Da kommt man wirklich ins Grübeln…

Während ich diese Zeilen schreibe, liege ich auf einem Bett und blicke aus einem großen Fenster hinaus auf das Meer. Die Sonne scheint, draußen ist es angenehm warm (und das im Januar!) und ich höre das Rauschen der Wellen. Ich befinde mich im Süden von Spanien und stelle fest, dass ich noch nie einen so milden Winter erlebt habe. Herrlich, oder?

Jetzt kommt der Haken an der Sache: Ich liege im Bett, weil ich mich gerade von einer Lebensmittelvergiftung erhole, die mich ziemlich aus den Schuhen gehauen hat.

Ich bin aus geschäftlichen Gründen nach Spanien gekommen und hoffte, auch ein paar Momente zu finden, um die Gegend zu erkunden und ein paar Sonnenstrahlen aufzutanken. Dabei habe ich es am ersten (!) Tag nach der Ankunft geschafft, mir eine Lebensmittelvergiftung einzufangen und was danach kam, war alles andere als lustig.

Nun liege ich hier also. Geschwächt und in der festen Absicht, wieder fit genug für die Heimreise zu werden. Meine Termine kann ich vergessen und ich fühle mich auch nicht so, als könnte ich mir den Wanderrucksack anziehen und die Wildnis erkunden. Gestern war ich deshalb ziemlich frustriert. Ich sagte: „Im Bett rumliegen kann ich auch zu Hause. Dafür hätte ich nicht so weit reisen müssen.“

Es ist jedoch so, dass Bitterkeit mir nicht sonderlich gut steht. Im Herzen bin ich doch ein Optimist, also habe ich schon bald wieder angefangen, das Ganze hier aus einer positiveren Perspektive zu betrachten. Dabei habe ich mich an zwei wertvolle Wahrheiten erinnert, die uns allen nützlich sein können, wenn wir uns in einer Situation wiederfinden, die wir absolut nicht gewollt und geplant haben. An diesen Wahrheiten möchte ich dich heute teilhaben lassen, weil ich hoffe, dass sie auch dich in der ein oder anderen schwierigen Situation wieder auf Kurs bringen werden.

Was wichtig ist und wichtig bleibt

 

1. Dankbarkeit ist der Schlüssel zum inneren Frieden

Es gibt immer eine ganze Menge, worüber wir uns ärgern können. Aber all die Dinge, für die wir dankbar sein können und sollten, lösen sich dadurch nicht in Luft auf. Im Gegenteil! In schwierigen Situationen wird das, wofür wir dankbar sein können, noch viel wichtiger. Dankbarkeit erinnert uns an die guten Dinge des Lebens, die wir im Alltag viel zu wenig zu schätzen wissen.

So denke ich zum Beispiel gerade an mein geliebtes Zuhause und mein gemütliches Badezimmer, in dem ich die vielen Stunden des Leidens viel lieber verbracht hätte. Im Alltag weiß man das einfach nie zu schätzen. Man denkt viel zu selten bewusst darüber nach, wie wertvoll es ist, einen Ort zu haben, an dem man sich wohlfühlen kann und was für ein Privileg das ist.

Vor allem denke ich – so wie vermutlich jeder, der sich gesundheitlich schlecht fühlt – daran, wie schön das Leben ist, wenn man topfit und kerngesund ist. Gesund zu sein, ist absolut nicht selbstverständlich. Wir sollten uns jeden Tag darüber freuen. Wenn man mal genau darüber nachdenkt, erkennt man, dass ein Großteil unserer Lebensqualität davon abhängt, ob wir gesund sind oder nicht. Was bringt uns zum Beispiel großer Wohlstand, wenn wir ihn aufgrund eines schlechten Gesundheitszustands nicht nutzen oder genießen können?

Zu oft streben wir nach Dingen, die uns kaum glücklich machen können und setzen dafür unsere Gesundheit aufs Spiel.

Und weißt du, was daran besonders verrückt ist? Das wird uns immer nur dann klar, wenn es uns furchtbar geht. Wir nehmen uns vor, fortan mehr Wert auf die Gesundheit zu legen, nur um diesen Vorsatz wieder über Bord zu werfen, sobald wir wieder fit genug für das Hamsterrad des Alltags sind.

