Zeit der Geschenke – Zeit der Enttäuschungen

Pünktlich zur Adventszeit ein Artikel über Erwartungshaltungen, Enttäuschungen und Geschenke von Herzen.

Die Weihnachtszeit hat sich mal wieder früh angekündigt, aber spätestens seit dem ersten Advent sind wir alle unweigerlich mittendrin. Der Coutdown zum heiligen Abend hat begonnen und wahrscheinlich bist du gerade ein wenig verwirrt. Was hat das Ganze mit persönlicher Entwicklung, Zufriedenheit oder Lebensqualität zu tun?

Die Antwort ist: Eine Menge! Heute möchte ich über Erwartungshaltungen und Enttäuschungen sprechen. Denn nicht nur in der Weihnachtszeit sind dies wesentliche Faktoren, die über deine Zufriedenheit und auch Weltanschauung bestimmen. Unser praktisches Beispiel wird heute das Schenken sein, weil es zur Weihnachtszeit passt.

Ich möchte noch eins vorab sagen: Ich könnte so viel zu dem Thema sagen, bzw. schreiben, dass daraus ein eigenes kleines Buch entstehen würde. Heute versuche ich mich kurz zu halten und auf das Wesentliche zu konzentrieren 🙂

Schenken heißt für immer geben

Hast du schon einmal Kleidung von jemandem geschenkt bekommen und sie beim nächsten Treffen mit dieser Person direkt angezogen, damit sie sieht, dass du das Geschenk auch trägst? Hast du schon einmal mitbekommen, dass jemand einem Kind Spielzeug geschenkt hat und sich später darüber beschwert, dass der/die Kleine ja gar nicht damit spielt? Oder hast du vielleicht schon einmal mitbekommen, dass einem Obdachlosen Geld gegeben wurde mit den Worten „Aber nicht für Alkohol ausgeben“?

Wer ein Geschenk macht, hat oft eine gewisse Erwartungshaltung. Man erwartet, dass der Beschenkte das Geschenk sinnvoll nutzt oder besonders gut hütet, da es in den meisten Fällen schließlich Geld gekostet hat. Geld, für das man hart arbeiten geht. Wenn man einem Kind Spielzeug schenkt, dann will man, dass es auch damit spielt. Denn sonst wäre das Geld ja umsonst ausgegeben worden. Und wenn man einem Obdachlosen Geld gibt, für das man hart gearbeitet hat, dann soll es nicht für Alkohol, sondern für Essen ausgegeben werden. Entschuldige, wenn ich jetzt ein wenig forsch klinge, aber: Was mit den Dingen, die du verschenkst, gemacht wird, geht dich nichts an.

Etwas zu schenken bedeutet, etwas für immer zu geben. Ein Geschenk ist eine Geste und Gabe von Herzen, die jeden erdenklichen Zweck erfüllen kann. Wer beschenkt wird und automatisch weiß, dass ein Geschenk an Nutzungsbedingungen gebunden ist, der kann sich nicht wirklich darüber freuen. So entsteht eine Enttäuschung auf beiden Seiten:

  • Der Schenkende ist enttäuscht, weil sein Geschenk nicht so verwendet wird, wie er es eigentlich wollte
  • Der Beschenkte ist enttäuscht, weil er sein Geschenk nicht ungezwungen genießen kann

Wirklich schade, oder? Vielleicht mag dir solch eine Situation fremd vorkommen, aber wenn wir ehrlich sind, erwischen wir uns alle früher oder später dabei, solche Gedanken schon gehabt zu haben.

Aus diesem Grund habe ich ein simples und helfendes Motto: Entweder gebe ich von Herzen oder ich gebe gar nichts.

Woher kommt eigentlich unsere Erwartungshaltung? Es gibt zu dieser Frage mit Sicherheit einige gute Antworten, aber lassen wir heute mal das tiefe Schürfen in der menschlichen Psyche sein und schauen uns einen Grund an, der viel offensichtlicher ist:

Der Geschenk-Zwang-Tag

Weihnachten ist schon lange nicht mehr das Fest der Liebe und Besinnlichkeit. Weihnachten ist das Wirtschaftswunder der Konsumgesellschaft. Im Durchschnitt gibt jeder Deutsche dreistellige Beträge für Weihnachtsgeschenke aus. Das tun wir nicht unbedingt, um anderen Menschen eine Freude zu machen, sondern „um nicht ohne Geschenk dazustehen“. Denn: Die Schenkerei ist ein Hin und her-Schieben von Wertbeträgen. „Thomas hat mir letztes Jahr ein Besteckset im Wert von 80 € geschenkt, da muss ich dieses Jahr mindestens etwas genauso teures für ihn kaufen.“ Hand aufs Herz: Kennst du solche Gedanken? 🙂

Wer viele geliebte Menschen um sich hat, der muss auch viele Geschenke machen. Das bedeutet, dass Weihnachten für Schenkende oft ein Frust-Fest ist, denn es schlägt ein ordentliches Loch in die Kasse. Und wenn man sich schon die Zeit nehmen muss, ein ordentliches Geschenk auszusuchen, sich ins Getümmel der belebten Stadt zu stürzen und dabei auch noch viel Geld ausgibt, dann will man einfach, dass dieses Geschenk gut ankommt.

Langsam wird klar, worauf ich hinausmöchte, oder? 🙂

An Weihnachten steht größtenteils im Vordergrund, ein Geschenk machen zu müssen und das ist es, was ziemlich großen Frust auslöst. Die dabei entstehende Anspannung lässt die ganze Freude um das eigentliche Fest verfliegen und oft ist das Weihnachtsfest einfach nur ein Countdown bis zur Geschenkevergabe und ehe man sich versieht, ist alles vorbei. Dass man sich danach ausgezehrt, unzufrieden und enttäuscht fühlt, ist absolut verständlich.

