil „man das eben so nicht macht“. Wirklich schade.

      Danke für deine lobenden Worte. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

      Viele Grüße
      Michael

  2. Ich bin gerade dabei „Scheiss drauf“ als Hörbuch zu hören und was soll ich sagen? Ich bin so begeistert das ich mir gleich noch ein weiteres ihrer Hörbücher gekauft habe. Ich bin begeistert von der Idee den problematischen Themen etwas ihren Schrecken zu nehmen, wenn man alles mit etwas Humor sieht und vor allem mal etwas weniger „verspannt“ mit so etwas umgeht, erreicht man denke ich mehr Mitmenschen. Ich lese vorher immer die Bewertungen der Käufer und kann den wenigen etwas schlechteren Bewertungen wegen der angeblichen derben Sprache nicht zustimmen. Ich habe schon etliche Ratgeber / Bücher aus dem Bereich gelesen und finde gerade diese unkomplizierte Art, die Dinge einfach mal ehrlich auszusprechen, was andere immer nur denken, einfach total gelungen. Denn das „Große Ganze des Buches“ ist für meine Begriffe sehr treffend, ansprechend, einfühlsam und professionell geschrieben. Machen sie gerne weiter so ! Ich freue mich auf weitere Bücher!
    Viele Grüße
    Sabine

    1. Hallo Sabine,

      vielen Dank für deine lobenden Worte! Ich würde dir vorab gerne das „Du“ anbieten. Im Hörbuch und hier auf dem Blog begegnen wir uns ja ohnehin per Du 🙂
      Es freut mich sehr, dass das Prinzip des Buchs so gut bei dir ankommt und funktioniert.
      Wie ich auch schon im Buch erwähnt habe, kann man es nicht allen recht machen. Es wird immer Kritiker geben und ich denke, das ist auch gut so. Wem die Sprache zu derbe ist, der wird in meinen anderen Büchern und meinen Blogbeiträgen auch sanftere, seriösere Formulierungen finden.

      Ich danke dir sehr für deine Worte und wünsche dir einen tollen Start in die neue Woche!

      Viele Grüße
      Michael

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