Wir sollten wirklich jeden Tag aufstehen und sagen: „Ich bin dankbar für diesen Tag. Ich bin dankbar, gesund zu sein. Angesichts dessen gibt es nichts, was mich genügend verärgern könnte, um mich aus der Spur zu werfen.“

Du darfst mir an dieser Stelle gerne Heuchelei unterstellen. Schließlich werde ich selbst vermutlich schon in wenigen Wochen wieder vergessen haben, wie furchtbar es war, hier zu leiden. Aber es ändert nichts an der Wahrheit hinter meinen Worten. Neben der Gesundheit gibt es noch so viele wertvolle Aspekte unseres Lebens, denen wir nicht die nötige Anerkennung entgegenbringen.

Ich glaube, die Personen, die auch in guten Zeiten dankbar und wertschätzend sind, haben das Leben wirklich verstanden.

 

2. Man muss flexibel bleiben

Ich bin ein großer Freund von Zielen und Plänen. Sie geben mir Struktur und ich weiß, dass sehr viele Menschen da draußen ähnlich denken. Allerdings dürfen wir uns nicht von unseren Plänen abhängig machen. Wir müssen flexibel bleiben, denn manchmal zeigt das Leben uns, dass es nicht immer geradlinig ist.

Dieser Tage bekomme ich das natürlich besonders stark zu spüren. Für meine Reise hatte ich vieles geplant, nur nicht das hier. Das bringt einige Konsequenzen mit sich:

  • Hohe Geldausgaben
  • Fehlende Einnahmen
  • Zeitverlust
  • Verpasste Chancen
  • Hoher organisatorischer Aufwand

Also, was mache ich jetzt aus der Situation? Schmollen? Aufgeben? Alles hinwerfen? Keine allzu attraktiven Optionen, wenn du mich fragst.

Wenn die geplante Route gesperrt ist, heißt das doch nicht, dass wir umkehren oder die Reise abbrechen. Es heißt, dass wir eine Umleitung nehmen und andere Wege entdecken.

Das erinnert mich daran, wie ich einmal einen Ausflug in die Eifel gemacht habe. Die einzige Hauptstraße, die zu meinem Ziel führte, war gesperrt, weil einige Bäume umgestürzt waren. Ein Feuerwehrmann erklärte mir, es gäbe ein paar uralte Landstraßen, die durch den Wald führten. Der Umweg betrug insgesamt etwa 30 Kilometer. In diesem Moment war ich zutiefst verärgert, doch wie sich herausstellte, waren diese alten Straßen wunderschön. Plötzlich war ich glücklich darüber, den Umweg nehmen zu müssen, denn ich hatte etwas entdeckt, das mir entgangen wäre, wenn mein ursprünglicher Plan funktioniert hätte.

Vielleicht bringt das Leben uns manchmal vom Weg ab, um uns zu zeigen, dass es noch viel mehr als das gibt, was wir uns vorstellen können. Die Frage ist stets, ob wir uns auf die alternative Route einlassen und offen für neue Erkenntnisse sind, oder ob wir uns ärgern und uns eine kostbare Lektion entgehen lassen.

Ein gutes Leben

Ein gutes Leben heißt nicht, dass immer alles nach Plan verläuft. Ein gutes Leben hat man, wenn man in der Lage ist, stets aus allem das Beste zu machen. Darin ist sicherlich niemand perfekt, aber mit etwas Übung werden wir immer besser darin.

Also werde ich jetzt mal üben gehen. Ich bin schwach und müde, aber draußen auf der Terrasse meines Apartments ist eine Sonnenliege, die bei 20 Grad Außentemperatur im Sonnenlicht strahlt und von der aus ich das Meer sehen kann. Ja, mir fehlt mein Zuhause, aber zu Hause sind es auch gerade 2 Grad bei Regen…

Das Leben hat mir Zitronen gegeben, also werde jetzt mal eine köstliche Limonade daraus machen. Dasselbe lege ich auch dir ans Herz, in welcher Situation auch immer du dich gerade befinden magst. In diesem Sinne: Lass es dir schmecken 😉

Es ist schön, dass du dabei bist.
Michael

 

Titelbild: Unsplash.com, Aditya Saxena