Schenken, wenn es sich gut anfühlt

Wie immer kann ein Wechsel des Blickwinkels Abhilfe schaffen. Ich habe selbst einige Weihnachtsfeste erlebt, die so abgelaufen sind, wie ich es vorhin beschrieben habe. Ich war ständig unzufrieden und wenn die Weihnachtszeit begann, hatte ich schon ein unruhiges Kribbeln in mir, da ich den Stress unaufhaltsam auf mich zukommen spürte. Mittlerweile gibt es sogar schon Bücher im Stile von „Wie bewältige ich den Weihnachtsstress?“. Kein Scherz!

Irgendwann war ich es leid und habe angekündigt, dass es bei mir keine Weihnachtsgeschenke geben wird. Ich habe Familie und Freunde zum Weihnachtsfest eingeladen und wir hatten ein tolles Essen, schöne Gespräche und einen wunderbaren und vor allem stressfreien Abend ohne jegliche Enttäuschungen.

Und die Geschenke? – Die gibt es jederzeit!

Ich beschenke jemanden nicht, weil ein Tag es mir vorschreibt. Ein Geburtstag oder Weihnachten ist für mich kein Grund, jemandem etwas kaufen zu müssen. Ich schenke immer dann, wenn ich jemandem von Herzen eine Freude machen möchte. Und das tue ich oft. Ein kleines Beispiel: Ein sehr guter Freund von mir ist ein riesen Fan der alten James Bond-Filme. Vor ein paar Wochen freute er sich bereits über die späte Ausstrahlung eines solchen Filmes im Fernsehen. Da er aber nach der Arbeit furchtbar müde war, schlief er auf der Couch ein und verpasste den Film. Es tat mir so leid für ihn, dass mir eine tolle Idee kam: Am nächsten Tag fuhr ich in die Stadt, kaufte die Sammlerbox mit allen James Bond-Filmen, tauchte damit vor seiner Türe auf und überraschte ihn. Monate zuvor war er aus heiterem Himmel mit einer Ukulele vor meiner Türe aufgetaucht und sagte: „Als ich die gesehen habe, musste ich sofort an dich denken!“

DAS ist eine wirkliche Überraschung und ein Geschenk von Herzen. Kann man jemanden an Weihnachten wirklich überraschen? Gibt es noch Überraschungen, wenn jeder eine Erwartungshaltung hat? Kann man wirklich zufrieden sein, wenn ein „Fest“ in Wirklichkeit nur eine Erfüllung sozialer Pflichten ist? Ich persönlich glaube nicht daran und deshalb habe ich mich von den Zwängen befreit.

Kleiner Zusatz: Ich muss zugeben, dass ich nicht zu 100% konsequent bin. Die Kinder im Kreise der Freunde und Familie  bekommen noch Geschenke 🙂 Sie sind eben Kinder und sollen ihre Kindheit in vollen Zügen genießen.

Lange Rede, kurzer Sinn

Ich habe angekündigt, mich kurz zu halten und doch ist dies wieder ein kleiner Roman geworden 🙂 Am Ende möchte ich etwas Wichtiges festhalten: Dieser Artikel ist eines von vielen Beispielen dafür, dass unsere Weltanschauung und Erwartungshaltung darüber entscheidet, wie zufrieden und ausgeglichen wir eigentlich sind. Wir legen uns unsere Zwänge und Fesseln selbst an und wir können uns auch davon befreien.

Gerade an den Feiertagen sollten wir doch mal zur Ruhe kommen können. Uns nicht stressen und mit Konventionen quälen.

Deshalb noch einmal zwei ganz wichtige Aussagen, die ich dir zusammenfassend mit auf den Weg geben möchte:

  • Wenn du schenkst, dann schenke von Herzen und lass los. Was du gibst, gehört nicht mehr dir.
  • Schenke nicht, weil dich etwas oder jemand dazu drängt. Schenke, weil du von Herzen schenken willst.

Ich kann dir eines mit Sicherheit versprechen: Wenn du dir zumindest einmal intensiv Gedanken darüber machst, dann werden deine Feiertage in Zukunft wesentlich erfüllender und entspannter sein und du wirst viel mehr schöne Überraschungen in deinem Leben haben. Außerdem wirst du keinem Geld mehr hinterhertrauern, das du einmal für ein Geschenk ausgegeben hast, das am Ende in einer Ecke gelandet ist 🙂

In diesem Sinne wünsche ich dir ein schönes Wochenende! Morgen kommt der Nikolaus 🙂

Es ist schön, dass du dabei bist.

Michael

Ein Kommentar, sei der nächste!

  1. Hi

    Da kann ich dir nur Recht geben, du trifft 100%ig die „Wunden“ unserer Gesellschaft. Versuche auch schon länger gegen diesen Strom zu schwimmen, manchmal mit Erfolg, manchmal eben nicht, besonders bei meinem Kindern, da tue ich mir schwer. Die sind aber schon alt genug, da ist Bares „Wares“ ??
    Und stimmt, geschenkt ist geschenkt, man hat kein Recht darauf vom anderen was zu erwarten, davon sollte man sich schleunigst verabschieden und auch keine Gegenreaktion erwarten. Ich verschenke aus Freude und vom Herzen aus, ohne Gegenerwartung, sehr oft auch außerhalb der „Geschenkszeiten“, einfach nur so… ? Punkt aus

    LG Valentin

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